Verfasst von: joachimfulda | 10. Februar 2010

Iran: Mehr als 65 Journalisten und Internetdissidenten im Gefängnis


Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisiert die Welle von Verhaftungen von Journalisten und Internetdissidenten in den vergangenen Tagen im Iran auf das Schärfste. Mehr als 65 Reporter und Cyberdissidenten sind aktuell im Gefängnis. „Seit der Gründung von Reporter ohne Grenzen im Jahr 1985 war diese Ziffer im Iran noch nie so hoch“, so ROG-Generalsekretär Jean-François Jullliard. Die Zahl umfasse in Teheran und in den Provinzen ansässige Journalisten. Hier gehts zum vollen Bericht.

Verfasst von: beritberlin | 9. Februar 2010

Marokkos Juden: Eine 2600 Jahre alte Geschichte

Verschiedene Quellen datieren die jüdische Einwanderung in Marokko auf das 6. Jahrhundert v. Chr., nachdem Nebukadnezar den ersten Tempel in Jerusalem zerstören ließ und die Judäer fliehen mussten. Als gesichert gilt jedenfalls, dass sie sich in antiker Zeit noch vor Beginn der römischen Herrschaft hier ansiedelten. Später konvertierten viele Berberstämme zum Judentum. Den größten jüdischen Bevölkerungszuwachs erhielt Marokko 1492, in der letzten Phase der spanischen Reconquista. Nach der Verfolgung und nach zahlreichen Pogromen wurden die überlebenden Juden aus dem spanischen Hoheitsgebiet vertrieben. Während der Inquisition im 16. Jahrhundert hielt die Auswanderungswelle, nicht zuletzt von Juden, die das Christentum nur oberflächlich angenommen hatten, an. Insgesamt werden etwa 100.000 spanische Juden damals ihr Heimatland verlassen haben. In Marokko siedelten sie an den Küsten und in den wirtschaftlichen Zentren des Landesinneren, wie in Casablanca und Fès (oder Fez). Allerdings gliederten sich die Sepharden – so die Bezeichnung der aus Spanien stammenden Juden – nicht in die bestehenden jüdischen Gemeinden ein, sondern unterhielten eigene Synagogen und pflegten althergebrachte Traditionen. Ihre zahlenmäßige Überlegenheit und ihre wirtschaftlichen Erfolge durch den Handel führten allmählich zu einer kulturellen Assimilation der ursprünglich ansässigen Juden an die Einwanderer.

Als Anhänger einer “Buchreligion” standen die marokkanischen Juden unter dem Schutz der Dhimma. Zwar sicherte ihnen diese Institution des islamischen Rechts auch in Marokko gegen die Zahlung einer Kopfsteuer gewisse Rechte zu, dennoch waren sie gegenüber den Muslimen Bürger zweiter Klasse. Dhimmis durften anstatt auf Pferden allenfalls auf Maultieren und Eseln reiten, und außerhalb des Judenviertels nur barfuß gehen. Bei ihrer Berufswahl waren sie eingeschränkt, jedoch nicht so drastisch wie die europäischen Juden, die durch die Zunftregelung von den meisten Handwerksberufen ausgeschlossen waren. Die Juden Marokkos waren vor allem durch ihr Kunsthandwerk, die Schneiderei oder als Goldschmiede bekannt. Viele von ihnen waren jedoch Händler und Geldverleiher. Seit dem 19. Jahrhundert und dem zunehmenden Einfluss Frankreichs und der französischen Kolonialzeit erhielten sie zudem die Möglichkeit, als Übersetzer zu arbeiten.

Lange Zeit lebten die marokkanischen Juden in eigenen Vierteln, den Mellahs, die ursprünglich errichtet worden waren, um diese vor Gewaltakten durch Muslime zu schützen. Innerhalb dieser engen, ummauerten Bereiche bildeten sich Mikrostädte mit eigenen Schulen, Badehäusern und Märkten heraus. Sie waren im Rahmen der Dhimma-Gesetzgebung autonom organisiert, nahmen Steuern ein und erließen Gesetze, über deren Einhaltung unabhängige jüdische Gerichte wachten.

Obwohl es Jahrhunderte lang immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und Massakern an jüdischen Marokkanern kam, erging es ihnen dort wesentlich besser als der jüdischen Bevölkerung in vielen Teilen Europas. Vor allem während des Zweiten Weltkriegs war Marokko einer der Zufluchtsorte für das europäische Judentum. König Mohammed V. verhinderte die Deportation marrokanischer Juden in deutsche Konzentrationslager und stellte sich 1940 gegen einen Erlass Vichy-Frankreichs, der das Tragen des Gelben Sterns für jüdische Marokkaner vorsah. Trotzdem verließen über 200.000 Juden in den folgenden Jahren das Land. Viele emigirierten 1948 nach Israel, andere verließen 1956 nach der Sueskrise und der Unabhängigkeit Marokkos und schließlich 1967 nach dem arabisch-israelischen Krieg ihre Heimat. Ein nicht unerheblicher Teil emigrierte nach Frankreich.

Seit 1948 ist die Zahl der jüdischen Marokkaner von 265.000 auf 5.700 (2001) gesunken. Die Zurückgebliebenen beklagen vor allem das Abwandern der Jugendlichen: Sie gehen vielfach zum Studium nach Frankreich und bauen sich dort eine Zukunft auf. Die marokkanische Regierung ist unterdessen bemüht, die im Allgemeinen exzellent ausgebildeten und gesellschaftlich gut gestellten Juden als Fachkräfte im Land zu halten und fördert ihre Rückkehr. Einige folgen diesem Ruf, denn trotz der Abwanderung sind viele Juden marokkanischer Herkunft noch stark mit ihrem Heimatland verbunden.

Bezeichnend ist die Beschreibung des bekannten marokkanischen Schriftstellers Said Ghallab über die Haltung vieler seiner muslimischen Landsleute gegenüber ihren jüdischen Nachbarn: Die schlimmste Beleidigung, die ein Marokkaner bieten konnte, war, jemanden wie Juden zu behandeln… meine Jugendfreunde sind antijüdisch geblieben. Sie verbergen ihren virulenten Antisemitismus, indem sie argumentieren, dass der Staat Israel ein Geschöpf des westlichen Imperialismus wäre… Nichtsdestoweniger ist verbürgt, dass Marokkos König Hassan II. bis zu seinem Tod 1999 versucht hat, die Juden zu beschützen. Marokkanische Juden konnten sich im Geschäftsleben weiter betätigen und erhielten Posten in der Regierung. Die Flucht und Emigrationswelle der marokkanischen Juden konnte der König nicht aufhalten.

Der Artikel von Berit Stehr erschien in der aktuellen Ausgabe der GfbV-Zeitschrift “Bedrohte Völker- Pogrom” mit Schwerpunktthema “Jüdische Gemeinschaften”. Weitere Leseproben aus dem aktuellen “Bedrohte Völker -Pogrom” gibt es hier: http://www.gfbv.de/bestelloffice.php?rubrik=Zeitschrift . Die gedruckte Ausgabe des “Bedrohte Völker – Pogrom” kann hier bestellt werden: http://www.gfbv.de/bestelloffice.php?rubrik=Zeitschrift

Der Kommentar der „Tochter der Sahara“ ist eine Verfälschung der Menschrechtslage in der Westsahara, die ich in meinem Artikel zur Freilassung von Degja Lachgar beschrieben habe. Diese Aussagen kann ich nicht kommentarlos stehen lassen.
Lies mehr…

Verfasst von: sarahreinke | 8. Februar 2010

Drei Menschenrechtler in Tschetschenien verhaftet

Es ist schon wieder passiert: Drei russische Menschenrechtler, die im Gebiet Schali unterwegs waren und Menschenrechtsverletzungen recherchieren wollten, wurden verhaftet. Sie gehören einer Gruppe an, die sich um die Organisation Memorial gesammelt hat, um gemeinsam die Menschenrechtsarbeit in Tschetschenien fortzusetzen. Vladislav Sadykov, Dmitry Egoschin und Roman Veretennikov wurden 15 Stunden festgehalten und dann wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Innenministerium teilte mit, es habe sich um eine normale Überprüfung gehandelt. Diese und andere Schikanen gegen Menschenrechtsverteidiger müssen aber als eindeutiges Signal verstanden werden: Menschenrechtsarbeit ist in Tschetschenien unerwünscht, dort, wo die Menschenrechte mit Füßen getreten werden!

Verfasst von: gfbvberlin | 8. Februar 2010

Interview zu ukrainischer Zivilgesellschaft

Warum ist es um die ukrainische Zivilgesellschaft, welche die
orangene Revolution von 2004 maßgeblich mitgetragen hatte,
bei der diesjährigen Wahl so still geworden?

Oleksandr Sydorenko, Direktor des “Innovation and Development
Center”, einer führenden ukrainischen NGO, gibt einige Antworten
in seinem Interview mit dem Online-News-Portal Vitaeurope.

Zum Interview (in Englisch) geht es zu Vita Europe hier. Vita Europe ist ein englischsprachiges Portal das zu einer eigenen Identität und Kultur der Europäischen Zivilgesellschaft beitragen möchte. Der “Non-Profit-Atlas” gibt Vita Europe einen kurzen Überblick über den Dritten Sektor in verschiedenen europäischen Ländern, ergänzt um um aktuelle Nachrichten und Interviews.

Verfasst von: joachimfulda | 8. Februar 2010

Protest zu 22 Bahman (Tag der islamischen Revolution im Iran)


Folgenden Aufruf bekam ich über facebook vom Berliner Bündnis Iran, den ich an dieser Stelle gerne wiedergebe: am 11.02.2010 feiert die iranische Regierung das 31-jährige Bestehen der “Islamischen Republik” im Iran. Dabei findet die Meinung der Mehrheit im Iran keinerlei Rücksicht.

Denn die Menschen im Iran wollen die Trennung von Religion und Staat. Sie fordern eine Demokratie, in der alle Menschen dem Gesetz gleich gesetzt sind. Statt dessen werden sie verhaftet, gefoltert, vergewaltigt und hingerichtet. Das ist seit 31 Jahren die Antwort der “Islamischen Republik” im Iran auf die natürlichsten Forderungen der Menschen.

Am 28.01.2010 wurden erneut zwei unschuldige Männer im Alter von 20 und 37 hingerichtet, weil sie angeblich “Feinde Gottes” waren. Heute kündigte die Regierung in Teheran die Hinrichtung weiterer 9 Regimekritiker in den nächsten Tagen an.

Die Regimekritiker werden problemlos zum Tode verurteilt, ohne einen rechtlichen Schutz (Anwalt) in Anspruch nehmen zu dürfen.

Am 11.02.2010 werden wir mit einem Aufmarsch am Berliner Kurfürstendamm an die Opfer im Iran gedenken. In einem mobilen Protestzug am Kurfürstendamm, der mit Autos und Krafträdern, aber auch zu Fuss statt findet, werden wir unsere Solidarität mit der Freiheitsbewegung und die Opfer im Iran verkunden.

Wir verurteilen das brutale Vorgehen der Islamischen Republik Iran gegen das eigene Volk und fordern die sofortige Einstellung der Todesstrafen und die Freilassung aller politischen und ethnischen Gefangenen.

Setzen Sie auch ein Zeichen der Solidarität für Menschen, die nichts anderes fordern als Frieden, Freiheit und Menschenwürde.

Tag der Veranstaltung: Donnerstag, 11.02.2010, Beginn: 18:00 Uhr, Ende: ca. 20:00 Uhr, Treffpunkt: Kurfürstendamm / Breitscheidplatz, gegenüber von Europa-Center. Die Route geht vom Kurfürstendamm / Breitscheidplatz bis Adenauerplatz.

Der Berliner Aktionskünstler Philipp Ruch hat kürzlich im Glocalist Review vier Thesen über den Umgang deutscher Medien mit Menschenrechtsthemen verfasst. Diese Brandschrift wollen wir an dieser Stelle gerne wiedergeben, spiegelt sie doch weitestgehend unsere eigenen Erfahrungen mit der deutschen Presselandschaft wieder:

These 1: Menschenrechtsorganisationen finden in den deutschen Medien kein Gehör.

Alle Menschenrechtsorganisationen kämpfen mit demselben Problem: die klassischen Instrumente versagen ihnen unter der Hand. Pressemitteilungen werden nicht gelesen, hartnäckiges „Lobbying“ versandet im Nichts, sogar Interventionen in den Chefredaktionen führen nur zu Verlegenheitsgesten.

Die Berichterstattung über die Belange und Interesse von Krieg, Hunger und Verfolgung betroffener Menschen findet im besten Fall noch an der Medienperipherie statt. Journalisten erstatten ihrer Gesellschaft keinen Bericht mehr. Dadurch wird eine ganze Gesellschaft in den Zustand der Ahnungslosigkeit versetzt. Lies mehr…

Verfasst von: joachimfulda | 7. Februar 2010

Mord im Kolonialstil – Lumumba

Das Afrika-Haus Berlin zeigt am Freitag, 19. Februar 2010 (19:30 Uhr) die hoch interessante Dokumentation “Mord im Kolonialstil: Lumumba” (BRD 2000, ein Film von Thomas Giefer) und verknüpft dies mit einem Vortrag vom Soziologen Iseewanga Indongo-Imbanda. Der Film aus der Reihe „Politische Morde“ des WDR untersucht das Schicksal des „Propheten der afrikanischen Einheit“, des „kommunistischen Sicherheitsrisikos“ Patrice Lumumba, der 40 Jahre lang zu den geheimnisvollsten Legenden des Kalten Krieges gehörte. Thomas Giefer befragt Zeitzeugen und Täter und enthüllt, dass die Regie im Hintergrund des Verbrechens die ehemalige Kolonialmacht Belgien in bester Eintracht mit der CIA führte. Sehenswert!


Dieser Tage erschein die neueste Ausgabe unserer GfbV-Zeitschrift “bedrohte Völker-Pogrom”. Das Schwerpunktthema setzt sich mit dem Schicksal jüdischer Gemeinschaften von Sarajevo bis Aksum, von Marrakesch bis Karatschi auseinander. Die neueste Ausgabe gibt einen Überblick über die vielfachen Fälle der Verfolgung und Vertreibung von Juden aus dem Nahen Osten, dem Balkan sowie dem Kaukasus, Pakistan und Indien. Antijüdische Politik kann weit in die Geschichte zurückverfolgt werden, etwa hinsichtlich der Flucht spanischer Juden vor der Inquisition nach Marokko im 15. und 16. Jahrhundert oder später der Diskriminierung algerischer Juden durch das Osmanische Reich. In vielen Ländern sind die dort teils seit Jahrhunderten ansässigen jüdischen Gemeinschaften im Laufe der Zeit durch massive Fluchtbewegungen in Folge von Unterdrückung und Vertreibung extrem geschrumpft. Der Flüchtlingsstrom nach Israel sowie in viele andere Länder hält bis heute an.

Sonst noch im Titel finden sich Artikel von Sarah Reinke (Russlands Republiken: Der Autonome Kreis der Chanten und Mansen), von Judith Kunze (Bangladesch: Indigene Völker der Chittagong Hill Tracts hoffen auf Umsetzung des Friedensabkommens) und von Ulrike Löbel (Landrechtskonflikt der Nyungah-Aborigines in Westaustralien). Bestellen kann man es in dieser Rubrik der GfbV-homepage.

Verfasst von: joachimfulda | 6. Februar 2010

Wohnst Du noch oder brennst Du schon?


Gestern kam ein online-Appell von Rettet den Regenwald rein, den wir gerne unterstützen – haben wir schließlich die gleichen Ziele! Denn Palmöl-Plantagen gehen häufig auf Kosten der Landrechte indigener Völker, die dadurch entwurzelt werden, über das Schicksal der Penan berichteten wir in diesem Blog bereits. Diesmal geht es – mal wieder! – um unser Konsumverhalten und wie es sich auf die Regenwaldzerstörung auswirkt: IKEA kann nämlich nicht garantieren, dass die angebotenen und sehr preisgünstigen Kerzen und Teelichter aus nachhaltiger Palmölproduktion stammen. Zu den Hauptbestandteilen von IKEAs Kerzen und Teelichtern zählen nämlich neben Paraffinen vor allem pflanzliches Wachs und Stearin. Hinter diesen beiden Begriffen verbirgt sich meist Palmöl, das aktuell pro Tonne etwa 250 Euro günstiger ist als Paraffin und so niedrige Kerzenpreise in den Möbelhäusern erst möglich macht. IKEA verbraucht pro Jahr 32.000 Tonnen Palmöl in seiner Kerzenproduktion, für weitere Produkte kommen noch einmal 8.000 Tonnen hinzu. Der Großteil des Palmöls stammt aus Malaysia und Indonesien. Hier gehts zum online-Appell, und wer schon dabei ist, kann auch gerne gleich an die Bundesregierung appellieren, die Palmöl-Subvention abzuschaffen. Immer wieder gerne!

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