Verfasst von: joachimfulda | 28. April 2009

Armenischer Gedenktag

In meinem vorletzten Blog schrieb ich über unsere Darfur-Kampagne. Dazu gab es interessanter Weise Kommentare, die weniger mit dem Sudan denn mit den Völkermorden an Armeniern und Kurden zu tun hatten. Am 24. April war der weltweite Gedenktag an die geplante, systematische Ermordung von etwa 1,5 Millionen Armenieren im Osmanischen Reich.

Die armenische Gemeinde in Berlin gedenkt dabei auch an die Vernichtung sämtlicher Spuren ihres Lebens und ihrer Kultur, erinnert an ein ungeheuerliches staatliches Verbrechen. Das besondere an dieser Gemeinde ist, dass sie die älteste in Deutschland ist – 1923 gegründet, von Überlebenden des Genozids im Osmanischen Reich. Darüber hinaus flüchteten viele Armenier aus der früheren Sowjetunion nach Berlin. Dies trug zwar zu einer bunten, multikulturellen Vielvölkerstadt bei, ging aber auf Kosten der Herkunftsregionen: diese verödeten, vereinsamten und gingen kulturell wie wirtschaftlich zugrunde. Deswegen verstehen sich hiesig Armenier traditionell als Diaspora-Gemeinde, die ihren Opfern von damals als Mahnung an heute und morgen gedenkt.

Der Gedenktag soll auch erinnern an Schutzlosigkeit, an die Heimatlosigkeit von Flüchtlingen, an ihr bis heute andauerndes Ringen um kulturelle Zugehörigkeit und Identität. Aber nicht nur diese von Gewalt, Verlust und Vertreibung geprägte Vergangenheit ist traurig. Sondern auch die systematische Leugnung des Völkermords an den Armeniern. So drohte der türkische Wirtschaftsminister Ali Babacan mit schweren Wirtschaftssanktionen, als die französische Nationalversammlung 2001 beschloss, die Leugnung des Genozids an den Armeniern unter Strafe zu stellen.

Die GfbV fordert im Vorfeld dieses Gedentages, dass die Türkei diesen Genozid endlich offiziell anerkennt, dass darüber schreibende Journalisten geschützt werden, dass der Mord an Hrant Dink aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden und vor allem eins: dass Deutschland diesen Genozid auch in seinen Schulbüchern berücksichtigt. Denn es waren Offiziere des Deutschen Kaiserreiches, die die Täter damals ausbildeten.

Nun darf man aber in diesem Zusammenhang nicht jene verdienten Deutschen vergessen werden, die sich in bester humanistischer Tradition sich gegen diese deutsche Rolle auflehnten. Beispielsweise der evangelische Theologe Johannes Lepsius. Er begehrte gegen diesen Völkermord auf und trug maßgeblich zu seiner Dokumentation beit. Die GfbV ruft dazu auf, dass die deutsche Politik an diese unvergessenen Traditionen anknüpfen muss – den hieran misst sich die Glaubwürdigkeit jeglicher Außenpolitik.

Unser Berliner Kollege Frank Rene Dohmes schrieb dazu auf unserer Webseite einen Beitrag über die Gedenkveranstaltung hier in Berlin (unter berlin.gfbv.de). Er beschrieb auch dankeswerter Weise im Dezember, wie Lepsius sich für die Armenier einsetzte. Das von ihm sehr genutzte Buch “Dr. Johannes Lepsius (1858-1926); Der Potsdamer Anwalt und Helfer des armenischen Volkes.” von Hermann Goltz ist empfehlenswert.


Antworten

  1. [...] „Asche und Phönix“ Vielen Armeniern sind Johannes Lepsius noch immer in Dankbarkeit verbunden, obwohl er seit langem tot ist. Aber sein tiefes humanistisches [...]


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