Verfasst von: joachimfulda | 28. April 2009

Verfolgte Roma in Serbien und Kosovo

Die Internetplattform “Romano Them” berichtet über die Lage der Roma im Kosovo und in der Diaspora. Aufgrund massiver Menschenrechtsverletzungen warnt sie vor einer Zwangsrückführung der in der EU lebenden Roma-Flüchtlinge. “In den letzten zehn Jahrenhat die internationale Gemeinschaft fast nichts getan, um die Rechte der Roma im Kosovo zu schützen – die verbliebenen Angehörigen dieser Minderheiten leben im Kosovo unter erbärmlichen Umständen.

Romano Them liegen zahlreiche Berichte über Gewaltübergriffe auf die Roma vor, die nicht angezeigt werden. Der Leiter des GfbV-Kosovo-Temas in Serbien und dem Kosovo Paul Polansky informierte schon im November 2008 das EU-Parlament über die Situation in den beiden bleiverseuchten Flüchtlingslagern im Norden des Landes. Seine Videobeiträge wurden nicht nur unter youtube wurden auch von der BBC groß rausgebracht. Dringend nötig ist eine breite Öffentlichkeit. Denn in den Flüchtlingslagern sind nach wie vor 638 Menschen untergebracht, darunter 324 Kinder.

Am 8.April war von der deutschen Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, Welt-Roma-Tag. Aus diesem Anlass organisierte die GfbV und die Kosovo Medical Emergency Group KMEG (London) eine Mahnwache vor einem der beiden Flüchtlingslager, um auf die unerträglichen Lebensbedingungen aufmerksam zu machen. In diesem Zusammenhang kann man aufgrund des bleiverseuchten Wassers nur die Evakuierung der Lager fordern. Zum Gedenken an die 81 Roma, die in den vergangenen Jahren dort gestorben sind, wurden Kerzen angezündet. Die Roma vermuten, dass ihre Angehörigen ums Leben kamen, weil die Lager “Osterode” und Cesmin Lug/Cesmin Llug in Nordmitrovicë (Mitrovica) schwermetallverseucht sind. Sie wurden vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf der Abraumhalde einer ehemaligen Bleierzmine errichtet. In den Lagern wurden nach der Nato-Intervention im Kosovo 1999 Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter untergebracht, die nach gewalttätigen Übergriffen vor albanischen Extremisten fliehen mussten. 560 Roma müssen bis heute in “Osterode” und Cesmin Lug/Cesmin Llug ausharren.

Die Lagerbewohner werfen den Vereinten Nationen (UN) vor, zehn Jahre lang nichts unternommen zu haben, um sie vor einer Vergiftung mit Schwermetallen zu schützen. Vor genau zehn Jahren hatte der damalige Leiter der Mission der UN im Kosovo (UNMIK) und heutige Außenministier Frankreichs, Dr. Bernard Kouchner, versprochen, alle Flüchtlingslager innerhalb von 45 Tagen aufzulösen. Alle Bewohner, die innerhalb dieser Frist nicht in ihr Wohnviertel nach Südmitrovica (Roma-Mahalla) zurückkehren können, sollten an andere Orte außerhalb des Kosovo gebracht werden. Im November 2000 empfahlen Ärzte der UN dem UNMIK-Leiter, die Flüchtlingslager sofort zu evakuieren, da die bei Kindern festgestellten Bleiwerte lebensgefährlich waren. Dr. Kouchner missachtete diese Empfehlung. 2004 und 2008 forderte auch die Weltgesundheitsorganisation WHO dringend, die Lager aufzulösen.

“Wir fordern die Evakuierung und eine medizinische Behandlung!”, sagt der Anführer der Roma Skender Gushani: “Warum werden wir von der UN und jetzt auch von der Kosovo-Regierung auf diesem Tod bringenden Gelände festgehalten? Das ist ein Leben wie in der Hölle!” Über die katastrophalen gesundheitlichen Folgen für die Roma berichtete Polansky übrigens auch im House of Commons in London und dem Irish Joint Foreign Affairs Committee im irischen Dublin. Geschehen ist bis heute nichts. Armes Europa…..


Antworten

  1. [...] lässt – ich habe schon über rockende Roma geschrieben und über die Unterbringung der kosovarischen Roma-Flüchtlinge auf einer bleiverseuchten Müllhalde. Wir Deutschen sind aber nicht besser. Hier folgender Bericht, der mich als Kreuzberger Anwohner [...]

  2. [...] Kosovo, Paul Polansky, zu Wort kam – er erzählte von Roma-Familien im Kosovo, die auf einer bleiverseuchten Müllhalde leben müssen. Dieser Beitrag interessierte mich, da ich gerade an einer längeren Roma-Reportage [...]

  3. [...] ein eindringliches Zeichen dafür. Denn vielen von Ihnen fürchten ein ähnliches Schicksa wie jene fünfhundertsechzig Roma, die in den Lagern von Cesmin Lug und „Osterode“ auf dem verseuchten Gelände einer [...]

  4. [...] der Abschiebung betroffen sind. Denn vielen von ihnen fürchten ein ähnliches Schicksal wie jene Roma, die in den Lagern von Cesmin Lug und „Osterode“ auf dem verseuchten Gelände einer ehemaligen [...]


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