Auch fast fünf Jahre nach der Ermordung des 39-jährigen indonesischen Rechtsanwalts Munir sind die Hintergründe nicht vollständig geklärt und die im indonesischen Staatsdienst stehenden Hintermänner der Tat strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen. Die indonesischen Menschenrechtsanwälte Usman Hamid und Haris Azhar berichten Ende Mai bei einer Veranstaltungstour durch Deutschland über den letzten Stand der Entwicklung.
Vielen Indonesien-Kennern ist der Menschenrechtler Munir ein Begriff. Er zahlte einen hohen Preis für sein Engagement. Fünf Jahre nach seinem Tod organisiert WatchIndonesia! eine Vortragsreise durch Deutschland – so findet am 27. Mai ein Vortrag statt, mit der die Hintergründe seines Todes beleuchtet wird (19 Uhr, Geschäftsstelle der Berliner Rechtsanwaltskammer,Littenstr. 9, 4. OG).
Während meines Studiums im australischen Sydney lernte ich vor Jahren Munir kennen – einem jungen, unscheinbaren und bescheiden auftretenden Indonesier, der sich mit den altem System des autoritär herrschenden Präsidenten Suharto auseinandersetzte. Munir hatte aufgrund seines großen Engagements viele Feinde, besonders im Militär. Er starb auf einem Flug nach Amsterdam.
Er war mit meinem Dozenten für “Southeast Asian Politics”, Edward Aspinall, eng befreundet. Mit großer Bestürzung erfuhr ich dann im September 2004, dass Munir tot ist. WatchIndonesia schrieb einen sehr ergreifenden Nachruf, man ging anfangs von einem Nierenversagen des 39 Jahren alten Menschenrechtlers aus. Doch dann stellte sich heraus, dass er mit Arsen vergiftet wurde. Zwar konnte der Täter, ein Pilot der staatlichen Fluglinie Garuda, der Tat überführt werden. Seine Verurteilung und späterer Freispruch verkam allerdings zur Farce. Auch konnten enge Kontakte zu hochrangigen Geheimdienstlern nachgewiesen werden – die dann aber in dem korrupten Justizsystem Indonesiens nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.
Weitere Themen sind die anhaltende Straflosigkeit sowie Möglichkeiten der Vergangenheitsaufarbeitung und der Reform des Militärs, aktuell vor dem Hintergrund der im Juli stattfindenden Präsidentschaftswahlen. KontraS wurde von dem 2004 ermordeten Munir gegründet und ist eine der bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen
Indonesiens. Nähere Infos gibt es bei WatchIndonesia!.




Letzte Kommentare