Es wird schwer, einen dauerhaften Frieden in Sri Lanka zu finden. Zwar gingen gestern Gerüchte um, der tamilische Rebellenführer sei bei “der Flucht” erschossen worden – aber das haben die Nazis auch behauptet, wenn sie unliebsame Gegner ausgeschaltet haben.
An den Gerüchten ist aber wohl nichts dran, da Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse, in seiner gestrigen Ansprache den angeblichen Tod des Rebellenführers mit keinem Wort erwähnte. Viel interessanter aber ist seine Ankündigung, dass “von jetzt an (..) die gesamte Nation unter die Herrschaft des Parlaments” komme, auch wenn er einräumte, der Krieg sei keine endgültige Lösung für den ethnischen Konflikt zwischen den Singhalesen und der tamilischen Minderheit. Es wird interessant sein zu sehen, wie es den Volksgruppen und politischen Parteien gelingen wird, eine politische Lösung zu finden, die für alle Volksgruppen in Sri Lanka akzeptabel sei.
Das wird umso schwerer, weil die Rebellenorganisation LTTE nun der Armee “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”, insbesondere Mord, vorwerfen. Der LTTE sei nach ihrer Erklärung über das Ende ihres bewaffneten Kampfes von Mitgliedern der Internationalen Gemeinschaft mitgeteilt worden, es seien Absprachen mit der Armee über ein geordnetes Ende des Krieges getroffen worden. Die beiden Anführer des politischen Flügels der Rebellen, B. Nadesan und S. Puleedevan, hätten unbewaffnet und weiße Flaggen tragend Kontakt zu den Truppen aufgenommen. Nach Angaben der LTTE wurden sie dann aber beide erschossen und getötet. Um diese Vorwürfe zu überprüfen, bräuchte es unabhänginge Beobachter. Doch die Sri Lankische Regierung tut sich immer noch schwer, internationale Organisationen frei handeln zu lassen und Journalisten ihrer Arbeit nachgehen zu lassen – auch wenn die Wunden nach über 26 Jahren Bürgerkrieg tief sind, verheilen können sie doch erst, wenn sie wie übrigens auch in der Medizin offen gelegt und versorgt werden.
Dazu gehört auch, dass sich die Tamilen selbstkritisch mit ihrer gewaltsamen Vergangenheit auseinandersetzen – nicht nur gegen Singhalesen, sondern auch ihrer eigenen Volksgruppe gegenüber. Ich möchte in diesem Zusammenhang die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitieren, darauf hoffend, dass die dabei geschilderten Hintergründe kommentiert und näher ausgeführt werden könnten (wozu sonst gibt es die Kommentarfunktion?):
“Im Umgang mit „ihrem“ Volk waren die LTTE selten zimperlich. Abspaltungen und politische Konkurrenten innerhalb der eigenen Volksgruppe wurden rigoros bekämpft. Ihre im Vergleich zu anderen Untergrundbewegungen üppige Ausrüstung besorgten sich die „Tiger“ auf den verschiedensten Wegen. Unter anderem spendeten Tamilen im Ausland Geld für den Kampf in der Heimat, durchaus nicht immer freiwillig. Aber das Gefühl der Benachteiligung im dem von der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit (etwa 74 Prozent) dominierten Land ließ viele Auslandstamilen mit einer für Außenstehende oft schwer verständlichen Milde über die Taten der „Tiger“ urteilen.”.
Ähnliches ist übrigens auch von der PKK bekannt, die in Deutschland als “kriminielle Organisation” verboten ist. Auch sie ist aktiv in Schutzgelderpressungen und Geldwäsche. Ähnliches lässt sich übrigens auch von der albanischen UCK sagen – und das zehn Jahre nach dem NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien. Im Kosovo gibt es trotz der massiven internationalen Präsenz noch zehn Jahre später ethnische Spannungen, warum auch die GfbV auch ihr Kosovo-Büro aus Sicherheitsgründen verlegt hat. Das gibt einen vagen Vorgeschmack auf das, was in Sri Lanka so auf uns zukommen mag. Der indische Subkontinent wird also auch in Jahrzehnten noch nicht zur Ruhe kommen.




[...] Blog ging ich immer wieder das Ende des tamilischen Bürgerkriegs in Sri Lanka (z.B. hier und hier – link). Nun las ich dieser Tage mit großer Neugierde Ranjith Henayakas Roma “Mit dem [...]
Von: Mit dem Wind fliehen – Roman aus Sri Lanka « GfbV Berlin – der Blog am 9. November 2010
um 7:05 am