Nächste Woche sind die beiden Ashaninka-Indianer Benki und Moisés Piyako bei uns in Berlin zu Besuch. Neben Treffen mit Bundestagsabgeordneten steht auch ein Vortrag mit Film auf dem Programm (am Mittwoch, 27.5. um 19 Uhr im Casino im Theaterhaus Mitte am Koppenplatz 12). Seit Anfang der 90er kämpfen viele Indianer an den Flüssen Juruá und Amonia in der Grenzregion Brasiliens zu Peru gegen die rücksichtslose Ausbeutung von Rohstoffen. Illegal arbeitende Holzfäller treiben die massive Abholzung des Regenwaldes voran und vertreiben dabei die indigenen Völker aus ihrer jahrtausend alten angestammten Heimat. Mit unserer Veranstaltung wollen wir ihnen die Öffentlichkeit geben, die sie brauchen – die sie brauchen, um gehört zu werden, um Druck aufzubauen und der Welt zu zeigen, dass man nicht alles mit ihnen machen kann.
Ähnlich geht es übrigens den 32 indigenen Völkern, die entlang des 3.000 km langen São Francisco Flusses leben. Für sie ist er die Lebensader Nordostbrasiliens. Als einziger ganzjährig Wasser führender Fluss durchquert er die Trockengebiete des Landes, in dem etwa zwölf Millionen Menschen leben. Den Kollegen von Pro Regenwald sei Dank, dass wir jetzt schon aktiv werden können mit online-Appellen. Denn die Auswirkungen von Mammutprojekten wie Staudämmen und großen Monokulturen sind verherrend – für Mensch und Natur. Und typisch ist, dass entgegen internationaler Konventionen und der brasilianischen Verfassung die Bevölkerung nicht bei den Projekten konsultiert wurde. Zwar behauptet die Regierung, mit allen Projekten die Lebensqualität verbessern zu wollen. Aber allein bei der Wasserversorgung der Bevölkerung entpumpt sich dies als dreiste Lüge: denn Wasserleitungen zu den Dörfer sind innerhalb des Projekte in der Regel gar nicht budgetiert.
Zum Glück hat sich in den letzten Jahren ein Brasilien ein breites Widerstandsbündnis gegen die Flussumleitung gebildet, das auch prominente brasilianische Persönlichkeiten unterstützen. Zum Beispiel der brasilianische Bischof Luiz Cappio, der sich aktuell wegen des Projekts in Deutschland aufhält. Die Menschen kritisieren das Entwicklungsmodell der brasilianischen Regierung. Dies führt dazu, dass sich das Land nun in den Händen weniger Großgrundbesitzer konzentriert, der Zugang zum Wasser wurde monopolisiert, die lokale Nahrungsmittelproduktion und Märkte gehen zugrunde und vergrößern durch Landflucht das Elend in den Städten. Wir dürfen dabei nicht vergessen: weltweit werden täglich etwa 8.000 Hektar an biologisch vielfältigen Wäldern und anderen Lebensräumen gerodet und niedergebrannt, um Platz für die Produktion von Palmöl für die Nahrungsmittel- und Chemieindustrie sowie als Agrodiesel für den Verkehrssektor zu schaffen. Und das lässt uns nicht unberührt: Der Amazonas ist einerseits unsere “grüne Lunge” und sorgt dafür, dass unser Klima nicht endgültig umkippt. Andererseits wird mit seiner massiven Abholzung unser “grünes Gewissen” (Agrodiesel als scheinbar unbegrenzt nachwachsender und CO2-armer Kraftstoff) scheinbar beruhigt und viele Produkte unseres Alltags (der Lippenstift, unsere Margarine und vieles mehr) hergestellt. Und nebenbei auch viele Millionen Menschen verjagt, vertrieben – und teilweise ausgerottet. Wir freuen uns über jeden, der zu unserem Vortrag am kommenden Mittwoch im Theaterhaus Mitte am Koppenplatz 12 besucht und die oben angeführten Appelle unterschreibt.




Letzte Kommentare