Verfasst von: Frank-R. Domes | 26. Mai 2009

Mor Gabriel – eines der ältesten Klöster der Welt in Gefahr

Kurze Rückblende: Nach dem Vertrag von Lausanne musste über eine Million griechisch-orthodoxer Christen die Türkei und eine halbe Million Muslime Griechenland verlassen. Der britische Aussenminister Curzon bezeichnete den Vertrag als “eine durch und durch schlechte und böse Lösung, für welche die Welt während der nächsten hundert Jahren noch eine schwere Buße wird entrichten müssen”. Er sollte Recht behalten. Den in der Türkei verbliebenen griechischen und armenischen Christen wurden Minderheitenrechte zugesichert. Das gilt leider nicht für die syrisch-orthodoxen Christen des Tur Abdin, die seit der Gründung der türkischen Republik einer rigorosen Assimilierungspolitik unterworfen werden. Eines ihrer wichtigsten geistlichen Zentren, das Kloster Mor Gabriel, wird seit einigen Jahren mit Prozessen überzogen.
Die Vorwürfe sind zivil- wie strafrechtlicher Natur und gehen von unberechtigter Aneignung von Land bis zu „antitürkischen Aktivitäten“ und „(christlicher) Mission von Kindern“; gemeint sind Kinder der aramäisch-christlichen Minderheit, die im Kloster unterrichtet werden. Hier eine Aufzählung der Vorwürfe und die Stellungnahme des Klosters. Am 22. Mai errang das Kloster einen Teilerfolg: es hat im Verfahren um die Grenzlegung gegen die umliegenden
Dörfer Yayvantepe, Eglence und Candarli vor dem Kreisgericht in Midyat Recht bekommen und kann
somit seine Besitztümer gegen die drei umliegenden Dörfer behaupten.
Drei Gerichtsverfahren, die nicht von unbedeutenden Dorfvorstehern, sondern von Behörden des türkischen Staats gegen das Kloster geführt werden, sind aber noch nicht entschieden. Die Zivilverfahren wurden auf den 17. Juni verlegt, ein damit zusammmenhängendes Strafverfahren gegen den Vorsitzenden der Stiftung des Klosters, Kuriakos Ergün, auf den 24. Juni.
Am 22. Mai waren Prozessbeobachter der deutschen und niederländischen Botschaft sowie – erstmals – der US-.amerikanischer Generalkonsul aus Adana anwesend. Die von der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland unterstützte Aktion Mor Gabriel bittet die europäischen Staaten und Menschenrechtsorganisationen, auch die weiteren Verfahren aufmerksam zu beobachten.


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