Verfasst von: joachimfulda | 29. Mai 2009

Zwischentöne unerwünscht

Nicht nur indonesische Imame oder der israelische Geheimdienst tun sich schwer mit dem Internet. Wie in vielen anderen autoritären Regimen ist in Syrien die Zensur von Online-Medien an der Tagesordnung. Online-Journalisten werden zensiert, Blogger landen im Gefängnis, und wer ein Internetcafé betritt, muss sich zunächst ausweisen. Da ist man als Blogger in Deutschland dankbar, in jeder öffentlichen Bibliothek (wie ich jetzt grad im Lesesaal der Berliner Humboldt-Uni Unter den Linden) einfach so schreiben zu können, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Syrien ist da sehr hart: Fünf Internetaktivisten sitzen derzeit mehrjährige Haftstrafen ab. Zuletzt verurteilte das Oberste Strafgericht in Damaskus Anfang April den Autor Habib Saleh zu drei Jahren Gefängnis, für den 61jährigen bereits die dritte Haftstrafe in neun Jahren.

Und dennoch gibt es hoffnungsvolle Zeichen: Weblogs haben sich in der arabischen Welt als Nischen der Meinungsfreiheit etabliert. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Barack Obama dem Iran eine Neujahrsansprache zum persischen Newroz-Fest über youtube eine Videobotschaft schickte – was in iranischen Blogs mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Schließlich ist das Medium Internet schwer zu kontrollieren. Für uns Menschenrechtler bietet die vielfältige Blogosphäre gerade in Nahost immer eine hilfreiche Informationsquelle und erste Anlaufstelle – so beispielsweise die Global Voices, von denen ich letztes Jahr über ein Massaker in einem syrischen Gefängnis erfuhr.

Übrigens war ich heute morgen im Pressegespräch bei unseren beiden Ashaninkas, über deren Besuch ich gestern schon berichtete. In diesem Presse-Gespräch merkte ich, wie selten eigentlich über Menschenrechte allgemein und über die Gefährdung indigener Völker im besonderen berichtet wird – dieser Blog gibt uns die Möglichkeit, neben der herkömmlichen Pressearbeit über Themen zu berichten, die so in deutschen Medien nicht vorkommen. Im Hinblick auf den Nahen Osten gibt es nämlich neben der dortigen Zensur auch ein weiteres Problem: nämlich das verzerrte Islambild von ARD und ZDF – ich führte letzten August dazu ein Podcast- Interview mit dem Erfurter Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez, der das in verschiedenen Studien nachweisen konnte. Darum bin ich selber gerne Blogger und lese Blogs: weil ich mir hier abseits der herkömmlichen Medienberichterstattung ein eigenes, ungefiltertes Bild machen kann. Daher haben Blogger, die deswegen diskriminiert oder verfolgt werden, auch meine volle Unterstützung – die Welt wäre ärmer ohne sie.


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