Nicht nur in Russland (wir berichteten), auch im EU-verwalteten Kosovo leben kritische Journalisten gefährlich. Jeta Xharra moderiert die investigative Sendung Jeta në Kosovë, deren Titel doppeldeutig ist: „Jeta“ heisst auf Albanisch auch „Leben“. Seit einigen Wochen ist sie das Objekt einer Kampagne der regierungsnahen Zeitung „Infopress“. Anlass waren zunächst Berichte über mögliche Kriegsverbrechen der UCK im Kosovo-Krieg. „Infopress“warf Jeta Xharra daraufhin vor, sie sei ein „serbischer Spion“ und leugne die Verbrechen des Milosevic-Regimes. Der Presserat des Kosovo gab am 29. Mai einer Beschwerde Xharras gegen „Infopress“ statt (nachlesen). Sie berichtete weiter: über die Armut in der Drenica-Region, einer Hochburg des Kampfs gegen die serbische Herrschaft, über die Methode der Regierung, Zeitungen durch Vergabe von Anzeigen unter Druck zu setzen. Daraufhin intensivierte „Infopress“ ihre Schmutzkampagne: Sie druckte in drohendem Tonfall gehaltene „Leserbriefe“, und schliesslich schrieb ein Journalist am 4. Juni: „Jeta scheint sich entschlossen zu haben, ein kurzes Leben zu führen“.
Reporter ohne Grenzen, Human Rights Watch, der Schweizer Botschafter und ein Bündnis kosovarischer NGOs haben bereits zugunsten der mutigen Journalisten Stellung genommen. Nun ist die EU-Rechtsstaatsmission EULEX gefordert, wirksame Schritte gegen die Urheber der Drohungen zu ergreifen. Auf der Homepage von RTK findet sich – unten links – der Link zu Jetas Sendung fast neben dem Link zur Homepage der EULEX . Ein hoffnungsvoller Anfang?