Verfasst von: sarahreinke | 17. Juni 2009

Indigene Delegation zu Besuch im Palais am Festungsgraben

Besuch Brasiliendelegation, 16.6.2009

Besuch Brasiliendelegation, 16.6.2009

Eine Delegation aus 12 VertreterInnen indigener Gruppen aus dem brasilianischen Bundesstaat Rodonia besuchte gestern das GfbV-Büro in Berlin. Die Delegation wird von Dr. Andreas Schlothauer und der Ethnologin Gleice Mere begleitet (Ziel der Europareise und Vorstellung des gemeinsamen Projektes unter diesem Link). Zu uns kamen Personen unterschiedlichen Alters in ihrem traditionellen Federschmuck.

Sie trugen verschiedene Anliegen vor: “Für uns ist es schwierig, unsere Probleme an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir sind noch nicht gut vernetzt oder organisiert. Wir leben in einem Reservat auf demarkierten Land. Aber immer wieder haben wir es mit Eindringlingen zu tun. Sie jagen auf unserem Land und schlagen Holz”, berichtet ein Gast.

Das schwierigste Problem stellen jedoch neun Staudämme dar, die zwar nicht auf indigenem Territorium gebaut werden, jedoch direkt die Flüsse betreffen, die durch ihr Land fließen. Sieben der neun geplanten Projekte wurden schon realisiert. “Welche Probleme entstehen durch die Staudämme konkret?”, fragen wir die indigenen Vertreter.

“In der Regenzeit wird Wasser in den Rückhaltebecken gesammelt. Wenn die Becken voll sind, wird Wasser abgelassen. Es flutet auch unser Gebiet. Die Brutplätze von Schildkröten sind zum Beispiel betroffen. Ihre Eier werden einfach weg geschwemmt oder verfaulen im Wasser.” Ein anderer Gast fährt fort: “In der Trockenzeit ist der Wasserpegel sehr niedrig. Durch die Staudämme trocknen die Flußtäler aus. Wir können den Fluß dann nicht mehr als Transportweg benutzen. Das ist für uns aber zentral, weil der Fluß unser Weg z.B. zum Arzt ist. Ein kleines Kind ist zum Beispiel schon gestorben, weil es nicht schnell genug zum Arzt gebracht werden konnte, weil der Fluß ausgetrocknet war.” “Man kann sagen, dass das gesamte Ökosystem der Region durch diese Stäudämme zerstört wurde”, fasst Gleice Mere zusammen, die für die indigenen Gäste auch übersetzt.

Die GfbV und Survival International fragten, was wir als Menschenrechtsorganisation für die bedrohten indigenen Bewohner des Regenwaldes tun könnten. Einige gemeinsame Projekte und Vorhaben wurden angedacht. Wir wurden eingeladen, uns vor Ort ein eigenes Bild von der Lage zu machen. Die indigenen Vertreter suchen auch Kontakt zu Fair Trade Kooperativen. Sie bauen Kaffee an, den sie gerne in Europa vertreiben wollen!

Mitglieder der Delegation vor dem Palais

Mitglieder der Delegation vor dem Palais


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