Verfasst von: joachimfulda | 27. Juni 2009

“Sie mißtrauen – und zeigen uns die kalte Schulter” – preisgekrönte Roma-Dokumentation

Es passiert eher selten, dass junge Regisseurinnen Preise gewinnen. Nicht, wenn sie erst 19 sind und ihre erste Dokumentation drehen. Erst Recht nicht, wenn es sich dabei um eine junge Roma handelt. Möchte man meinen. So auf den ersten Blick…

Aber Laura Halilovic hat es geschafft – mit ihrer Dokumentation “Me, My Gipsy Family & Woody Allen”. Sie gewann den UCCA Prize 2009 beim Bellaria Film Festival, das Anfang Juni in Italien stattfand. Die Jury begründet dies damit, dass es Halihovic gelang, ihre eigene Geschichte und die ihrer Familie sanft, bisweilen ironisch, aber immer sehr direkt und ungeschminkt zu erzählen. Wie schwierig es ist, als Roma in Italien aufzuwachsen – dies dokumentiert Halihovic und gibt so dem Zuschauer einmalige und authentische Einblicke in ein uns so fremdes Leben….

Der Film hat einen biographischen Bezug – sie wollte schon mit neun Jahren Regisseurin werden und erzählte ihren Eltern, sie wolle Woody Allen werden. Daher auch der Titel des Films. Sie trat schon mit 15 in einer anderen Dokumentation auf (Regie Tosco, Drehbuch Rondolino) auf und drehte 2006 ihren ersten Kurzfilm – “Illusion” (eine Geschichte über Liebe in einer Teenager-Gruppe). Aber “Me, My Gypsy Family & Woody Allen” ist ihr erster großer Film – und erzählt ihre Geschichte als Flüchtling aus Bosnien & Herzegovina. Aber der Film ist auch mehr als nur ein Familienporträit, sondern schildert auch menschliche Beziehungen und Integration in einer fremden Gesellschaft. Halihovic betont, dass es zwar schon viele Filme und Dokumentationen über die Roma-Tradition und Lebensweise gäbe, aber in der Regel so stereotyp seien, dass sich Roma darin nicht wieder finden können.

Bis 1997 lebte Halilovic mit ihrer Familie in einem Flüchtlingslager in der Nähe des Turiner Flughafen (Abschiebung leicht gemacht, oder?). In ihrer Dokumentation gibt sie sogar jenen Stimme, die die Präsenz ihrer Roma-Familie in der Nachbarschaft ablehnen. Mit der Geschichte ihrer Familie gibt sie uns aber auch die Möglichkeit, eine Kultur kennenzulernen, die die wenigsten von uns kennen dürften. Dabei wird immer wieder in Fachkreisen diskutiert, ob Roma “Pioniere europäischer Identität” sein könnten – und sie die größte Minderheit Europas darstellen.

Halilovic selbst arbeitet inzwischen in einer Jugendorganisation, die Roma-Kindern den Schulbesuch und eine gute Bildung ermöglicht. Dabei erlebt sie tagtäglich, wie schwierig es ist, sich in die italienische Gesellschaft zu integrieren: “Menschen drehen sich immer noch weg, sobald sie uns Roma sehen und hören – das gibt uns das Gefühl, in einem uns fremden Land abgelehnt zu werden, obwohl wir uns hier eine Zukunft aufbauen wollen.”. Hoffentlich gibt es bald das eine oder andere Programmkino in Deutschland, das den Mut hat, den Film zu zeigen. Ich persönlich könnte mir vorstellen, so einen Abend mit zu gestalten, wobei irgendwie alles dummerweise über die Preiskalkulation gehen wird….hoffentlich lässt sich sowas hier in Berlin dennoch hinkriegen, oder?

Der Film wurde übrigens von der Soros-Stiftung und der “Roma-Dekade” unterstützt.


Antworten

  1. [...] GfbV Berlin:  Es passiert eher selten, dass junge Regisseurinnen Preise gewinnen. Nicht, wenn sie erst 19 sind und ihre erste Dokumentation drehen. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine junge Romni handelt. Möchte man meinen. Aber Laura Halilovic (siehe auch hier und hier) hat es geschafft: Mit ihrer Dokumentation „Me, My Gipsy Family & Woody Allen“ gewann sie den UCCA Prize 2009 beim Bellaria Film Festival, das Anfang Juni in Italien (Provinz Rimini) stattfand. Die Jury begründete dies damit, dass es Halihovic gelungen sei, ihre eigene Geschichte und die ihrer Familie sanft, bisweilen ironisch, aber immer sehr direkt und ungeschminkt zu erzählen. Wie schwierig es ist, als Romni in Italien aufzuwachsen – dies dokumentiert Halihovic und gibt so dem Zuschauer einmalige und authentische Einblicke.  [...]


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