Aus aktuellem Anlass widmet sich im folgenden Gastbeitrag der Politikwissenschaftler Hamon Tanin der Frage, wie der Afghanistan-Konflikt gelöst werden kann. Tanin, der in Siegen und Düsseldorf studierte, ist in den 90er Jahren mit seinen Eltern nach der sowjetischen Invasion aus Afghanistan geflohen und lebt heute in Stephanskirchen bei Rosenheim.
Die Aussage des US-Präsidenten Barack Obama, dass die USA den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen würden und seine Strategie für Afghanistan und Pakistan, das neben der Aufstockung der Entwicklungshilfe auch eine militärische Zerschlagung der al Qaida in Afghanistan und Pakistan vorsieht, stimmen nicht überein.
Es kann davon ausgegangen werden, dass Obama mit der Erhöhung der Zahl der US-Soldaten genau dasselbe verfolgt, wie Richrad Nixon während des Vietnamkrieges.
Durch die Erhöhung des Militärpersonals verfolgte Nixon das Ziel die Vietcongs an den Verhandlungstisch zum Zwecke der Friedensverhandlungen zu zwingen. Doch die Eskalierung des Krieges hatte eine enorme Zunahme des Leides bei der vietnamesischen Bevölkerung zu Folge. Hier ermordeten die US-Truppen mit Hilfe der Südvietnamesischen Soldaten die Bevölkerung im Norden. Dort zeigten die Nordvietnamesen während der Tet- Offensive in den „grünen Zonen“ und einen enorm hohen Opferzahl bei der Zivilbevölkerung, dass sie den Ort und Zeitpunkt des Krieges bestimmen können.
Parallel dazu haben wir heute in Afghanistan die „grünen Zonen“, die sicheren Zonen in der Hauptstadt Kabul. Doch es gibt keine sichere Orte in Afghanistan, dass zeigen die Anschläge der Aufständischen. Die Anschläge zeigen aber auch, dass der Afghanistankrieg nicht zu gewinnen ist.
Daher sollte Barack Obama eine Wiederaufbau-Offensive starten, der das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan umfasst. Damit der hoffnungslosen Landschaft, indem Hass und Terror geboren werden, sich zu einem Ort des Friedens entwickelt.
Daneben muss der Konflikt zwischen Indien und Pakistan gelöst werden, denn die Außenpolitik Pakistans ist eine Kriegspolitik gegenüber Indien. Die Unterstützung der militanten Gruppierungen an der Grenze zu Afghanistan hat den Hintergrund, dass Pakistan eine Umklammerung Indiens durch die guten Beziehungen zu Afghanistan verhindern möchte.
Der Frieden zwischen Indien und Pakistan kann zu einer Stabilisierung Afghanistans führen. Die friedlichen Beziehungen der USA sowohl zu Indien als auch zu Pakistan tragen dazu bei, dass die USA eine Vermittlerrolle einnehmen kann.
Das Abkommen von einer Militarisierung der pakistanischen Außenpolitik würde dazu führen, dass mehr Investitionen in Infrastruktur, in das Bildungssystem und in die Gesundheitswesen getätigt werden. Das wiederum kann der Anfang einer Zivilgesellschaft bedeuten, der die Vorstellungen der Extremisten in die Steinzeit verbannt.
Richte ich meinen Blick nach Iran, zeigen die aktuellen Ereignisse, dass das iranische Volk der Politik ihres eigenen Regimes satt ist und die Kraft spürt eine Veränderung einzuleiten. Ich bin hier voller Hoffnung, dass das iranische Volk Erfolg hat, denn das haben sie bereits in den Jahren 1909, 1949 und 1979 bewiesen. Eine demokratische Bewegung in Iran setzt seinen Weg Richtung Afghanistan fort.
Hier sollte sich die US-Regierung keine Einmischung erlauben, denn jede äußere Einflussnahme führt zu einer Schwächung der jungen demokratischen Bewegung in Iran.
Erst wenn Afghanistan in einer demokratischen Umgebung gebettet ist, kann sie sich auch zu einer Demokratie entwickeln.
Erst dann können die Statebuilding-Maßnahmen in Afghanistan die ersehnten Früchte tragen und eine souveräne Staatswesen auf die Beine stellen, der keinen Raum für rückwärtsgewandten Vorstellungen bietet.
Als Schlussfolgerung sehe ich den Frieden in Afghanistan nicht durch eine weitere Eskalierung des Krieges, sondern durch eine friedliche und ausgleichende Politik der USA in dem Gebiet in und um Afghanistan.