7 % der honduranischen Bevölkerung bezeichnen sich als “indigen“, weitere 3 % als „Afro-Honduraner“. Hier ein kurzer Überblick über die indigenen Gruppen und ihre politische Vertretung:
Lenca: Die Lenca leben im Süden und Südwesten von Honduras und in El Salvador. Insgesamt rechnen sich etwa 350.000 Personen zu ihnen. Ihre Sprache ist ausgestorben, es gelang ihnen aber, ihr gemeinschaftliches Land zu behalten, auf dem sie von Landwirtschaft leben. Ihre wichtigste politische Vertretung ist die COPINH.
Miskito: Die Miskito entstanden in der Kolonialzeit aus der Vermischung von Indianern, entlaufenen afrikanischen Sklaven und Europäern an der englisch beeinflussten Pazifikküste Mittelamerikas. Sie leben hauptsächlich im nur wenig erschlossenen Nordosten Honduras’ an der Grenze zu Nicaragua. Ihre Dörfer verwalten sich selbst. Ein einheitliches Konzept von Landbesitz gibt es nicht, Land wird üblicherweise als zu einzelnen Großfamilien gehörig betrachtet. Ihre Zahl in Honduras beträgt etwa 75.000. Ihre politische Vertretung MASTA ASLA TAKANKA (MASTA) wurde 1976 gegründet.
Die Tawahka oder Sumu leben benachbart zu den Miskito in Honduras und Nicaragua. Sie entstanden aus Vorfahren der Miskito, die sich nicht mit Europäern und Afrikanern vermischten, und haben nur wenig Kontakt zur Außenwelt. Ihre fünf Gemeinden in Honduras haben etwa 1500 Einwohner. Ihre politische Organisation heisst FEDERACION INDIGENA TAWAHKA DE HONDURAS (FITH).
Die Pech leben im Nordwesten und Norden von Honduras in unzugänglichen Regionen an Flüssen und Gebirgen. Ihre Sprache weist Nähe zu den Chibcha-Sprachen auf. Sie ernähren sich von Jagd, Fischfang und Wanderhackbau. Sie zählen etwa 3.200 Personen. Obwohl ihnen 1864 Landrechtstitel zugesichert wurden, gelang es ihnen oft nicht, ihr Land gegen vordringende Ladinos und Weisse zu schützen. Ihre politische Organisation FEDERACION DE TRIBUS PECH DE HONDURAS (FETRIPH) wurde 1985 gegründet.
Die Tolupan oder Xicaque leben in Zentralhonduras im Departement Yoro. Sie sprechen eine isolierte Sprache. Im Jahr 1864 beanspruchte der spanische Missionar Manuel de Jesús Subirana Teile ihres Gebietes und unterrichtete sie im Anbau von Mais. Ein Teil der Tolupan lebt im Hochgebirge in 29 Stammesgemeinschaften. Ihre Gesamtzahl beträgt etwa 18.000 Personen. Ihre politische Organisation heisst FETRIXY: Federación de Tribus Xicaques de Yoro.
Die Chorti sind Nachkommen der Maya, ihr Großteil lebt in Guatemala. Etwa 8.000 von ihnen lebnen im westlichen Departement Copan.
Die Garifuna sind Nachkommen der Kariben, der indianischen Ureinwohner der Karibik, und entflohener afrikanischer Sklaven. Die Briten deportierten im Jahr 1797 5080 Kariben von der Insel St. Vincent auf die vor der honduranischen Küste liegende Insel Roatan. Von dort aus besiedelten sie die Karibikküste im Bereich des heutigen Belize, Guatemala und Honduras und vermischten sich mit entflohenen afrikanischen Sklaven. Ihre Sprache wurzelt im indianischen Arawak und hat Elemente afrikanischer und europäischer Sprachen in sich aufgenommen. Die 350.000 honduranischen Garifuna leben in 47 Gemeinden an der honduranischen Atlantikküste und haben ihre Gruppenidentität bewahrt. Ihre Punta-Musik wird in ganz Honduras gern gehört und ist zum Bestandteil der nationalen Kultur geworden. Ihre Organisation Organización Fraternal Negra Hondureña OFRANEH vertritt auch die Interessen der englischsprachigen Schwarzen, die hauptsächlich auf den vor Honduras liegenden Islas de la Bahia und an der Atlantikküste leben.
FETRIXY, FETRIPH, COPINH, OFRANEH, MASTA und zwei andere indigene Organisationen bilden gemeinsam die Confederación de Pueblos Autóctonos de Honduras CONPAH.
Interview mit Miriam Miranda von OFRANEH und Berta Cáceres von COPINH über Staatsstreich und Widerstand, aufgenommen am 30. Juni von Radio Liberada, Honduras
Teile des Artikels beruhen auf Beiträgen von Tilman Zülch und Inse Geismar in:
„Unsere Zukunft ist eure Zukunft“, Indianer heute. Eine Bestandsaufnahme der GfbV, Hamburg (Luchterhand) 1992, ISBN 3-630-710-441.