Die zweimonatige Offensive des pakistanischen Miltärs gegen Taliban im Swat-Tal ist beendet. Die Offensive stiess auf Zustimmung bei allen Parteien und weiten Teilen der Bevölkerung. Trotzdem verursachte sie mindestens 1,3 Millionen Flüchtlinge, von denen 280.000 in Lagern untergebracht wurden. Der pakistanische Staat will sie zur Rückkehr bewegen. Doch die Bewohner des Swat-Tals haben Angst, weil die Kampfhandlungen andauern.
So sagt Bukht Munir, der aus der Taliban-Hochburg Matta stammt: „Am 4. Februar töteten die (Taliban-)Kämpfer drei von vier Frauen aus meiner Familie, weil sie dem Militär Trinkwasser gegeben hatten.“ 15 bis 20 Taliban griffen sein Haus an, während er abwesend war, töteten seine Frau und zwei Schwägerinnen, stahlen ihr Auto und nahmen zwei weitere Verwandte als Geiseln, die sie später gegen Lösegeld freiließen. „Wir haben keine Entschädigung von der Regierung erhalten und leben unter elenden Bedingungen“, sagt er.
Auch die Tänzerinnen Shabnam und Rozina wollen nicht in die Hauptstadt des Swat-Tals, Mingora, zurückkehren. „Vor zwei Jahren erhielten wir einen Drohbrief der Taliban. Sie forderten uns auf, mit dem Singen und Tanzen sofort aufzuhören“, berichten sie. Nachdem Shabnams Cousine Shabana auf einem Platz in Mingora erschossen wurde, flohen sie nach Peschawar. „Tanzen ist unsere einzige Einkommensquelle. Wir werden nach Swat zurückkehren, wenn die Situation wieder so normal ist wie vor zwei Jahren“.
Nach einer Umfrage des amerikanischen International Republican Institute leben 81 % der Pakistaner lieber in einem demokratischen, aber instabilen Pakistan als in einem stabilen Land unter einer Militärregierung. 74 % halten religiösen Extremismus für eine Gefahr. Die Pakistaner sind bereit, ihr Land militärisch zu verteidigen, wollen aber für ihr eigenes Land und nicht im Interesse der USA kämpfen. Deshalb ist der Westen gut beraten, miltärische Zurückhaltung zu üben und von der zum Misserfolg verurteilten „Afpak“- Strategie Obamas und Hillary Clintons Abstand zu nehmen, meint der Mittelost-Experte Ulrich Ladurner.
Verfasst von: Frank-R. Domes | 17. Juli 2009




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