Verfasst von: joachimfulda | 27. Juli 2009

Karadzic verhöhnt Opfer von Srebenica!

Srebenica-Gedenktag
Der Bosnien-Krieg wird zum Glück rechtlich aufbereitet, die Verantwortlichen müssen sich vor Gericht verantworten, all die furchtbaren ethnischen Massaker bleiben nicht ungesühnt.

Doch bei den Gerichtsverhandlungen in Den Haag werden die Opfer dennoch verhöhnt. So behauptete Radovan Karadzic erst letzte Woche, die Zahl der Opfer des Massakers von Srebrenica würde “um Tausende zu hoch angegeben” angegeben. Damit will er nicht nur seine Hände in Unschuld waschen, frei nach Pilatus “Ich bins nicht gewesen!”. Er verhöhnt damit besonders die Hinterbliebenen, deren Angehörigen damals verschwanden und deren Schicksal bis heute nicht geklärt ist. Sie müssen noch auf die weiteren Exhumierungen warten – was eine wahre Qual für sie sein muss!

Die Hinterbliebenenorganisationen der Opfer gehen inzwischen von einer Gesamtzahl von 8.376 Opfern aus. Unter ihnen sollen sich 57 Frauen und über 800 minderjährige männliche Jugendliche befinden. Bisher wurden etwa 7.000 Tote exhumiert, 6.182 Personen identifiziert und 3.829 in der Srebrenica-Gedenkstätte in Potocari beigesetzt. Von vielen hundert der Exhumierten wurden bisher nur Teile der Gebeine aufgefunden, nachdem serbische Täter in den letzten 14 Jahren die Leichen mit Bulldozern ausgegraben,auf Lastwagen geworfen und an anderen Stellen, vornehmlich in unzugänglichen Waldgebieten, verscharrt hatten.

Was ich aber noch viel schlimmer finde ist, dass Europa so unsensibel mit den damaligen Ereignissen umgeht: während Serbien von der Neubewertung des Schengener Abkommens profitiert, wurde Bosnien-Herzegowina von der „weißen Liste“ genommen. Dagegen protestiert die GfbV mit vielen anderen in einem online-Appell.

Übrigens begrüßen wir es ausdrücklich, dass das Tribunal hohe Haftstrafen für Massenmorde in Visegrad verhängt hat: Mit der Verurteilung der serbischen Kriegsverbrecher Milan und Sredoje Lukic zu lebenslanger, bzw. 30-jähriger Haft wurden am Montag zwei der berüchtigsten Hauptverantwortlichen des Genozidverbrechens in und um die bosnische Stadt Visegrad an der Drina zur Rechenschaft gezogen. Das Tribunal in Den Haag hatte sich in dem Prozess gegen die beiden Cousins vor allem auf den Mord an 140 muslimisch-bosnischen Zivilisten konzentriert, die in zwei Häusern der Stadt lebendig verbrannt wurden. Die Verurteilung von zahlreichen anderen beteiligten mutmaßlichen Kriegsverbrechern steht jedoch noch aus. Wir müssen aber leider auch darauf hinweisen, dass die Drina zu Bosniens größtem Massengrab geworden ist und 3000 Morde noch ungesühnt sind. Visegrad ist in gewisser Weise das vergessene Pendant zu Srebenica.


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