Die ethnisch-religiöse Minderheit der Shabak im Nordirak wurde am 10. August Opfer eines verheerenden Bombenanschlags. Mindestens 36 Menschen starben, als zwei mit Sprengstoff beladene LKW um 4.50 Uhr Ortszeit im 17 Kilometer östlich von Mossul gelegenen Ort Khaznan detonierten, berichteten Gewährsleute der GfbV.
Die Shabak bewohnen etwa 70 Dörfer in der irakischen Provinz Niniveh. Über die Zugehörigkeit ihrer Siedlungsgebiete zur Autonomen Region Kurdistan wird gestritten, eine Abstimmung hierüber konnte auf Druck der irakischen Zentralregierung und der USA bisher nicht stattfinden. Die ungeklärte Situation ermutigt Terroristen, die Lage durch Anschläge zu destabilisieren, deshalb sollte die Abstimmung bald stattfinden, meint die GfbV.
Die 60.000 bis 100.000 Shabak leben in etwa 70 Dörfern und Siedlungen östlich von Mosul, darunter Eski Kalak, Ali Rasch, Yangija, Khaznan, Qahrawa und Talara am Fluss Zap. Das arabische Wort “shabaka” bedeutet soviel wie “sich verflechten”, und die Shabak bestehen auch aus Angehörigen mehrerer Stämme mit unterschiedlicher Geschichte. Ihre Sprache “Shabaki” (hier eine sprachwissenschaftliche Untersuchung) ist mit dem kurdischen Dialekt Hawrami-Gorani verwandt, jedoch auch persisch, arabisch und türkisch geprägt. Über 70% der Shabak sind Schiiten, 30% sind Sunniten. Die Buyruk, ihr heiliges Buch, besteht aus zwei Teilen und soll in Zentralasien geschrieben worden sein. Ähnlich wie bei Yeziden und Alewiten ist ihre Gesellschaft sprituell hierarchisch gegliedert: Jeder Erwachsene hat einen geistlichen Führer, einen „Pir“ aus einem bestimmten Stamm. Sie pilgern auch zu den Schreinen der Yeziden. Unter der bis 1952 bestehenden britischen Herrschaft galten sie als eigene ethnische Gruppe, die arabisch-nationalistische Ba’ath-Partei registrierte sie als Araber. 3000 Shabak-Familien, die sich als Kurden bezeichneten, wurden nach Kirkuk und Arbil deportiert, ihre 22 Dörfer zerstört. Der GfbV liegt eine Liste mit 675 Namen von Shabak vor, die seit 2003 durch Terrorangriffe getötet wurden. Viele Shabak haben ihre Loyalität zur nordirakischen kurdischen Verwaltung bekräftigt. Eine kleine Gruppe von Shabak um den irakischen Abgeordneten Hanin Qado lehnt jedoch eine Anschluss an Irakisch-Kurdistan ab.
Ein Text des Kurdologen Martin van Bruinessen über die Shabak steht hier zum Download bereit.
Für Nachfragen ist der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido erreichbar
unter nahost@gfbv.de.





Letzte Kommentare