Verfasst von: joachimfulda | 18. Oktober 2009

“Wohin sollen wir denn gehen?”

Die drohende Abschiebung von kosovarischen Roma geistert seit einiger Zeit durch die Presse, kaum einen aber scheint es zu interessieren. Über das Roma Virtual Network bekam ich jetzt einen Beitrag von Stephanie Knostmann, die über eine Roma-Familie aus Fallersleben berichtet – diese fürchtet eine Abschiebung in den Kosovo. Die betroffene Familie hat ihr Haus im Kosovo während des Krieges verloren. Den Bericht möchte ich an dieser Stelle im Wortlaut dokumentieren:

“Zehn Jahre nach Ende des Kosovo-Krieges will die Bundesregierung Tausende Flüchtlinge abschieben. In Wolfsburg sind mindestens 67 Kosovaren von den Verhandlungen betroffen, die schon in diesem Herbst zu einem Abkommen führen sollen.

Zu diesen Flüchtlingen gehört die Familie Iseni aus Fallersleben. Vater Adem Iseni macht sich große Sorgen. “Wohin sollen wir denn gehen?”, fragt er. “Sie haben uns unser Land genommen. Unser Haus, Maschinen, Traktoren, alles ist kaputt.” Die Isenis sind Roma. Die 23-jährige Tochter Valbone sagt, die Familie fürchte sich auch vor Verfolgung. In ihr Heimatdorf könnten sie nicht zurückkehren. “Sie würden uns vertreiben.” Schon vor der Flucht nach Deutschland hätten ihre Geschwister und sie im Kosovo keine Schule besuchen dürfen.

Zu sagen, die Isenis seien in Deutschland integriert, wäre sicherlich gewagt. Der Vater, Diabetiker, hat keine Arbeit, ebenso wenig wie Valbones Bruder. Die 23-Jährige hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung. Seit zehn Jahren leben die Isenis im Asylbewerberheim außerhalb von Fallersleben in sehr beengten Verhältnissen. Und doch wird der Familie angst und bange, wenn sie die Bilder aus dem Kosovo sieht. “Es sind schon zu viele Leute da. Wo vorher die Pferde und Kühe standen, da müssen sie schlafen”, sagt Valbone. Die Kinder ihres Bruders haben den Kosovo nie gesehen.

Das Schicksal der Isenis teilen in Wolfsburg viele Familien. 567 Menschen aus dem heutigen Serbien, Serbien und Montenegro sowie der Republik Kosovo leben in unserer Stadt. 144 von ihnen konnten ihre kosovarische Staatsangehörigkeit nachweisen. 67 Flüchtlinge aus dem Kosovo, so die Verwaltung, “verfügen nicht über einen Aufenthaltstitel, sondern lediglich über eine Duldung und sind damit vollziehbar zur Ausreise aus dem Bundesgebiet verpflichtet.” 66 sind nach eigenen Angaben Roma.”

Die Frage sollte eher lauten: Quo vadis, Deutschland?


Antworten

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich, Herr Haliti, wollte Ihnen mitteilen dass ich selber Roma aus den Kosovo bin.
    Ich habe 6 Kinder die in Deutschland (Wolfsburg) geboren sind.Ich habe nicht die Staatsangehörigkeit Kosovarisch und auch nicht Serbisch. Ich habe die Staatsangehörigkeit früher war es noch Jugoslawisch und Jugoslawien gibt es nicht mehr und meine Staatsbürgerschaft gibt es auch nicht mehr. Und mein zu Hause gibt es auch nicht mehr, es wurde von den Albanern verbrannt. Und meine Kinder sprechen nur Deutsch und ihre Muttersprache Romisch. Wohin soll ich gehen mit meine Kinder wo die Kinder keine zukunft haben in den Kosovo. Wir wollen nicht Staatsbürgerschaft kosovarisch sein.

  2. [...] Roma, die in Deutschland akut von der Abschiebung betroffen sind. Herr Haliti gab auf diesem Blog ein eindringliches Zeichen dafür. Denn vielen von Ihnen fürchten ein ähnliches Schicksa wie jene [...]


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