Seit dem 2. Oktober 2009 gehört die Kunst der handgemachten Batik aus Indonesien offiziell zum „lebendigen Weltkulturerbe“ der UNESCO. Das ganze Land feierte an diesem Tag die Würdigung des Batik-Handwerks.
Mit dem Programm „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ werden von der „Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur“ besonders erhaltenswerte immaterielle Kulturgüter aus allen Weltreligionen zu „Meisterwerken“ ernannt. Hierunter können Sprachen, Mythen, Erzählungen, Musik, Tänze, Spiele, Bräuche, handwerkliche Fähigkeiten und andere Künste fallen. Mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste verpflichten sich die jeweiligen Staaten zur dauerhaften Erhaltung ihrer traditionellen Kulturgüter. Zuvor waren schon andere Kulturgüter Indonesiens, wie das traditionelle Schattenspiel Wayang (2003) und der traditionelle Kris-Dolch, eine asymmetrische Waffe mit spiritueller Bedeutung (2005), anerkannt worden.
Die Batik-Kunst auf der Insel Java in Indonesien gibt es schon seit über tausend Jahren. Als Beweis dafür gelten die Darstellungen von Tempeltänzerinnen in gemusterten Sarongs auf den Reliefs alter hinduistischer Tempel. Bis heute ist Java neben anderen indonesischen Inseln eine Hochburg der traditionellen Batik-Produktion. Das Handwerk wurde vor allem von den Frauen in den Sultanspalästen zur Perfektion gebracht. Im Laufe der Jahrhunderte haben BatikmacherInnen mehrere Hundert verschiedene Motive geschaffen.
Handgemachte Batik ist sehr aufwendig. Jeder Punkt, jeder Kreis und Strich wird von Hand gezeichnet. Mit Hilfe kleiner Wachskännchen wird flüssiges Wachs auf das Gewebe aufgetragen und anschließend in ein Farbbad getaucht. Die nicht mit Wachs bedeckten Bereiche nehmen die Farbe an. Es dauert zwei bis drei Monate, bis ein Stoff fertig bemalt und gefärbt ist. Geometrisch angeordnete Linien, Kreise und Punkte, Tierfiguren mit langen Federn und riesigen Krallen sowie eine Vielzahl von Blumen erzählen zahlreiche Mythen, Legenden und Geschichten. Durch die Darstellungen von mythologischen Helden, Göttern und Dämonen bleibt die hinduistische Tradition im heute mehrheitlich muslimischen Indonesien weiterhin erhalten. Jedes Muster hat eine Bedeutung und wird zu bestimmten Anlässen getragen. Zum Beispiel dürfen die Palastmusiker nur die Muster tragen, die von der höfischen Batikordnung vorgeschrieben sind.
Bemalt werden Kleider, Sarongs (ein Rock, der aus einer zusammengenähten Stoffbahn besteht. Er ist in Südasien und im Südpazifik weit verbreitet und wird vor allem von Männern getragen), Hemden, Tücher, Schals, Tischdecken und Dekorationsschmuck für Räume. Die Größe der Muster verweisen auf die Höhe des Ranges. Die einst dem Hofe vorbehaltenen Muster wurden in den 1940er Jahren für die Öffentlichkeit „freigegeben.“
In der indonesischen Gesellschaft geht das Wissen über die alte Batik-Tradition zunehmend verloren. Heute sind die Stoffe nur noch Fabrikerzeugnisse, sie werden maschinell bedruckt, billig hergestellt und billig verkauft. Damit die handgemachte Batik auch zukünftig noch erhalten bleibt, hat sich die Organisation „Sekar Jagad“ gegründet. Sie vermittelt in Kursen die aufwendige Technik dieses Handwerks. In den Ausstellungs- und Verkaufsräumen können die BatikmacherInnen ihre Kunstwerke verkaufen. Die handgemachte Batikproduktion bietet somit die Möglichkeit einer bezahlten Arbeit, und ein in Vergessenheit geratenes traditionelles Handwerk wieder neu zu beleben.