Verfasst von: brigittascholz | 29. Oktober 2009

Borneo: Bambusblockaden gegen riesige Bulldozer

Die indigenen Penan auf der Insel Borneo in Südostasien kämpfen verzweifelt gegen die Abholzung ihrer Regenwälder – mit ungleichen Mitteln. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden fast zwei Drittel der Regenwälder auf Borneo vernichtet.

Borneo ist nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt. Sie gehört zu den drei Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei Darussalam (ein Staat auf der Insel Borneo). Auf der Insel leben circa 16 Millionen Menschen. Die Bevölkerung wohnt vor allem an der Küste, dort wiederum in den großen Städten. Sie setzt sich hauptsächlich aus Malaien, Chinesen und Dayak, ein Sammelbegriff für die indigenen Gemeinschaften, zusammen. Die Dayak besiedelten seit Mitte des 3. Jahrhunderts Südostasien.

Die indigene Bevölkerung verteilt sich auf alle drei Staatsgebiete. Es gibt keine einheitliche Dayak-Kultur. Sie besteht aus über 400 verschiedenen Gemeinschaften, mit jeweils eigener Bezeichnung, eigenen Sprachen, Lebensweisen und Kulturen. Manche Gemeinschaften bestehen nur aus mehren hundert Indigenen mit noch nomadischer Lebensweise, andere aus mehreren hunderttausend mit Zugang zur modernen Technologie und Bildung. Die Dayak sind einem starken Anpassungsdruck durch Regierung, Missionare und der westlichen Lebensweise der sie umgebenden Ethnien ausgesetzt. Die meisten von ihnen sind im Laufe des 20. Jahrhunderts entweder zum Christentum oder zum Islam konvertiert. Nur wenige Dayak-Gemeinschaften haben bis heute ihre traditionelle Verbindung zur unmittelbaren Natur erhalten.

Die Penan gehören zu den Dyak und bestehen heute aus etwa 10.000 Mitgliedern. Sie leben sowohl im malaysischen als auch im indonesischen Teil Borneos. Nur wenige hundert Penan im malaysischen Teil Borneos, sind noch traditionell lebende Jäger und Sammler. Sie ernähren sich vom jagen, fischen und sammeln von über 300 verschiedenen Wildfrüchten, Wurzeln und Pflanzen. Die wichtigste Nutzpflanze ist die Sagopalme. Die Mehrheit der Penan lebt heute in den Regenwäldern in einfachen Hütten. Erst wenn die Sagovorkommen aufgebraucht sind, wechseln sie den Ort.

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Penan-Siedlung im Kelabit Hochland in Malaysia, Borneo (Ben Beiske, flickr)

Seit den 1960er Jahren dringen die Straßen der Holzfäller in den Lebensraum der Penan ein. Für die Penan – wie allen indigenen Gemeinschaften – war und ist es selbstverständlich, das Land und die Ressourcen benachbarter Gruppen zu respektieren. Über den ersten Widerstand der Penan gegen die Abholzung der Regenwälder auf ihrem Territorium erfuhr die internationale Öffentlichkeit zunächst nichts. Jegliche Berichterstattung wurde von der malaysischen und indonesischen Regierung unterdrückt. Erst gegen Ende der 1980er Jahre begann sich eine globale Regenwaldbewegung zu formieren. Der Widerstand der Penan wurde international bekannt. 1987 versprach die Regierung ein Reservat für die Penan einzurichten, bis heute sind solche Pläne aber nicht verwirklicht worden.

Im malaysischen Teil der Insel Borneos sind nur noch zehn Prozent des Regenwaldgebietes intakt – diese befinden sich im Gebiet der Penan. Durch zahlreiche gewaltlosen Straßenblockaden ist es ihnen gelungen das immer tiefere Eindringen von Holzfirmen in noch unberührte Regenwaldgebiete zu verhindern. Dabei kam es zu Menschenrechtsverletzungen seitens des Militärs und den Beschäftigten der Holzindustrie. Wegen gewaltlosem Widerstand wurden seit Ende der 1980er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre über 700 indigene Penan inhaftiert, misshandelt, verurteilt und vor Gerichten schikaniert.

Der ungebremste Raubbau findet bis heute durch international tätige Holzfirmen statt. 1997 schlossen die Penan mit einem der größten Unternehmen einen Vertrag ab der besagt, dass ihre Gebiete ohne vorherige Verhandlungen nicht betreten werden dürfen. Die von den Penan markierten Grenzen wurden von den Holzfällern jedoch nicht eingehalten. Unter massivem Polizei- und Militärschutz werden die letzten kostbaren Bäume abgeholzt. Nachdem große Regenwaldflächen abgeholzt wurden entstehen riesige Monokulturen für Palmöl-Plantagen. Seit dem Boom der Agrartreibstoffe ist die Nachfrage nach Palmöl regelrecht explodiert. Innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelte sich der Palmölverbrauch weltweit auf 30 Millionen Tonnen. Das Palmöl fließt vor allem in die Autotanks und verschärft dadurch die Zerstörung der tropischen Regenwälder. Der häufig verwendete Begriff „Biosprit“ hat mit „bio“ überhaupt nichts zu tun. Die Ölpalmenplantagen bedeuten letztlich für die Penan ihren Tod. In Malaysia und Indonesien wurden bereits mehrere Millionen Hektar Palmölplantagen neu angelegt. Durch die breitflächigen Brandrodungen insbesondere von Torfwäldern wird außerdem zusätzlich der Kohlendioxid-Ausstoß massiv erhöht und damit der Klimawandel beschleunigt.

Die letzen Jäger und Sammler auf Borneo befinden sich in einer elenden Lebenssituation. Sie haben nicht mehr genug Wild zum Jagen. Durch die fortschreitende Entwaldung sind die Flüsse extrem stark verschmutzt – alle Dayak-Gemeinschaften trinken und verwenden das Flusswasser ungefiltert. Mit dem Dreckwasser können sie nicht mehr ihr Hauptnahrungsmittel Sago verarbeiten, Unterernährung und Krankheiten nehmen zu, weil auch die traditionellen Heilpflanzen verschwinden. In dem Maße wie ihr Lebensraum Regenwald – ihre Lebensgrundlage – zerstört wird, geht auch ihre traditionelle Kultur verloren. Ein Leben mit Coca-Cola, Bier und Konserven steht den Penan bevor. Einige von ihnen arbeiten jetzt sogar als Tagelöhner bei den Holzfirmen für niedrigen Lohn und ohne jede Absicherung.

Bis heute kämpfen die Penan um die Anerkennung ihrer Landrechte und die Beendigung der Waldzerstörung. Bei der politisch unabhängigen Umweltorganisation „Rettet den Regenwald e.V.“ können Sie sich an deren Protestaktion beteiligen.


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