Vom Berliner Verein Postkolonial bekam ich eben den folgenden Aufruf zur Auftaktdemo, die ich gerne an dieser Stelle wiedergeben möchte. Denn mit der Berliner Afrika-Konferenz geht es um einen Auszug deutscher Geschichte, der in deutschen Schulbüchern häufig nur sehr kurz abgehandelt wird und die Opferperspektive häufig ausblendet:
“Vor 125 Jahren lud Reichskanzler Bismarck die Vertreter der Großmächte zur Afrika-Konferenz nach Berlin. “Im Geiste guten gegenseitigen Einvernehmens” entschieden die Abgesandten im Winter 1884/85 über die koloniale Aufteilung, gewaltsame Annexion und rücksichtslose Ausbeutung des afrikanischen Kontinents und seiner Menschen. Die Folgen der Konferenz waren gravierend und sind bis heute nicht überwunden. Für den 15. November, an dem die Berliner Afrika-Konferenz eröffnet wurde, ruft unser breites zivilgesellschaftliches Bündnis zur Auftaktdemonstration der bundesweiten Kampagne “125 Jahre Berliner Afrika Konferenz — erinnern, aufarbeiten, wiedergutmachen” auf.”
Die Demo findet am Sonntag, den 15.November, ab 14 Uhr statt. Treffpunkt ist die Gedenktafel zur Berliner Afrika-Konferenz in der Wilhelmstraße 92, Berlin-Mitte, 15. November 2009 (Sonntag), 14:00 Uhr. Die Route verläuft über die “Mohrenstraße” zur Neuen Wache. Unterstützen Sie unser Bündnis zum 125. Jahrestag der Berliner
Afrika-Konferenz in der Öffentlichkeit! Erinnern Sie an die Verbrechen des Kolonialismus und Rassismus, setzen Sie sich für ihre Aufarbeitung und Wiedergutmachung ein!
Man darf dabei nicht vergessen, dass diese Geschichte auch in betroffenen deutschen, deutschsprachigen Kreisen noch nicht ganz aufgearbeitet zu sein scheint. Denn vor einigen Wochen schrieb ich über die Einweihung des Gedenksteins an die Opfer des Herero-Krieges auf dem Neuköllner Garnisonsfriedhof. Darauf hin gab es wütende Reaktionen von I-Namibia und einem doch recht bekannten Rechtsextremisten, der sich auf sie bezog und in ihrem Duktus und mit ihrer Argumente bediente (und passender Weise sich in Windhoek “heimatlich eingerichtet” hat). Für mich zeigen die Reaktionen, wie wichtig es ist, sich dieses Ereignisses bewusst zu sein! Letztlich haben Sklaverei, Ausbeutung und die damaligen Grenzziehungen Afrika schwer zugesetzt. Weil auch “eingeborene Hottentotten” im Berliner Zoo ausgestellt wurden wie “wilde Tiere”, sieht man das ganze menschenverachtende Erbe des Kolonialismus. Da kann man beim Herero-Aufstand noch so argumentieren und die damalige Schutztruppe in Schutz nehmen, wie man will – das Grundprinzip des Kolonialismus war “the white man`s burden” (Last des weißen Mannes). Und die war in sich menschenverachtend, rassistisch und auf wirtschafltiche Ausbeutung angelegt.




Kolonialismus im Kasten?
Die GfbV hat ja in Berlin sein Büro in Nähe des Deutschen Historischen Museums, in dem immer wieder interessante Ausstellungen sind – nun bietet der Berliner Verein Postkolonial einen kritischen Rundgang durch die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums an.
Anlässlich des 125. Jahrestages der Berliner Afrika-Konferenz befragt der
Rundgang die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums kritisch
danach, welchen Stellenwert die deutsche Kolonialgeschichte in der offiziellen
deutschen Erinnerungspolitik einnimmt. Darüber hinaus gibt der Ausstellungsrundgang
einen Überblick über verschiedene Aspekte des deutschen Kolonialismus und erörtert dabei die Zusammenhänge zwischen kolonialer und
deutscher Geschichte. Jeder der fünf Rundgänge setzt zudem einen Themenschwerpunkt,
indem er sich z.B. vertiefend mit den kolonialen Geschlechterverhältnissen,
der visuellen Kultur im deutschen Kolonialismus oder mit Krieg, Gewalt und Widerstand im kolonialen Kontext auseinandersetzt (siehe Termine).
Treffpunkt ist in der Eingangshalle des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, am rechten Treppenaufgang. Der Eintritt in das Museum kostet 5,-. Die Rundgänge sind nicht an das DHM angebunden und
kostenlos. Wir bitten um Anmeldung per Email bis zum Freitag vor dem jeweiligen Termin!
Kontakt: kolonialismus.im.kasten@gmail.com
Termine (Für eventuelle kurzfristige Änderungen bitten wir darum, zeitnah die Website der Kampagne „125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz“, http://www.berlinerafrika-konferenz.de, einzusehen!):
Samstag, den 28. November 2009, 15 Uhr: Themenschwerpunkt „Krieg,
Gewalt und Widerstand in den deutschen Kolonien“ (Marie Muschalek und Dörte
Lerp)
Samstag, den 12. Dezember 2009, 15 Uhr: Themenschwerpunkt „Koloniale
Geschlechterordnungen zwischen Rassismus und Sexismus“ (Dörte Lerp und
Kristin Weber)
Sonntag, den 10. Januar 2010, 15 Uhr: Themenschwerpunkt „Über das
Sammeln von Menschen, Objekten und Wissen: Ethnologie und Anthropologie in
Deutsch-Ostafrika“ (Kristin Weber und Manuela Bauche)
Samstag, den 23. Januar 2010, 15 Uhr: Themenschwerpunkt „Von
Modernisierungsträumen und Versuchsfeldern: Wissenschaft und Technik in den
deutschen Kolonien“ (Manuela Bauche und Susann Lewerenz)
Sonntag, den 14. Februar 2010, 15 Uhr: Themenschwerpunkt „Koloniale
Bildwelten in der visuellen Kultur Deutschlands“ (Susann Lewerenz und Marie
Muschalek)
Von: Joachim Fulda am 2. November 2009
um 2:55 pm