Verfasst von: brigittascholz | 5. November 2009

Indonesien: Kahlschlag auf Sumatra

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Indigene Batakfrau bei einer Beerdigung, Sumatra (World Picture Service, flickr)

Auf der indonesischen Insel Sumatra sollen riesige Urwälder durch Brandrodung dem Erdboden gleichgemacht werden. Seit Monaten werden von dem Holzkonzern APRIL gigantische Entwässerungskanäle durch den Sumpf gezogen. Dorfbewohner und Umweltaktivisten haben mit einem Damm vorerst die Trockenlegung des Sumpfes verhindert. Die Aktivisten vor Ort wollen weitere Dämme bauen, um die vollständige Abholzung des Regenwaldes zu verhindern.

Der Holzkonzern APRIL (Asia Pacific Resources International Limited) – einer der weltgrößten Papierhersteller und Teil des mächtigen indonesischen Holzkonzerns Sinar Mas – will über die künstlich angelegten Wasserstraßen das kostbare Edelholz zur Küste transportieren lassen. Danach sollen die Sümpfe trocken gelegt werden und auf einem 700 Quadratkilometer großen Areal – so groß wie Singapur – eine riesige Palmölplantage entstehen. Die demokratisch gewählte indonesische Regierung hat per Gesetz die Abholzung der Wälder eingeschränkt. Oft stammen aber die Konzessionen zur Rodung noch aus den Zeiten der Diktatur. Das die Konzerne bei der lokalen Bevölkerung Nutzungsrechte abkauft, ist bisher nur reine Theorie.

In Indonesien fallen schneller als in jedem anderen Land gewaltige Waldflächen der Säge zum Opfer. Rund 51 Quadratkilometer Urwald werden jeden Tag zerstört, das sind mehr als 300 Fußballfelder pro Stunde. Dadurch setzt das Land jedes Jahr 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid frei – mehr als die Emissionen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Indonesien steht nach den USA und China schon jetzt an dritter Stelle der weltweit größten Kohlendioxid-Verursacher. Das ist maßgeblich auf die Zerstörung der Urwälder und Torfgebiete zurückzuführen.

Anfang der 1990er Jahre führten in Indonesien Schwelbrände in trockengelegten Sumpfgebieten zu Waldbränden von gigantischen Ausmaßen. Nahezu 800.000 Hektar Wald standen in Flammen. Mehrere Wochen lang überzogen dichte Rauchwolken Südostasien mit verheerenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung. 20 Millionen Menschen hatten unter smogbedingten Atemwegserkrankungen zu leiden. Wegen der reduzierten Sicht auf weniger als 20 Meter kam es zu Flugzeugabstürzen und Schiffskollisionen. Hunderte Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Eine solches Schreckenszenario könnte sich jederzeit wiederholen, wenn entwässerte Torfwälder anfangen zu brennen.

Der Palmöl-Boom hat katastrophale ökologische Folgen und beschleunigt die Zerstörung der letzten zusammenhängenden großen Regenwaldflächen Südostasiens. In und von diesen Wäldern leben Millionen Ureinwohner. Deren Menschenrechte werden durch den massiven Raubbau an der Natur systematisch verletzt. Der Kahlschlag vernichtet die Lebensgrundlage dieser Völker und bedroht somit existentiell das Überleben von einem Viertel der Bevölkerung Indonesiens. Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt schon seit den 1990er Jahren vor den Folgen der Ausweitung der Ölpalmen-Plantagen für indigene Völker.

Der Regenwald auf Sumatra ist in allergrößter Gefahr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es im Jahr 2010 bei ungebremster Entwaldung auf Sumatra keinen Urwald mehr geben wird. Um die letzten Regenwälder Indonesiens zu retten ist es dringend erforderlich, bei der kommenden UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen innerhalb eines verbindlichen Kyoto-Nachfolgeabkommens, diese weltweit unter Schutz zu stellen.


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