Verfasst von: Lena Erchen | 11. Dezember 2009

Sierra Leone:Beschneidungsgegnerinnen verschleppt und gedemütigt

In vielen Ländern Afrikas ist die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen grausamer Alltag, der nicht selten den Tod zur Folge hat. Aber auch diejenigen, die sich für die Abschaffung der Genitalverstümmelung einsetzen, leben nicht ungefährlich.
Anfang des Jahres wurden Beschneidungsgegnerinnen in Sierra Leone von Verfechtern der Genitalverstümmelung verschleppt und gedemütigt.

Laut aktueller UNO-Angaben sind in dem westafrikanischen Land Sierra Leone 94 % der Frauen Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Die Folgen der Beschneidung, die häufig mit Rasierklingen oder Glasscherben vorgenommen wird, sind häufig unvorstellbare Qualen und nicht selten der Tod.

In vielen afrikanischen Ländern ist die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen ein Tabuthema. Die Regierung Sierra Leones unter Ernesto Bai Koroma hat sich Anfang 2008 zum ersten Mal öffentlich gegen diese Praktik ausgesprochen und ein Verbot angekündigt. Wann jedoch ein Gesetz erlassen wird, ist noch nicht bekannt, da Verfechter der Tradition immer noch breite Unterstützung in der Gesellschaft genießen. Menschenrechtsaktivisten, die sich gegen die Genitalverstümmelung aussprechen und darüber berichten, müssen in Sierra Leone mit Morddrohungen oder Überfällen rechnen. Häufig werden sie bedroht oder wie der Fall von Manja Balama-Samba zeigt, festgehalten und gedemütigt.

Die Journalistin Balama-Samba und ihre drei Kolleginnen wurden am 7. Februar diesen Jahres von Beschneidungsbefürworterinnen für mehrere Stunden in einem so genannten „Bundo-Busch“, einem abgelegenen Ort, an dem Beschneidungen durchgeführt werden, festgehalten. Balama-Samba wurde die Kleidung ausgezogen und sie wurde durch den Ort Kenema gezerrt, bis die Polizei eingriff.

Zu der Tat bekannte sich Haja Massah Kaisamba, die Leiterin der Bondo-Geheimgesellschaft, einer Organisation, die weibliche Genitalverstümmelung befürwortet und auch praktiziert. Die Frauen seien “in unser Gewahrsam genommen worden, weil sie sich im Radio unvorteilhaft über die Genitalverstümmelung geäußert haben”, sagte sie vor Journalisten.
Manja Balama-Samba arbeitet für das UN-Radio und den Sierra Leone Broadcasting Service (SLBS) in der Stadt Kenema, die im Osten des Landes liegt. Sie hatte zusammen mit anderen Journalistinnen und dem „Inter-Afrikanischen Komitee für Traditionelle Bräuche“ einige Interviews veröffentlicht und wollte damit auf den Internationalen Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“ der Vereinten Nationen am 6. Februar 2009 aufmerksam machen.
Dieser Fall verdeutlicht, wie fest die Beschneidung von Frauen in der Gesellschaft Sierra Leones verankert ist und dass selbst viele Frauen diesen Brauch heute noch verteidigen. Zudem genießen „Beschneiderinnen“ in Sierra Leone großes Ansehen und verdienen relativ gut.

TERRE DES FEMMES engagiert sich seit Jahren gegen Genitalverstümmelung. Wenn auch Sie etwas tun wollen, informieren Sie sich über die aktuelle Kampagne KEIN SCHNITT INS LEBEN


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.