Verfasst von: gfbvberlin | 20. Dezember 2009

Sinn und Zweck des Blogs – in media res…

Dieser Tage mussten wir leider wieder merken, wie die öffentlichte Wahrnehmung funktioniert: einerseits “schafften” es tschetschenische Flüchtlinge in die deutschen Medien, unser Blog trug seinen Beitrag. Zeitgleich fanden viele verschiedene andere Themen statt, die kaum einen zu interessieren schienen: zum Beispiel der Staatsbesuch des indonesischen Präsidenten, der praktisch in Deutschland kaum Erwähnung
in der deutschsprachigen Printpresse fand. Und dass, obwohl es wie in Papua viele unzählige Probleme gibt. Zu Ihrer Information senden wir hier einen link, unter dem Sie sich das Video der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel ansehen können.

Denn trotz allem versuchen wir mit diesem Blog, verschiedene Menschenrechtsthemen in die Öffentlichkeit zu bringen, die es sonst schwer haben, über die berühmt-berüchtigte mediale Hemmschwelle zu kommen, also dass, was die Kommunikationswissenschaften “Gatekeeping” nennt. Wir versuchen dagegen, auch Klimaflüchtlingen, iindigenen Völkern, Baha’i, Papua oder Roma oder Tschetschenen eine Stimme zu geben, die Kommunikationswissenschaft nennt das user generated content…..

Natürlich verfolgen wir intensiv, wie dieser Blog bei Ihnen, liebe Leser, ankommt. Natürlich freuen wir uns über Kommentare, Anregungen, Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik. Wir freuen uns über jeden mit unterschriebenen Appell, sei es zu Ilisu, sei es zu Florence Hartmann aus Bosnien oder Leonard Peltier. Wenn über den Blog zur Demo aufgerufen wird und über den Blog Interviewanfragen kommen, ist das eine erste erfreuliche Bestätigung unserer Arbeit. Wir freuen uns über jeden Besucher, über hohe tägliche Klickzahlen. Aber nachdenklich werden wir dabei trotzdem. Aus einem ganz einfachen Grund:

Srebenica oder der Mord an Natalja Estemirowa: ja, da sind viele Menschen betroffen, das kriegt jeder mit. Tagesschau oder rtl aktuell berichten, dann kritisieren TAZ und FAZ in seltener Eintracht die Menschenrechtsverletzungen. Auch bei uns sind dann die Lesezahlen hoch, dann werden wir gelesen. Und sonst? Wenige Tage vor der Ermordung von Natalja Estemirowa postete Sarah mehrfach über Tschetschenien und erzählte von grausamen Folterungen und Morden – diese Posts haben aber nur ganz wenige gelesen. Weil die sonstige mediale Hemmschwelle nicht überwunden wurde? Getreu dem Motto „only bad news are good news” könnte man fragen, ob diese Meldungen vielleicht nicht prominent, zu schrecklich sind, um von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden?

Doch wollen wir uns damit abfinden? Damit abfinden, dass wir abseits des Medienhypes nur einige wenige interessierte Leser haben, dann aber von eben diesem Hype profitieren, wenn was „großes“, was schlimmes passiert? Nein. Das wollen wir nicht. Wir werden auch weiterhin denjenigen eine Stimme geben, die es sonst nicht in die Tagesschau schaffen. Wir wollen Hintergründe aufzeigen, Missstände kritisieren, weiterhin Menschenrechtsverletzungen anklagen.

Wir müssen uns aber fragen: Bringt das was? Momentan wohl noch nicht. Zwar haben wir mit Ihnen schon viele Leser. Aber die kritische Masse haben wir noch nicht erreicht, noch bestimmt in der breiten Öffentlichkeit die gate-keeping-Funktion der etablierten Medien. Dazu sind wir noch zu wenige. Noch. Weitere Kollegen haben schon Bereitschaft signalisiert. Um noch stärker zu werden, brauchen wir Sie. Sie? Ja. Sie! Wer sonst?:-) Wir bitten für diesen Blog wie auch für unsere homepage um konstruktive Kritik, um Verbesserungsvorschläge. Aber vielleicht können Sie sich ja auch vorstellen, dass Sie uns für die Weitergestaltung der Webseite und des Blogs eine kleine Spende zukommen lassen (Betreff: Blog/Internet). Beispielsweise kostet der Video-Upgrade 30 Euro, für Podcast-Interviews bräuchten wir noch einen Jingle für 20 Euro, die Registrierung beim Aufnahmegerät PowerGramo kostet 30 Euro. Wir möchten aber auch zu Weihnachten hin unsere humanitären Projekte auf der Internetplattform betterplace vorstellen und auf diesem Weg um weitere Spenden bitten. Die inhaltlichen Vorbereitungen für diese Projekte laufen schon; wenn Sie uns bei der Umsetzung helfen könnten, umso schöner, umso besser.


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