Mitte Dezember kündigte die russische Menschenrechtsorganisation Memorial an, ihre Arbeit in Tschetschenien wieder aufzunehmen. Sie hatte sich nach dem Mord an ihrer Mitarbeiterin Natalja Estemirowa am 15.7.2009 zurückgezogen. Wenige Tage vor Weihnachten veröffentlichte dann eine Internetseite einen Brief, unterzeichnet von den wichtigsten tschetschenischen Menschenrechtsorganisationen, mit denen auch wir seit Jahren zusammenarbeiten. Memorial kümmere sich nicht um die Menschen in Tschetschenien, habe nur aus dem Westen gesteuerte politische Absichten, wolle das System stürzen, sei auf Geld aus etc. Alles gefälscht, wie sich bald herausstellte! Die Autoren des Briefes hatten es nicht einmal für nötig befunden, um die Unterschriften zu bitten oder darüber zu informieren, dass sie solch einen Brief veröffentlichen würden. Die Leiterinnen und Leiter der tschetschenischen Organisationen waren schockiert und beschämt. Nie hätten sie solch einen Brief geschrieben. Nun aber wurden sie massiv unter Druck gesetzt, ihre Unterschriften nicht zurück zu ziehen. Sie wurden bedroht und sollten sich von Memorial lossagen. Das taten sie nicht und sind jetzt noch mehr in Bedrängnis als schon zuvor. Eigentlich zeigt diese infame Aktion mal wieder, was wir hier im Ausland schon die ganze Zeit denken: Menschenrechtsarbeit in Tschetschenien ist nur unter Lebensgefahr möglich, wenn überhaupt!
Verfasst von: sarahreinke | 8. Januar 2010
Menschenrechtsarbeit in Tschetschenien: Kampf mit Lug und Trug
Veröffentlicht in Europa | Tags: Memorial, Menschenrechtsarbeit, Natalja Estemirowa, Russland, Tschetschenien




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