Verfasst von: joachimfulda | 26. Januar 2010

Sachsen: Haus einer Sinti-Familie abgebrannt – wahrscheinlich Brandanschlag

Heute berichtete Sarah über das abgerissene Roma-Lager in Italien – und unsere Freunde vom d-Roma-Blog berichten, dass das Haus einer Sinti-Familie in Sachsen abgebrannt ist. Hier die Meldung im Wortlaut:

“In den Weihnachtstagen brannte das Haus einer Sinti-Familie in Klingenhain (Deutschland) vollständig aus, Personen kamen nicht zu Schaden. Der Vorfall wurde erst gestern durch eine Aussendung der Opferberatungsstelle RRA Sachsen bekannt. RRA Sachsen geht angesichts einer Reihe von – polizeilich dokumentierten – Anfeindungen, Bedrohungen und Gewaltakten gegen die Familie von einem rassistischen Brandanschlag aus, die Polizei bisher nicht. Laut einer Meldung des MDR habe die Polizei die betroffenen Sinti noch nicht einmal über die möglichen Hintergründe vernommen. Im Folgenden der Wortlaut der Pressemitteilung von RAA Sachsen vom 25.1.2010 (wir danken Markus End für den freundlichen Hinweis):

Am 26. Dezember 2009 brannte das Haus einer Sinti-Familie in Klingenhain (Sachsen) komplett aus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, da die Familie Weihnachten bei Verwandten verbrachte. Eine Rückkehr nach Klingenhain kann sich die Familie nicht vorstellen. Das Haus ist unbewohnbar. Der Caravan-Handel der Familie ist ebenfalls niedergebrannt. Die Polizei hat derzeit noch keine Erkenntnisse zu den Tätern. Die Dorfbewohner schweigen. Dem Brandanschlag gingen jahrelange Anfeindungen und Bedrohungen voraus.

Als die Familie 2003 nach Klingenhain zog, begegneten ihnen die Nachbarn mit Misstrauen. „Grund ist das Optische, das Äußere. Die ganze Familie bis zum kleinsten Kind ist dunkel. Wir fallen sozusagen aus der Reihe“, ist sich Herr H., Vater der Familie, sicher. Von Beginn an begegneten die Dorfbewohner der Familie mit Antipathie, in der Schule kam es für Kinder und Eltern wiederholt zu bedrohlichen Situationen. Schläge, Beleidigungen und Bedrohungen waren an der Tagesordnung. Herr H.: „Es kam so weit, dass sich Neonazis vor uns mit Bierflaschen aufbauten, als wir unsere Kinder abholen wollten. Die Direktorin musste sich schützend vor uns stellen. Die Polizei kam und hat abgesperrt, damit wir rausfahren konnten.“ Auch ein Schulwechsel brachte keine Besserung der Situation.

Diesem rassistischen, antiziganistischen Klima blieb die Familie sechs Jahre lang ausgesetzt: Beschimpfungen als „Zigeuner“ oder „Dreckpack“, immer wieder Schläge, Einbrüche, Vandalismus. Einmal beschoss ein Nachbar sogar das Haus. Bei der Polizei gestellte Anzeigen wurden jedoch alle eingestellt. Nun erklärten die örtlichen Neonazis das Haus zum Angriffsziel. Von insgesamt vier Vandalismusfällen berichten die Betroffenen in den vergangenen Monaten. Im September 2009 wurde die Fensterscheibe des Kinderzimmers mit einem Stein eingeworfen, um den ein Zettel mit den Worten „Haut ab, ihr Kanaken!“ gewickelt war.

Beraterin Katja Braß sagt dazu: „Der Brandanschlag auf das Haus bildet den erschreckenden Höhepunkt jahrelanger Diskriminierungen. Ein Zurück nach Klingehain kann es nicht geben, ihre Existenzgrundlage wurde komplett zerstört. Für den Aufbau einer neuen Existenz fehlen jedwede finanzielle Mittel. Eine neue Wohnung für die neunköpfige Familie ist nicht in Sicht.“

Die Opfer brauchen nun Eure, Ihre Hilfe – hier gehts zum Spendenkonto.


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