Verfasst von: IndigeneReferat | 7. Mai 2010

Schüsse im Amazonasregenwald – Kichwa aus Sarayaku in Gefahr

Text: Nicole Hantzsche

Die Kichwa aus Sarayaku kämpfen seit langem gegen die Ausbeutung ihres Gebietes durch Erdölkonzerne. Die GfbV unterstützt ihren Prostest und das Projekt “Lebende Grenze”. Nähere Infos hierzu findest du auf der GfbV Homepage. Klick hier!

Am Donnerstag, den 29. April 2010, kam es aufgrund des Ressourcenkonfliktes zu gewaltvollen Ereignissen bei denen Angehörige der Kichwa unvermittelt durch Schüsse verletzt wurden. Seit 2005 kämpfen die Kichwa gegen die Errichtung einer illegalen Siedlung in der Nähe einer verlassenen Ölquelle auf ihrem Gebiet. Die Kichwa befürchten die Übertragung der Nutzungsrechte für die Ölquelle an interessierte Erdölkonzerne eben durch diese Siedlung.

Anlässlich dieses Vorfalls startete die Organisation Mouvement d’Actions à Travers-Monde eine Unterschriftensammlung. Die GfbV unterstützt diese Petition und bittet dich deine Unterschift abzugeben, um den Lebensraum der Kichwa und ihre Rechte zu bewahren. Klick hier!

Den deutschen Wortlaut der Petition, der weitere Hintergrundinformationen enthält, findest du hier:

Sehr geehrter Herr Präsident Correa,

Mit Bestürzung haben wir von den gewaltvollen Ereignissen erfahren, die sich am Donnerstag den 29. April 2010 auf dem Gebiet von Sarayaku ereigneten.

Seit dem Jahr 2005 protestieren die Kichwa aus Sarayaku gegen die Gründung einer illegalen indigenen Gemeinde in der Nähe einer verlassenen Ölquelle auf ihrem Gebiet.

Es ist offensichtlich, dass auf lange Sicht die Ölquelle mit der Genehmigung eben dieser (neuen) Gemeinde ausgebeutet wird. Die Ölquelle befindet sich kaum 20 Kilometer entfernt von der Ortschaft Sarayaku!

Die Gründung der vermeintlichen Gemeinde wurde trotz der wiederholten Aufforderungen durch die traditionellen Autoritäten von Sarayaku von den zuständigen Behörden nie in Frage gestellt.
Wir möchten daran erinnern, dass für die Menschen von Sarayaku die Gründung dieser Gemeinde vollkommen illegal ist, ebenso wie jeder Versuch der Instandsetzung der Ölquelle von Landayaku, die sich auf dem Gebiet von Sarayaku befindet.

Bedauerlicherweise erfuhren wir in diesen Tagen, dass bewaffnete Personen unvermittelt auf Bewohner von Sarayaku geschossen haben. Das scheint die Konsequenz der Vernachlässigung dieser Angelegenheit durch die Behörden zu sein. Die Menschen von Sarayaku fordern berechtigterweise, dass auf ihrem angestammten Territorium die konstitutionellen Rechte gewahrt werden.

Wir verfolgen mit Bewunderung Ihren Einsatz für das Yasuni – ITT Projekt, welches schließlich die ersten Meilensteine für eine neue, respektvolle Politik im Umgang mit dem Amazonasregenwald erkennen ließ. Wir schätzen gleichermaßen die Einbindung indigener Konzepte wie „Sumak Kawsay“ / „Buen Vivir“ (“Gutes Leben” oder, besser, “Gutes Zusammenleben) in die ecuadorianische Verfassung. Wir begrüßen diese als wichtigen Fortschritt.

Seit Jahren arbeiten die Kichwa von Sarayaku mit Beständigkeit und Hartnäckigkeit an Alternativen der wirtschaftlichen Entwicklung, die mit der Umwelt, den Menschen und der Kultur vereinbar sind.

Sarayakus Standpunkt reflektiert das traditionelle indigene Prinzip von „Sumak Kawsay“/ „Buen Vivir“, welches in der ecuadorianischen Verfassung integriert ist. Das Projekt Lebenslinie „Frontera de Vida, Camino de flores, Sisa Nampi“ von Sarayaku ist das beste Beispiel. Der Erfolg des Projekts sollte nicht nur ein Grund sein, auf Ihr Land stolz zu sein, sondern ebenso ein Symbol für die ganze Menschheit sowie zukünftiges Erbe für diese.

In Anbetracht dessen bitten wir Sie, Herr Präsident, höflich:
 die Rechte des indigenen Volkes der Kichwa von Sarayaku zu bewahren,
 die Gebietsgrenzen des Volkes der Kichwa von Sarayaku, die diesen am 26. Mai 1992 vom ecuadorianischen Institut für Agrarreform zugesprochen worden sind, zu respektieren. Das Gebiet des Volkes Kichwa von Sarayaku ist gemäß der ecuadorianischen Verfassung unwiderruflich, autonom und unteilbar.
 durch das Eingreifen der zuständigen Behörden des Landes Ecuador die von den traditionellen Autoritäten des Volkes Kichwa von Sarayaku formulierte Forderung zu unterstützen und die legitime und verfassungsgemäße Ausweisung der Personen zu veranlassen, die versuchen, das gemeinschaftliche und heilige Land des Volkes von Sarayaku mit der illegalen Gründung einer Gemeinde in der Region Chuyayaku / Landayaku zu spalten.

Darüber hinaus bitten wir Sie, die Idee des ITT – Yasuni Projekts fortzuführen, um sich von einem ausschließlich auf Erdöl basierenden Wirtschaftsmodell zu lösen, dabei jedoch die übrigen indigenen Gruppen nicht außer acht zu lassen – angefangen beim Volk der Kichwa von Sarayaku.

In Erwartung ihrer Antwort verbleiben wir

Hochachtungsvoll,

Name, Nachname, Ort, Unterschrift:


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