Verfasst von: nahostreferat | 24. September 2010

Bedrohte Sprache Zazaki – Theatergruppe startet „Wiederbelebungsversuch“

Regelmäßig publiziert die Unesco einen Weltatlas bedrohter Sprachen und macht damit auf Sprachen aufmerksam, die vom Aussterben bedroht sind. Mit dieser Liste soll Aufmerksamkeit erzeugt werden und Programme zur „Wiederbelebung“ auf die Wege gebracht werden.

Wie stirbt eine Sprache aus? Am stärksten vom Sprachensterben sind jene betroffen, die weniger als 1.000 Sprecher haben. Das sind 28 Prozent aller Sprachen, häufig gerade diejenigen der indigenen Völker. Fast wichtiger als die Zahl der Sprecher ist, ob die Sprache von den Großeltern und Eltern an die Kinder weitergegeben wird. So kann ein 60 Angehörige zählendes indigenes Volk in der Lage sein, seine Sprache zu bewahren, wenn es dies aktiv möchte, ein anderes Volk mit 10.000 Angehörigen kann sie verlieren, wenn es sie nicht für bewahrenswert hält. Dies geschieht aktuell in Nordchina mit Salar. Nur noch die ältere Generation über 65 Jahre spricht Salar. Die Jüngeren und Jugendlichen wachsen alle mit Mandarin auf. Mehr dazu im Report der GfbV „Bedrohte Sprachen“.

Doch was bringt es eine Sprache zu erhalten, die nur noch von 50 Personen gesprochen wird? Warum sollen in unserer globalisierten Welt überhaupt Sprachen erhalten werden, die etwa nur noch 50 Sprecher haben? Wäre es nicht besser für unsere Kommunikation, wenn wir alle die gleiche Sprache sprächen? Die Sprecher der Minderheitensprachen verlieren mit ihrer Sprache das wichtigste Abbild ihrer Kultur. Sie verlieren Bezeichnungen für Pflanzen, Tiere, Orte, Gefühle, religiöse Werte. Sie verlieren ihre Geschichten und die Verbindung zu ihrer Herkunft. Für sie bedeutet der Sprachverlust also einen massiven Identitätsverlust und nicht selten ein kollektives Trauma, das über Generationen fortwirkt.

Doch wie kann man eine Sprache erhalten? Beispiel der offiziellen Theatergruppe der Stadt Diyarbakir für den Dialekt Zazaki:
Natürlich spielt Geld immer eine Rolle, aber auch Kreativität und Engagement. Ein gutes Beispiel wie man eine Sprache „Wiederbeleben“ kann, ist das Engagement der offiziellen Theatergruppe der Stadt Diyarbakir für Zazaki:

Zazaki, ein Dialekt des Kurdischen, wurde im Jahr 2009 am Tag der Muttersprache (21.02.2009) von der Unsesco in die Liste der bedrohten Sprachen aufgenommen. Seit der Veröffentlichung des Berichts wurden viele Initiativen und Projekte in der Türkei ins Leben gerufen, um das Überleben des Zazaki sicherzustellen. Eines der Projekte stammt von der offiziellen Theatergruppe der Stadt Diyarbakir. Diyarbakir, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Südosten der Türkei. Die in der kurdischen Region bekannte Gruppe, die bislang nur Theaterstücke im kurdischen Dialekt Kurmanci aufführte, hat nun erklärt, dass sie in der neuen Theatersaison auch mit Stücken auf Zazaki auftreten wird. Die Gruppe möchte Stücke von Aziz Nesin auf Zazaki einstudieren und die Uraufführung soll in Diyarbakir stattfinden. Das Repertoire soll auch ein Theaterstück für Kinder beinhalten. Anschließend will man mit dem Stück unter anderem in Städten wie Bingöl und Dersim die mehrheitlich von Zazaki-Sprechern bewohnt sind, auf Tournee gehen.

Quellen :

Tageszeitung Zaman (türkisch)
Nachrichtenagentur Firatnews.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Dersim: Die Geschichte einer unterdrückten Region!

Der Munzur-Nationalpark soll durch acht Staudämme zerstört werden -
Aktion gegen den Staudammbau:

Einführung vom muttersprachlichen Unterricht in Kurmanci und Zaza gefordert!

Unterdrückung von Kurden und Christen endlich beenden!
Die Türkei: Nicht reif für Europa!

Bestellbar bei der GfbV:
Zeitschrift der GfbV – Pogrom: 253_2/2009 (Schwerpunkt Türkei)
Kostenloser Info-Broschüre :
Türkei: Das Schicksal der syrisch-orthodoxen Christen im Tur-Abdin


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