Am vergangenen Mittwoch, den 23. März 2011 hat ein weltweit bekannter Brasilianer viele seiner Fans, und nicht nur sie, überrascht. Ich bin zwar keine großer Fußball-Kennerin, aber ich war auch sehr erstaunt: Auf der offiziellen Webseite und auf der Page in Facebook von Raí oder Raí Souza Vieira de Oliveira, Fußball-Weltmeister von 1994, war ein tief berührendes Eingeständnis zu lesen. Darin drückt er sein großes Bedauern darüber aus, am 8.März 2011 zusammen mit anderen brasilianischen Ex-Nationalspielern wie Bebeto, Savio, Dunga, Romario und Kafu an einem Fußball-Match gegen den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow teilgenommen zu haben.
Heute schämt sich Raí, in eine „politische Farce“ verwickelt zu sein: „Sorglosigkeit, Naivität und Mangel an Informationen“ haben ihm zu „dieser Dummheit“ bewegt, so der zerknirschte Fußballer in seinem Blog. Was dieses Schamgefühl geweckt hat und warum mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Wochen, kann man nur vermuten. Das Wichtigste daran ist das öffentliche Zugeständnis des eigenen Irrtums, was viele Bewunderer seines Talents als „Tat eines großen Manns mit moralischer Haltung“ empfinden.
Das Schuldbekenntnis ist für mich um so relevanter gewesen, weil der Deutsche in Kadyrows Mannschaft, der Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, sich wohl keine Gedanken über die politische Komponente des Spiels gemacht zu haben scheint: Fußball habe nichts mit Politik zu tun. Er habe kein Problem, mit Kadyrow zu spielen, sagte Matthäus nach dem „Spaß-Match“, das die Brasilianer 6:4 gewonnen hatten.
Den großen europäischen Fußballer an seiner Seite zu haben, bedeutet für Kadyrow natürlich eine Verbesserung des Erscheinungsbildes der tschetschenischen Republik und ihres Präsidenten in der Welt. Auch das Engagement des holländischen Weltfußballer und Europameister Ruud Gullit, der seit Januar 2011 Kadyrows Fußball-Club “Terek Grosny” trainiert, sollte auch dem Ziel dienen.
Ich wundere mich in erster Linie nicht über fehlende Gewissensbisse bei den Sportlern. Was mich überrascht ist das mangelnde Bewusstsein darüber, dass diese Fußballer ihrem eigenen Ruf schaden, wenn sie sich an einer Imagekampagne des Tschetschenien-Herrschers beteiligen.
Denn unter der „friedlichen“ Führung Kadyrows (nach dem offiziell verkündeten Ende des zweiten Tschetschenien-Kriegs im April 2009) werden weiterhin Menschenrechtler und aktive Zivilbevölkerung massiv verfolgt, bedroht und gefoltert. Die Gesellschaft für bedrohte Völker ist nicht die einzige Organisation, die darauf hinweist.
Den Beitrag in seinem Blog schließt Raí mit folgenden Worten ab: „Es sind zwei große Lehren: Ich werde in Zukunft politische Prozesse in Russland und Tschetschenien genau verfolgen. Ich bin jetzt viel wacher geworden, um mögliche Verfehlungen weiterhin zu vermeiden. Ich kann nur sagen, dass diese Erfahrung zumindest als eine wichtige Lernerfahrung ist.“
Quellen:
http://www.rai10.com.br/?p=3499
http://www.facebook.com/rai10oficial




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