Verfasst von: joachimfulda | 5. Juli 2011

V.S. Naipauls Einblicke in die Religionen Afrikas: Maskenspiel (Buchbesprechung)

In diesem Blog besprach ich diverse Bücher, die sich mit Afrika auseinandersetzten, sei es Ousmane Sy, sei es Wangari Maathai, sei es Volker Seitz oder Rupert Neudeck. Nun dieser eher belletristische Beitrag des Nobelpreisträgers Naipaul, der mit seinem “Afrikanischen Maskenspiel” nicht nur Einblicke in die Religionen Afrikas gibt, sondern auch seinen eigenen Werdegang skizziert.

Mit gewisser Neugierde griff ich kürzlich zum Band “Afrikanisches Maskenspiel” – dem vielleicht letzten Band des Literaturnobelpreisträgers V.S. Naipaul. Dies ist ein durchaus interessanter Reisebericht – eine Fahrt von Uganda über Westafrika bis nach Südafrika. Er gibt mit diesem literarisch angehauchten Bericht Einblicke in die Religionen Afrikas.
Man merkt, dass der Autor einerseits seiner karibischen Herkunft verpflichtet ist. Seine Eltern stammen aus Indien, er selbst hat in England und Afrika studiert. Auf seiner Reise erforscht der Literaturnobelpreisträger religiöse Traditionen und Riten, christliche wie islamische, Mythen und Magie animistischer Glaubensrichtungen. Doch entgegen aller positiven Annahmen zeichnet Naipaul ein eher negatives Stimmungsbild von Afrika.

Was Außenstehende verstören mag, so weiß man mit Naipaul einen Romancier mit Bodenhaftungung: er schafft es, sachlich das “Andere” zu erfassen und es als Spiegel für das eigene Verhalten zu begreifen. So hält dieser wohl vom Aussterben bedrohte Spezies allen engstirnigen Menschen dieser Welt einen Spiegel vor. Dass dabei in Afrika sowohl Animismus, Christentum und Islam aufeinandertreffen – ja und? Schließlich treffen dort auch chineische, amerikanische und europäische Machtinteressen aufeinander. Dank Naipul wissen wir, wie vor Ort der spirituelle Supermarkt der Religionen funktioniert. Dabei eintsteht der Eindruck, der Afrika überstülpte theologische Horizont habe sich negativ auf die ideengeschichtliche Entwicklung Afrikas ausgewirkt. Wer dies wirklich in seinen Einzelheiten wissen will, sei auf Naipauls letzten Reisebericht erwähnt. Nicht umsonst werden anders gearterte Menschen aufgrund ihres “Anderssein” massiv behindert und ermordet…daher sein der Bericht des Romanciers Naipauls jenen empfohlen, die sich abseits der praktischen Menschenrechtsarbeit auch der Belletristik erwärmen und auch hier über den Tellerrand schauen wollen.

Der Band ist bei Fischer erschienen und kostet 22,95Euro. Ein sehr lesenswerter, tiefgängiger Beitrag in die Kultur Afrikas!


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