Verfasst von: joachimfulda | 14. August 2011

Mandelas schweres Erbe – Buchbesprechung Hans-Joachim Löwer (Herbig Verlag)

Nelson Mandelas Freilassung war für viele Menschen die große Hoffnung, die Apartheid überwinden zu können. Zusammen mit Bischof Desmond Tutu gelang es ihm, in den 90er Jahren einen relativ friedlichen Übergang von der Rassentrennung hin zu einem versöhnten Südarfrika zu gestalten. Doch dass die Folgen der Aparthed nicht in wenigen Jahren beseitigt werden können, zeigt die beeindruckende Reportage Hans-Joachim Löwers: “Mandelas schweres Erbe – Südafrika am Scheideweg”. Der langjährige Reporter des Stern und National Geographic hat sich jedenfalls auf den Weg gemacht, sich das Südafrika jenseits der Touristen-Pfade zu erschließen. Von diesem Weg berichtet er in diesem Band. Es gelingt auf einfühlsame Art, die Lebenswirklichkeit am Kap eingängig zu beschreiben.

Letztes Jahr präsentierte sich Südafrika zur Fußball-Weltmeisterschaft als ein moderner Staat, in dem keine zwanzzig Jahre nach Ende der Apartheid alle Ethnien friedlich zusammenleben. Doch halt! Geht das überhaupt so schnell? Was passiert eigentlich hinter dieser vordergründig heilen Fassade? Hans-Joachim Löwers Verdienst ist es, quer durch Südafrika zu reisen und mit all jenen Menschen zu sprechen, die im heutigen Südafrika leben – und überleben.

In diesem ausführlichen Reisebericht zeigt Löwer jedenfalls, was ausgewogener Journalismus ist: er beschreibt präzise und behält dabei eine skeptische Vernunft, die ihn davor bewahrt, Probleme überzubewerten (wie bei Linda Polmans “Die Mitleidsindustrie” der Fall) oder in Lobhudelei zu verfallen. Er beschreibt nüchtern und objektiv die vielen Aspekte des modernen Südafrikas: seien es soziale Ungerechtigkeiten, AIDS oder Korruption. Es scheint so, als ob Südafrika überhaupt keine Zukunft hat und Nelson Mandels Erbe mehr Last als Chance ist.

Löwer beschreibt nun sehr eingängig und prägnant das heutige Südafrika. Es kommen viele verscheidene Menschen zu Wort – und er lässt sie ausreden. Dabei bewertet der Autor nicht, sondern führt den Leser in eine Welt ein, die jenseits der reißerischen Aufmacher der Sensationspresse oder Tourismusindustrie beheimatet ist. Was mir an diesem Band gefällt, ist die nüchterne, ausgewogene Sprache.

Der Band lässt sich eingängig und zügig lesen, der Schreibstil ist schnörkellos. Ohne groß Aufhebens zu machen, gelingt es dem Autoren, werturteilsfrei zu berichten, so wie es leider im deutschen Journalismus selt geworden ist. Man merkt: Hans-Joachim Löwer hat es nicht nötig, reißerisch zu wirken. Positiv ist abschließend auch hervorzuheben, dass er in jedem Kapitel seine Gesprächspartner zu Wort kommen lässt, ohne sie bloßstellen zu wollen. Er zeigt ein Südafrika, so wie wir es aus kaum einer deutschen Tageszeitung erleben oder im Urlaub. Was für die Ausgewogenheit des Bandes spricht: er zeigt eben nicht nur die negativen Seiten im heutigen Südafrika. Löwer sprach eben auch mit jenen, die ihr Schicksal in die Hand nehmen und ihre Zukunft und die Südafrikas gestalten wollen. Von diesen Geschicht geht eine stille Hoffnung aus, dass Mandelas Erbe eben nciht allzu schwer ist. Nur: der Weg wird ein langer sein, um Südafrika zu einen. Mandelas Verdienst ist es, wie ein guter Winzer den Grundstock für ein geeintes, friedliches Südafrika jenseits von Rassenunruhen zu schaffen. Was Löwer gelingt zu zeigen: dazu müssen heute nicht mehr die Rassengrenzen, sondern die bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten überwunden werden. Insgesamt ein spannend zu lesendes Buch, dass wirklich empfehlenswert ist.

Hans-Joachim Löwers Band erschien im Herbig-Verlag und kostet 9,99 Euro. Für die Qualität des Bandes ein gutes Angebot. Besonders für jene geeignet, die sich für mehr als nur einen klassischen Südafrika-Urlaub interessieren.


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