Verfasst von: joachimfulda | 28. Oktober 2011

“Der Glücksfinder” – die Geschichte einer Flucht aus Afghanistan….

Kann man in Afghanistan sein Glück finden? Das war mein erster Gedanke, als ich die Verlagsankündigung von Edward van de Vendels und Anoush Elmans “Der Glücksfinder” im Carlsen-Verlag las. Es handelt sich um einen authentischen Bericht aus Zeiten, als die Taliban in Afghanistan die Macht übernahmen – und der Protagonist allen Widrigkeiten trotzt und sich als Glücksbringer bezeichnet.

Das in diesem Blog bereits besprochene Computerspiel “Last Exit Flucht” gibt einen ersten Einstieg in das Schicksal von Flüchtlingen. Wer darüber hinaus ein absolut lesenswertes Buch sucht, sei “Der Glücksfinder” von Edward van de Vendel und Anoush Elman empfohlen, das von Rolf Erdorf vorbildlich übersetzt wurde. Anoush Elman erzählt sein Leben in unterschiedlichen Erzählsträngen – der 1989 in Afghanistan geborene Junge berichtet einerseits von seiner teilweise unbeschwerten Jugend in Kabul, aber auch von seinem Leben in holländischen Auffang- und Flüchtlingslagern. Beide Erzählstränge verknüpft er mit der Flucht seiner Familie vor der Verfolgung der Taliban. Besonders seine Wahrnehmung der Attentate des 11.September 2011, aber auch die Ermordung des holländischen Rechtsaußen Pim Fortuyns sind sehr beeindruckend, haben doch beide Ereignisse unmittelbare Auswirkungen auf das Leben Anoush Elmans und seiner Familie.

Dieser absolut empfehlenswerte Band ist ein eindringliches Plädoyer für mehrh Menschlichkeit. Die Geschichte beschreibt den Lebensweg Hamayuns, der zehnjährig mit seiner Familie vor den Taliban flüchten. Diese verfolgen besonders seinen Vater, der aus Sicht der Taliban den Frevel begang, Mädchen zu unterrichten. Die erlebte Flucht, das unsägliche Leiden, das sich Ausgeliefert-Fühlen an Menschenhändler beschreibt der Protagonist der Geschichte eindrücklichst. Aber auch die Erfahrungen im “Gastland” Holland werden anschaulich geschildert, inklusive einer repressiver werdenden Asylpolitik der Regierung. Letztlich schildert Hamayun (alias für den Autoren Anoush Elman) eine Geschichte zwischen Freundschaft und Hoffnung, Verrat und Enttäuschung – und wie man selbst als Flüchtlingskind sein Glück finden kann. Das Grandiose an dem Buch ist: der Ich-Erzähler soll nach Aufforderung einer seiner Lehrerin ein Theaterstück auf die Schul-Bühne bringen – in diesem Stil schreibt Elman auch dieses Buch. So kommt es bisweilen zu grotesken Schilderungen. Dies führt aber zu einer kurzweiligen, spannenden Lektüre.

Im Gegensatz zu dem ebenfalls im Carlsen-Verlag erschienenden Band “Der Schrei des Löwen” ist diese Schilderung wahrer Begebenheiten absolut empfehlenswert! Hier geht es direkt zum Carlsen-Verlag – dieser 14,95 Euro teure Band ist ein sehr sinnvolles Geschenk. Wer sich übrigens für ein Interview mit dem Autorenteam interessiert, wird auf der Webseite des Verlages fündig.


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