Stellungsnahme der GfbV zum offenen Brief von Henning Mankell und der Veröffentlichung auf diesem Blog

Die Aussagen im offenen Brief des Schriftstellers Henning Mankell zur Lage in Israel und Palästina stehen in eklatantem Widerspruch zur Position der Gesellschaft für bedrohte Völker zu diesem Thema. Dass sein Brief auf diesem Blog veröffentlicht wurde, war ein schwerer Fehler. Dafür entschuldigt sich der Autor und der Vorstand unserer Menschenrechtsorganisation. Unglücklicherweise kursiert der Blogeintrag auf mehreren anderen Blogs und hat zu zahlreichen Kommentaren geführt. Für die Kommentare dankt die GfbV, möchte aber nochmals mit aller Deutlichkeit betonen, dass entgegen der Darstellung auf anderen Blogs, Mankells Position in keinster Weise diejenige der GfbV wiedergibt.

Die Stellung der Gesellschaft für bedrohte Völker zu Israel und Palästina wurde in mehreren Presseerklärungen und Texten in den letzten Jahren deutlich formuliert. Man kann sie wie folgt zusammen fassen:

Die Spirale der Gewalt muss endlich durchbrochen werden. Nicht nur die Palästinenser sind nach der Staatsgründung Israels 1948 Flüchtlinge geworden. Israel selbst wurde von Flüchtlingen, Überlebenden des Holocausts gegründet. Die geflüchteten jüdischen Minderheiten der arabischen Welt wurden dort aufgenommen.
Israel bleibt verletzbar, umgeben von 20 autoritär regierten und meist hochgerüsteten arabischen Staaten mit rund 300 Millionen Einwohnern. Im arabischen Raum wurden Minderheiten wie die assyro-chaldäischen Christen, Yeziden und Kurden im Nordirak, Schwarzafrikaner im Südsudan, den Nuba-Bergen und Darfur Opfer von Genozid. Andere ethnische und religiöse Minoritäten müssen sich gegen Diskriminierung, Unterdrückung oder Verfolgung wehren.

Frieden im „Heiligen Land“, in Israel und Palästina, der Rückzug der israelischen Truppen (aus den seit 1967 besetzten Gebieten), die gegenseitige Anerkennung sind nur durch eine entschiedene offensive Friedenspolitik des Westens, der USA und Europas möglich. Deshalb sind militärische Sicherheitsgarantien der NATO, der USA und der UN unverzichtbar. Dazu gehört aber auch die Entmilitarisierung eines zukünftigen Staates Palästina. Deutschland ist besonders verpflichtet, die Zerstörung Israels zu verhindern. Jede deutsche Regierung muss sich für die Aufnahme Israels in die Europäische Union einsetzen, sofern eine israelische Regierung dieses eines Tages wünscht.
Sarah Reinke für die GfbV

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3 Gedanken zu “Stellungsnahme der GfbV zum offenen Brief von Henning Mankell und der Veröffentlichung auf diesem Blog

  1. Daß die GfbV – infolge unserer Berichterstattung in dem Blog FreieWelt.Net – sich eindeutig von den antisemitischen Ausfällen Mankells distanziert, ist zu begrüßen. In meinem FreieWelt.Net-Kommentar hatte ich darauf verwiesen, daß die GfbV sich im Zusammenhang mit der Kampagne Möllemanns und Karslis gegen Israel und den Zentralrat der Juden im Jahr 2002 von den antisemitischen (und pro-baathistischen) Äußerungen des damaligen (ex-)grünen Landtagsabgeordneten Karsli abgegrenzt hatte – und die damalige anti-antisemitische Positionierung der GfbV in einem “offenen Gegensatz” zu dem Lob Mankells stehe.

    Dies ändert jedoch nichts daran, daß die GfbV sich (nach den mir vorliegenden Informationen) niemals von den antisemitischen Verlautbarungen eines Rupert Neudeck oder eines Ludwig Watzal distanziert hat, die als Autoren Ihrer Publikationen auftreten. Mit Herrn Karsli haben Sie zumindest noch im Jahr 2000 in Sachen Kosovo-Metohija und Tschetschenien kooperiert resp. dessen pro-islamistische Stellungnahmen ohne jede Distanzierung dokumentiert, im Schulterschluß mit ihm wirkten Sie an der einseitigen Verurteilung Jugoslawiens und Rußlands mit, als antijugoslawische (albanische) und antirussische (tschetschenische und dagestanische) Gewaltsezessionisten Juden und Christen in ihrem Machtbereich für vogelfrei erklärten.

    Wenn Sie – begrüßenswerterweise – schreiben: “Israel bleibt verletzbar, umgeben von 20 autoritär regierten und meist hochgerüsteten arabischen Staaten mit rund 300 Millionen Einwohnern.”, so bin ich etwas erstaunt darüber, daß sie im Zusammenhang mit der Bedrohung Israels durch dschihadistische Mörderbanden an keiner Stelle die Islamische “Republik” Iran erwähnen.

    • Die Position Mankells – insbesondere wenn er Israels Auflösung fordert – ist in der Tat antisemitisch. Denn sie würde sicherlich mit der Vertreibung der Israelis enden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker tritt ein für den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten und die Schaffung eines palästinensischen Staates. Dieser sollte entmilitärisiert sein, nicht zuletzt weil es 20 meist autoritär regierte arabische Staaten mit eigenen Armeen gibt. Dass wir uns von dem grünen Ex-Landtagsabgeordneten Karsli nicht abgegrenzt haben, ist uns völlig neu. In einer Pressemitteilung der GfbV vom 9. April 2003 heißt es: „Unentschuldbar aber ist, dass eine Reihe von deutschen und europäischen Persönlichkeiten enge Verbindungen zu dem Terrorregime Saddam Husseins unterhalten haben, dessen Führung dringend vor ein internationales Tribunal gestellt werden muss, unter ihnen sind Jamal Karsli, Jürgen W. Möllemann, Horst Mahler, Jörg Haider, Jean-Marie Le Pen, die deutsche NPD, die deutsche Nationalzeitung des Herrn Frey, der Gaddafi-Freund Alfred Mechtersheimer, verschiedene sogenannte antiimperialistische Gruppen in Deutschland und Österreich, radikale Zeitungen wie Junge Welt und Junge Freiheit und Mitarbeiter des Deutschen Orientinstitutes wie Aziz Alkazaz, privat auch Generalsekretär und Vizepräsident des baathistischen Kongresses der Auslandsiraker.“

      Am 17. Mai 2002 hieß es über Karslis Solidaritätsflug zu Saddam in einer Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker: „Die sich an die FDP-Politiker Pieper und Westerwelle wendet und die Karsli vorwirft, den Völkermord an den irakischen Kurden begünstigt zu haben.

      In der Zeitschrift pogrom-bedrohte Völker Nr. 213 vom März 2002 erscheint Karsli als einer „Freunde des Henkers Saddam Hussein“. In einem offenen Brief vom 9. Juli 2001 an den migrationspolitischen Sprecher von Bündnis90/Die Grünen im NRW-Landtag fordert die GfbV Karsli auf, sein Amt niederzulegen, weil er permanent als Anwalt des irakischen Diktators auftritt. Am 24. April 2002 wirft die GfbV in offenen Schreiben an den FDP-Vorstand Karsli vor, er verschweige die schlimmste Kurdenausrottung seit Atatürk und fordert Westerwelle und Pieper auf, Karsli nicht in die FDP aufzunehmen.

      Vielleicht sollten Sie doch begrüßen, dass wir in der von Ihnen kritisierten Presseerklärung die 20 autoritär regierten und hochgerüsteten arabischen Staaten nennen und deshalb die Entmilitarisierung eines zukünftigen palästinensischen Staates befürworte,. in diesem Zusammenhang den Iran auslassen, dessen ungeheuerliche atomare Drohungen gegen Israel wir ebenfalls benannt und verurteilt haben.

      Gar nicht folgen können wir Ihnen, wenn Sie unsere zahlreichen Menschenrechtsinitiativen gegen die Vernichtung der bosnischen Muslime und den Völkermord an den Tschetschenen attackieren. Für uns sind Genozid und Vertreibung immer und überall unentschuldbare Verbrechen.
      Tilman Zülch, Vorstandsvorsitzender

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