Indonesien: Massive Umweltzerstörungen in West Papua

West Papua ist der westliche Teil der Insel Neuguinea und gehört politisch zu Indonesien. Im Hochland sowie an den Küsten leben etwa 250 indigene Papuagemeinschaften mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. In West Papua befindet sich auch der letzte intakte tropische Regenwald Asiens. Das Land ist besonders reich an Rohstoffen wie Kupfer, Gold, Silber, Nickel, Bauxit, Erdöl und Erdgas. Nach dem erzwungenen Anschluss an Indonesien 1963 setzte sich die Regierung in den Folgejahren rigoros über die traditionellen Landrechte der Papua hinweg. Laut indonesischer Gesetzesauffassung sind Land, Wald, Wasser und die Ressourcen Eigentum des Staates.

Seit den 1960er Jahren werden weite Teile des Landes per Konzessionen an multinationale und nationale Minen-, Erdöl- und Holzschlagfirmen vergeben. Im Hochland von West Papua befindet sich die weltweit größte und profitabelste Gold- und Kupfermine, die „Grasberg-Mine“. Sie wird vom amerikanischen Konzern Freeport McMoRan betrieben. Seit den 1990er Jahren ist der Konzern der größte Steuerzahler in Indonesien und erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes West Papuas. Die Mine zerstört die nähere Umwelt in unvorstellbarem Ausmaß. Giftige Abfälle werden in die Flüsse gekippt. Bei Überschwemmungen werden diese in die Regenwaldgebiete transportiert, sodass viele Pflanzen absterben. Alle Versuche, Freeport dafür zur Verantwortung zu ziehen, scheiterten bisher.

Auch die Küstenregionen sind von der Zerstörung bedroht. Der Energiekonzern BP erschließt im Nordwesten West Papuas ein Erdgasfeld, das derzeit größte Entwicklungsvorhaben in Indonesien. Es ist voraussehbar, dass es in den nächsten Jahren zu einschneidenden Veränderungen der ökologischen, sozialen, politischen und kulturellen Verhältnisse in der Region kommen wird.

Dramatisch ist auch die Regenwaldzerstörung durch Holzeinschlag. Seit den 1960er Jahren sind etwa 80 Prozent der indonesischen Wälder verschwunden. Nach der fast vollständigen Vernichtung der Regenwälder auf den Inseln Sumatra und Kalimantan ist West Papua in den Fokus internationaler Holzunternehmen geraten. Der Gewinn aus dem Holzeinschlag wird auf 100 Millionen bis über eine Milliarde Dollar jährlich geschätzt. Mit wertvollem Edelholz werden illegale Milliardengeschäfte gemacht. Die indonesische Regierung will außerdem den globalen „Biosprit“-Boom ausnutzen und 20 Millionen Hektar Ölpalmplantagen auf früheren Regenwaldflächen anbauen – ein Viertel davon in West Papua. Es ist davon auszugehen, dass es hier in zehn bis 15 Jahren keinen Tieflandregenwald mehr geben wird.

Für die indigene Bevölkerung bedeutet dies die Vernichtung ihrer traditionellen Lebensweise, die Entweihung ihrer sakralen Stätten und den Verlust ihrer kulturellen Identität. Ganze Dorfgemeinschaften wurden von indonesischen Militärs zwangsumgesiedelt. Entschädigungen für den Entzug ihres Landes und die ökologischen Zerstörungen bekamen die Papua nicht oder nur in sehr geringem Umfang. Bei militärischen Operationen in den 1970er und 1980er Jahren wurden vor allem im entlegenen Hochland über 150.000 Papua getötet.

Seit den 1960er Jahren kämpft die indigene Bevölkerung für die Unabhängigkeit West Papuas von Indonesien und gegen die rücksichtslose Ausbeutung ihres Landes durch multinationale Konzerne. 1964 wurde die OPM (Organisasi Papua Merdeka – Organisation Freies Papua) gegründet. Die Papua fordern politische und wirtschaftliche Teilhabe, Entschädigung für Landenteignungen sowie Umweltschutz- und Entwicklungskonzepte, die ihre Lebensweise berücksichtigen. Die teils gewaltsamen Aktionen der OPM gegen die „Grasberg-Mine“ im Hochland liefern der Regierung einen Vorwand für ihre massiven Repressionen. Das gesamte Minengebiet wird von Militärs bewacht. Zwischen 1998 und 2004 zahlte Freeport „Schutzleistungen“ in Höhe von rund 30 Millionen US-Dollar an Polizei und Militär. Seit Mitte Juli 2009 sind bei Angriffen auf Mitarbeiter und Wachleute der Mine mindestens zwölf Menschen getötet worden. Von der Regierung wurde die OPM für die Morde verantwortlich gemacht, es gibt jedoch dafür keine Beweise. Der indonesische Verteidigungsminister schließt nicht aus, dass bei den Angriffen auch Polizisten und Soldaten, die um die Sicherheitsdienste für die Grasberg-Mine konkurrieren, bei den Anschlägen beteiligt waren.

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