Uranrausch in Australien

Weltweit sind gegenwärtig 443 Kernkraftwerke in 31 Ländern in Betrieb. 48 Reaktoren werden zur Zeit gebaut. Geplant sind weltweit weitere über hundert neue Anlagen vor allem in China, Russland, der EU und in Indien (Statistik vom Nuklearforum Schweiz). Circa 70 Prozent des weltweiten radioaktiven Rohstoffs befindet sich unter dem Land indigener Völker, die dadurch besonders von den Folgen des Uranabbaus betroffen sind. Die größten Uranerzvorkommen befinden sich in Australien, vor allem im Norden des Landes, in dem verschiedene Aborigine-Völker leben.

Die Regierung des Bundesstaats Westaustralien hat im November 2008 das Verbot des Uranabbaus von 2002 aufgehoben. Der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton beginnt nun ab 2011 mit dem Ausheben einer neuen Uranmine. Ab 2014 sollen im westaustralischen Yeelirrie – der Aborigine-Name bedeutet Stätte des Todes – jährlich bis zu 8.000 t Uran gefördert werden. Der Konzern plant außerdem den Ausbau der größten bekannten Uranmine Olympic Dam im Süden Australiens. Die Förderkapazität will BHP dort von jährlich 4.000 t bis auf 19.000 t steigern. In den nächsten 20 bis 30 Jahren sollen an der Ostküste Australiens mehrere neue Kernkraftwerke gebaut werden.

1996 wurde gegen den Widerstand der traditionellen Eigentümer im Norden des Landes mit dem Bau einer Uranmine in Jabiluka im Kakadu-Nationalpark begonnen. Der 20.000 Quadratkilometer große Nationalpark wurde von der UNESCO in die Liste sowohl des Kultur- als auch des Naturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Mirrar-Aborigines kämpften 16 Jahre lang mit Unterstützung einer Vielzahl von Umweltschutz- und Anti-Atomkraft-Gruppen erfolgreich gegen die Inbetriebnahme der Mine. Im Jahr 2002 stellte die Bergbaugesellschaft Rio Tinto die Entwicklung der Mine endgültig ein. In der benachbarten Ranger-Uran-Mine, das zweitgrößte Uranbergwerk der Welt, geht jedoch die Uranförderung trotz extrem hoher Umweltbelastung weiter. So trat im Jahr 1988 sechs Monate lang unkontrolliert Radioaktivität aus. Auch danach gelangte immer wieder verseuchtes Wasser in die Flüsse der Umgebung. Im Norden Australiens leben noch Aborigines als Viehzüchter, Kleinbauern oder Jäger und Sammler. Wenn ihre Böden und Gewässer durch den Uranabbau unbrauchbar werden, verlieren sie damit ihre Existenzgrundlage.

Vom Reichtum Australiens haben die Aborigines nicht profitiert. Die Minenaktivitäten der Großkonzerne haben ihnen keine erkennbaren strukturellen oder finanziellen Vorteile gebracht. Im Gegenteil wurden in der Folge des Uranabbaus und der Lagerung von radioaktiven Abfällen die traditionellen Siedlungsgebiete und rituellen Stätten der Aborigines zerstört und verseucht. Heute leben über die Hälfte der Aborigines in den Städten. Das tägliche Leben vieler Indigenen wird bestimmt von Problemen wie Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Korruption.

Gegen die fast hemmungslos zu nennende Ausbreitung des Uranbergbaus mit verheerenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und der Umwelt leisten indigene Völker weltweit Widerstand unterstützt von einer Vielzahl von Menschenrechtsorganisationen, Umweltschutz- und Anti-Atomkraft-Gruppen.

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