Wasser marsch in Brasilien! „Todesprojekt Belo Monte“ wird gebaut.

Text: Daniel Doerk

Wie die GfbV bereits Ende 2009 berichtete, plant Brasilien die Wiederaufnahme des Staudammprojekts „Belo Monte“ am Xingu Fluss. Am 1. Februar hat Präsident Lula nun die Erlaubnis gegeben, dieses gigantische Staudammprojekt zu bauen, das schon seit über 30 Jahren in Planung ist, aber aufgrund von massiven Protesten immer wieder gestoppt werden musste.
Internationale Umweltorganisationen haben nun erneut Alarm geschlagen und sind empört, dass die brasilianische Regierung nicht von diesem für die Umwelt verheerenden Projekt Abstand nimmt: Infolge des Wasserrückstaus werden über 400 km² Land überflutet; landwirtschaftliche Anbauflächen und vor allem kostbarer Amazonasregenwald. Dieser wird direkt vernichtet durch das Wasser und indirekt durch die vertriebenen Bauern, die woanders neues Ackerland anlegen werden und dafür den Wald roden müssen.
Darüber hinaus zerstört der Damm auch noch die Lebensgrundlage für kleine indigene Völker, die vom Wald und vom Fluss leben. Unterhalb des Staudamms wird nicht mehr genug Wasser für die Fische sein. Und oberhalb des Damms verschwindet mit dem Regenwald auch der Lebensraum der Indigenen.

Ein trauriger Ausblick. Denn wie es für die Juruna, Kayapó und andere Indianervölker weitergehen soll, ist weitgehend unbekannt. Sie selbst hatten bei den Planungen kein Mitspracherecht, wurden nicht öffentlich angehört und auch sonst so gut wie gar nicht in die Pläne eingeweiht. Ihre Zukunft ist ungewiss. Und hinzu kommt noch, dass Brasilien bei vergleichbaren Projekten in der Vergangenheit seine Versprechen nicht eingehalten hat. Bei den letzten Staudammprojekten haben von 100 umgesiedelten Familien 70 keine Entschädigung bekommen. Es hat sich in der Folge sogar eine „Bewegung der von Staudämmen Betroffenen“ gegründet.

Offiziell soll der Belo Monte-Damm die Energiesituation der Menschen in der Region verbessern, was durchaus wünschenswert wäre, angesichts der enormen Leistungsstärke des Kraftwerks aber unverhältnismäßig wirkt. Wer sich auskennt weiß daher, dass der produzierte Strom in erster Linie energieintensiven Industrien zu Gute kommen wird. So war es auch schon beim letzten Projekt, dem Tucuruí Kraftwerk. Dieser Staudamm wurde 1984 gebaut, die Anlieger in unmittelbarer Nachbarschaft aber erst über 20 Jahre später ans Netz angeschlossen.
Dass der Belo Monte Staudamm ein weiteres Prestigeobjekt des Präsidenten ist, vermuten viele Gegner. Wieder einmal wolle sich Brasilien der Welt als grüner Energieriese präsentieren, sagen sie. Über 50 % der brasilianischen Energie kommt aus erneuerbaren Quellen. Hierzu zählt die Regierung auch den Strom aus Staudammkraftwerken. Welch große Zerstörung ein jeder Stausee aber anrichtet, scheint die Regierung nicht zu sehen; oder nicht sehen zu wollen.

Vor 10 Jahren noch wurden die Pläne für den Belo Monte Staudamm aufgrund internationalen Drucks zurückgestellt. Heute scheint die Welt mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Und die vielen kleinen Stimmen aus dem eigenen Land weiß die brasilianische Regierung zu überhören. Der Weg ist frei…

Umweltorganisationen kündigen zwar weitere Proteste an, aufhalten werden sie das Projekt aber wohl nicht mehr. So teilte Brasiliens Energieminister Edison Lobao am 4. Februar mit, dass es keinen Weg mehr zurück gebe. Damit haben die finanziellen Interessen mal wieder gesiegt. Der Bau des Staudamms hat ein Volumen von ca. 12 Milliarden Euro, dass es nun unter den Firmen aufzuteilen gilt.
Die Umwelt am Xingu Fluss scheint damit verloren. Was mit den indigenen Völkern passiert, bleibt abzuwarten.

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3 Gedanken zu “Wasser marsch in Brasilien! „Todesprojekt Belo Monte“ wird gebaut.

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