Staudammbau auf Borneo – Penan werden zwangsumgesiedelt

Text: Moritz Dufner
Mit dem Wirtschaftsprogramm „Vision 2020“ versucht Malaysia zum stärksten Tigerstaat Südostasiens zu werden. Im Rahmen der Agenda ist geplant im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf der Insel Borneo zwölf Staudämme zur Energiegewinnung zu bauen. Der erste Damm, der Bakun Damm, soll bis zu 2400 Megawatt generieren. Der größte der zwölf Dämme ist bereits im Bau und soll Ende 2011 ans Netz gehen. Im Rahmen des Baus wurden mindestens 10 000 Penan, ein indigenes Nomadenvolk auf Borneo, zwangsumgesiedelt. Auch gab es nur unzureichende oder gar keine Entschädigungszahlungen. Auch beim Bau des zweitgrößten Dammes Murum kam es zur Verletzung der Rechte indigener Völker. Nach der Aussage des Chief Executive Officers des Bauherrn Sarawak Energy Behad Torstein Sjøtveit wurden für den Bau dieses Dammes 1350 Menschen umgesiedelt. Der Norweger behauptete am 2.3.2010 gegenüber der norwegischen Zeitung Dagbladet, dass seine Firma die Regelungen der Vereinten Nationen einhalten würde und die betroffenen Penan vor der Umsiedlung konsultiert worden seien. Zwar bestreiten die Penan solche Treffen nicht, sie üben aber über die Menschenrechtskommission von Malaysia Kritik: „Anstatt den indigenen Gemeinschaften die Wahl zu lassen, ob sie umgesiedelt werden wollen oder nicht, waren die „Beratungen”, die von der Regierung durchgeführt wurden, lediglich ein Mittel, um die Gemeinschaften über die Regierungsentscheidung und deren Auswirkungen zu informieren.”

Durch das gesamte Staudammprojekt sollen 7000 MW Strom produziert werden können, obwohl der Bundesstaat Sarawak selbst nur 850 MW benötigt. Dies bestätigte der staatliche Energiekonzern Sarawak Energy Behad. Ein Teil des Stromes soll deshalb über lange Unterseekabel nach West–Malaysia transportiert werden, wo die Stromnachfrage weiterhin steigend ist. Die Technik für den über 1000 km langen Weg von Sarawak nach West–Malaysia können nur wenige Firmen bereitstellen, unter ihnen ist die deutsche Firma Siemens.
Verbraucht werden soll der Strom aber, nach Wünschen der Politiker, auch auf Sarawak, indem man hier Schwerindustrie im großen Stil ansiedelt. Aluminiumverarbeitungswerke, die sehr viel Strom benötigen, sollen sich auf der Insel niederlassen. Bereits 2008 gab die Regierung dem Weltmarktführer in der Aluminiumherstellung Rio Tinto ihr Einverständnis eine Aluminiumschmelze in Similajau, Sarawak errichten zu dürfen. Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden US Dollar. Die zu erwartenden Schäden für Mensch und Umwelt sind nicht überschaubar.

Auf einer Konferenz am 15.3.2010 in Kuala Lumpur wurden weitere Investoren für die Errichtung der Staudämme gesucht. Bisher kommen die Geldgeber vor allem aus dem asiatischen Raum, wobei das Projekt von der chinesischen Firma China Three Gorges Project Corporation, die auch den Drei–Schluchten–Damm in China gebaut hatte, geplant wird. Als einzige europäische Firma war bei der Konferenz der deutsche Energieversorger E.ON Climate & Renewable Carbon Sourcing vertreten. Ob und wenn ja, wie stark sich E.ON an Dämmen beteiligen wird, deren Errichtung Zwangsumsiedlungen verursachen, ist unklar. Momentan warten wir auf eine Stellungnahme seitens des Konzerns auf eine entsprechende Anfrage. Fraglich ist allerdings, ob es sich der Energiekonzern leisten kann, mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht zu werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s