Mapuche nach dem Erdbeben – Hilfe kommt nicht an

Text: Nora Wegener
Nach dem verheerenden Erdbeben in Chile, bei dem hunderte Menschen ums Leben kamen, unzählige Chilenen verletzt wurden oder bis heute vermisst sind und ein enormer materieller Schaden entstand, stellte die chilenische Regierung in den letzten Wochen Hilfslieferungen bereit. Dennoch fehlt es gerade in den ländlichen Regionen Chiles, in denen die Mapuche, das größte indigene Volk Chiles, lebt, nach Angaben der Organisation Mapuche International Link (MIL) an lebensnotwendigen Gütern.
Dass sie als Letzte drankommen, wenn es um Hilfe und Unterstützung geht, bzw. ganz vergessen werden, kennen die Mapuche nur allzu gut.
Dem Mapuche-Aktivist Miguel Cheuqueman zufolge, erreichten zwar beispielsweise die Kommunen Tirua, Canete, Arauco und Lebu Regierungshilfen, nicht jedoch die abgeschiedenen Mapuche-Gemeinden. „Die Kommunen“, so Chequeman gegenüber der Santiago Times, „haben wahrscheinlich keine ausreichenden Mittel. Wir gehen jedoch auch davon aus, dass der politische Wille für die Unterstützung der Mapuche einfach fehlt. Denn es hat in den vergangenen Jahren einige Konflikte zwischen dem Staat und der Mapuche-Gemeinde in der Region um La Araucania gegeben.

In dieser Situation fühlen sich die Mapuche, zu denen sich rund eine Millionen Menschen zugehörig fühlen, von offiziellen Stellen zu recht allein gelassen und so ergriffen zivilgesellschaftliche Organisationen Eigeninitiative und sammelten Spende, die sie später ländlichen Gegenden verteilten. Dennoch mangelt es ihnen immer noch an Mitteln von Seiten des Staates. Die meisten Gemeinden der Mapuche liegen in weit abgeschiedenen Teilen des Landes und sind, infolge der zerstörten Straßen und der unterbrochenen Kommunikationswege, noch unerreichbarer als sonst. Aus diesem Grund sind die Folgen des Erdbebens in diesen Gegenden schwer einschätzbar. „Die Hilfe der Regierung sollte einen Jeden erreichen, unabhängig davon, ob derjenige schwarz, weiß oder Mapuche ist“, sagte Cheuqueman.

Mapuche Gemeindemitglieder klagten zudem darüber, dass sowohl die chilenischen Behörden als auch die internationale Presse sich nur auf Santiago, Concepción und die Gegend zwischen diesen beiden großen Städten konzentrieren und so der Anschein erweckt wird, dass das Erdbeben lediglich die großen Städte erwischt und verwüstet hätte.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mapuche, die schon gegenüber den spanischen Eroberern erbitterten Widerstand leisteten und in den vergangenen Jahren stärker als je zuvor um ihre Rechte, um Anerkennung, Freiheit, Gerechtigkeit kämpften, diesen Kampf auch jetzt nach dem Erdbeben aufrechterhalten können und dass sich ihre Situation aufgrund neu gefasster und dringend benötigter Politik nun verbessern wird.

Quellen:
http://www.mapuche-nation.org/deutsch/main/beitraege/mapuche_nation_frset.htm
http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE6210H220100302
http://gfbv.de/inhaltsDok.php?id=428
http://www.adveniat.de/mapuche.html
http://www.unpo.org/content/view/10875/127/
http://globalvoicesonline.org/2010/03/09/chile-mapuche-communities-affected-by-earthquake/

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