Terror in Moskau

Heute morgen rief ein Herr bei der GfbV an und warf uns vor, dass auf unserer Homepage keine Kritik an den Terrorgruppen aus dem Nordkaukasus zu finden sei, die nun den entsetzlichen Anschlag auf die Moskauer Metro verübt haben. Ich nehme diesen Anruf für eine etwas persönliche Antwort auf dem Blog zum Anlass. Gerade gestern Nacht noch ist eine Freundin aus Moskau wieder zurück nach Berlin geflogen, nachdem sie in einem Archiv gearbeitet hatte. Als Slawistin und Osteuropahistorikerin, als Person, die sich lange mit dem Land auseinandersetzt, habe ich Bekannte und Freunde in Moskau. Die Metro-Stationen, wo die Anschläge verübt wurden, kenne ich. Unsere Kollegen vom Memorial-Büro im Nordkaukasus haben den Opfern des Anschlags und ihren Angehörgen ihr Beileid ausgedrückt. Wenn man für Menschenrechte im Nordkaukasus und in Russland arbeitet, heisst das, man liebt dieses Land und die Menschen dort. Man möchte, dass es ihnen besser geht. Dass sie in Frieden, Freiheit mit einem angemessenem Lebensstandard leben können. Oder wie es Oleg Orlov, der Memorial-Chef ausdrückt: Ich bin ein russischer Patriot.

Die GfbV hat Gewalt in all ihren Formen immer verurteilt und tut dies natürlich auch heute. Uns geht es darum aufzuzeigen, weshalb Gewalt entsteht und mitzuhelfen, Gewalt zu verhindern. Deshalb denken wir, dass die russische Politik im Nordkaukasus Russland selbst zutiefst schadet. Natürlich sind von den Menschenrechtsverletzungen im Nordkaukasus zuerst die Menschen vor Ort betroffen, aber die Terroristen tragen die Gewalt ja seit Jahren nach Russland. Unserer Meinung nach kann es keine Lösung sein, als Antwort weiter staatliche Willkürmaßnahmen, Folter, Erschießungen etc. auszuüben.

Immer haben wir das Gespräch mit den demokratischen und friedlichen Kräften im Nordkaukasus gefordert. Wir arbeiten mit Frauen aus Tschetschenien zusammen, die als Menschenrechtlerinnen an Leib und Leben bedroht sind, weil sie Opfern von Menschenrechtsverletzungen helfen.

Wir beobachten in der letzten Zeit, dass sich auch in Russland, unter den russischen Bürgerinnen und Bürgern, eine Opposition gegen das System von Wladimir Putin bildet. Die Menschen verstehen, dass er Russland nicht nutzt, sondern schadet. Er ist auch der Hauptverantwortliche für die russische Politik im Nordkaukasus, die letztlich das Milieu für einen entsetzlichen Terroranschlag wie den heutigen in Moskau geschaffen hat. Unsere Aufgabe als Menschenrechtsorganisation ist es, natürlich diese Form des Terrorismus zu verurteilen aber auch den Hintergrund, nämlich die katastrophale russische Politik im Nordkaukasus zu benennen.

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