Kann online-Aktivismus Menschenrechtsverletzungen verhindern?

Letztes Jahr stellte ich mit „Von Chatraum bis Cyberjihad“ einen Forschungsband vor, dass sich mit der Wirkungsmacht des Internets auseinandersetzte. Gerade der Nahe Osten bietet sich ja als Beispiel dafür an, ob das Internet hilfreich bei der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen sein kann. Der Informationsanbieter Politik-Digital bietet nun seit geraumer Zeit eine Gastautoren-Reihe an, bei der Blogger aus digitalen Schwellenländern einen Einblick in ihre netzpolitische Welt an. Im folgenden möchte ich in Ausschnitten den Beitrag zum Libanon wiedergeben, um einen Vorgeschmack auf diese Reihe zu geben, die ich persönlich für sehr empfehlenswert halte:

„Viele Libanesen haben nicht nur ihre schlechten Lebensumstände satt, sondern auch die Tatsache, dass niemand darüber spricht. Das Internet bietet nun einen freien medialen Raum, in dem jeder einzelne seine Wünsche äußern und mit der Politik und der Verwaltung des Landes abrechnen kann. Wo die libanesischen Massenmedien versagen, behandeln mittlerweile Blogger, Bürger und Online-Journalisten die drängendsten politischen, ökonomischen und sozialen Probleme. Auch Menschenrechtsaktivisten nutzen das Netz, um auf die Notlage der – oftmals brutal ausgebeuteten – ausländischen Hilfsarbeiter aufmerksam zu machen.“

„Mit Ethiopian Suicides betreibt zum Beispiel ein Autor mit dem Pseudonym „Wissam“ einen ganzen Blog, der sich mit den Menschenrechtsverletzungen an den Gastarbeitern im Libanon beschäftigt. In einem seiner Beiträge dokumentierte er u.a. sehr detailliert die Geschichte eines philippinischen Arbeiters, der sich das Leben genommen hatte.

Im Libanon gewinnt politisches Bloggen allmählich an Tempo. Lange galt es als typisch für die Libanesen, Online- User eingeschlossen, sich mit einer der rivalisierenden politischen Fraktionen zu identifizieren. Aus dem Freiraum, den das Netz bietet, ist jedoch eine libanesische Blogosphäre entstanden, die frei von politischem und konfessionellem Lagerdenken ist. Eine komplette Absage an die politische Elite des Libanon findet sich beispielsweise lautstark formuliert in dem Blog der bekannten Cartoonistin Maya Zankoul.“

Ob das Internet Menschenrechtsverletzungen verhindern kann? Ich weiß es nicht, die Frage ist auch spekulativ. Nur eines ist sicher: das iranische Regime hätte sich am liebsten gewünscht, dass es kein Youtube gibt, mit dem Nedas Tod einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. China und Google kabeln sich auch seit geraumer Zeit – allesamt Indizien dafür, dass dem Internet eine gewisse Wirkungsmacht zugeschrieben wird und eine große Chance ist, zumindest auf Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen.

Nun findet dieser Tage die re:publica statt. Spiegel Online beschreibt, wie die Netzgemeinde zersplitter – interessanter Weise wird beim Symposium auch darüber gesprochen, ob das Netz nicht doch totalitären Systemen in die Hände spielt? Ich glaub, Internet mit all seinen Schattierungen bietet Chance wie Risiko zugleich – zum Beispiel kann China sehr wohl gut vorbereitete Propaganda streuen und kann mit allen erdenklichen Kniffen die freie virtuelle Meinungsäußerung minimieren. Und Freunde von mir nennen Studi-VZ gerne Stasi-VZ – George Orwell lässt grüßen!

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