Alltag in Tschetschenien: Entführung, Erschießung, Vater soll Sohn verraten

Auf der Suche nach Informationen für einen akuten Flüchtlingsfall – der Flüchtling aus Tschetschenien sitzt schon in Abschiebehaft – stieß ich auf folgende Nachrichten aus Tschetschenien:

9. April 2010 – Lechi Usamovitsch Bataev, geb. 1936 aus Urus-Martan wurde erschossen, als er gerade am Grab seines ältesten Sohnes auf dem Friedhof in Urus-Martan stand. In der Hand hielt er den Koran. Zeugen haben gesehen, wie jemand in Kampfanzug und maskiert an diesem Morgen zur Tatzeit vom Friedhof kam. Die Familie des alten Herrn ist schockiert. Er sei friedlich gewesen, während der Sowjetzeit hätte er einen landwirtschaftlichen Betrieb geleitet.

12. April 2010 – Chizir Isaevitsch Tschitschkanow, geb. 1963 wurde aus Sernowodsk verschleppt. Ende August war Tschitschkanows Sohn aus erster Ehe, der 1988 geborene Muslim, zu den Kämpfern gegangen. Auch aus diesem Grund verließ Hizir Tschitschikanow Tschetschenien und zog mit seiner zweiten Frau nach Saratow. Anfang April wurde er dort von Geheimdienstmitarbeitern aufgesucht, die ihn aufforderten, nach Tschetschenien zurückzukehren. Am 11. April 2010 kehrte er also in sein altes Dorf heim. Um 6:30 am nächsten Morgen wurde er von Personen in Kampfanzügen und Masken aus seinem Haus geholt. Sie fesselten ihm die Hände, stülpten ihm einen Sack über den Kopf und prügelten ihn zu einem Auto. Nach etwa drei Stunden Fahrt hielten sie in einem Waldstück und begannen ihn zu befragen. Erst zeigten sie ihm Fotos von getöteten Kämpfern, dann fragten sie ihn nach seinem Sohn. Er sagte, dass er den Aufenthaltsort von Muslim nicht kenne. Sie wussten, dass Muslim sich telefonisch mit einem entfernten Verwandten in Norwegen in Verbindung gesetzt hatte. Die Mitarbeiter der Sicherheitsdienste forderten Hizir Tschitschkanow auf, mit seinem Sohn in Kontakt zu treten und ihn zu drängen, sich den Behörden zu stellen, sonst würden sie sich nicht nur mit dem Sohn, sondern auch mit ihm selbst weiter befassen, drohten sie. Er solle sich nicht aus seinem Dorf bewegen, jede Minute könnten Mitarbeiter des Geheimdienstes zu ihm kommen. Wieder wurde ihm ein Sack über den Kopf gezogen und er wurde in das Dorf Gechi gefahren.

22. April 2010 – Tamerlan Ajsaewitsch Gajteew, geb. 1983 wurde in Grosny von Geheimdienstmitarbeitern verschleppt. 30 Mitarbeiter fuhren in sieben bis acht Fahrzeugen vor das Haus der Familie vor. Sie drangen gewaltsam in das Haus ein, schossen in die Luft und auf den Boden. Eine schwangere Frau aus der Familie wurde von einem der Mitarbeiter geschlagen, sie fiel hin. Mehrere kleine Kinder waren auch zu Hause. Tamerlan, der psychisch erkrankt ist, floh als er die Schüsse hörte auf die Straße. Die Geheimdienstmitarbeiter eröffneten auf ihn das Feuer und verletzten ihn mit zwei Schüssen am Bein. Als der ältere Bruder Tamerlans, Vischan, zu dem Platz eilte, wo Tamerlan gestürzt war, hatten ihn die Geheimdienstmitarbeiter schon in ein Auto gesetzt und waren abgefahren. Vischan fand heraus, dass Tamerlan im Krankenhaus Nr. 9 sein soll. Dort wurde ihm jedoch der Zugang zu seinem Bruder verwehrt. Später am Tag kamen nochmal Mitarbeiter des Geheimdienstes zu der Familie. Sie wollten den Computer der Familie mitnehmen. Von ihm aus habe Tamerlan Kontakt zu Kämpfern gehabt. Die Familie versuchte das zu bestreiten und verlangten Beweise für diese Behauptung. Die Geheimdienstmitarbeiter behaupteten, Tamerlan habe vor seiner Festnahme auf einen der Mitarbeiter geschossen, daher würde er nun angeklagt. Die Familie fürchtet, dass gegen Tamerlan ein Verfahren mit fingierten Beweisen eingeleitet wird und beauftragten einen Rechtsanwalt. Der Familie wird es immernoch verwehrt, Tamerlan zu sehen. Tamerlan war im August 2008 schon einmal festgenommen und brutal gefoltert worden. Danach begann er Anfälle zu haben, er begab sich auch in Behandlung. Über diese Festnahme sprach die Familie nicht, da Tamerlan gedroht worden war, er und seine Familie würden darunter leiden müssen. Tamerlan ist verheiratet und hat eine zweijährige Tochter.

Alle Informationen von folgender Seite:

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