Menschenrechte und ihre Grundlagen im 21. Jahrhundert – Auf dem Weg zu Kants Weltbürgerrechten? Eine Buchbesprechung

In letzter Zeit berichteten wir in diesem Blog über das brasilianische Staudamm-Projekt Belo Monte und den Goldstpne-Bericht zu Israel. Interessant in diesem Zusammenhang die Verleihung des Kant-Weltbürger-Preises vom letzten Jahr an Bischof Dom Luiz Cappio aus Brasilien und Professor Jeff Halper aus Israel. Dazu ist jetzt der Sammelband erschienen, von Berthold Lange herausgegeben im Ergon-Verlag.

Der Band zeigt den Kampf der Zivilgesellschaft und ihrer intellektuellen Anführer gegen Menschenrechtsverletzungen und gegen den Raub oder Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen am konkreten Beispiel Brasilien und Naher Osten. Eines wird in diesem Sammelband deutlich: menschenwürdiges Leben in unserem neuen Jahrtausend setzt Voraus, dass die Menschheit sich als Gemeinschaft versteht und es schafft, die biologischen, kulturellen und sozialen Gemeinschaftsgüter zu nachhaltig zu schützen. Wenn man sich erst einmal auf das intellektuelle Niveau des Bandes einlässt, merkt man die Sprengkraft seiner analytischen Tiefe und Globalisierungskrititik. Besonders dankenswert erscheint mir die Verknüpfung von Schutz der Umwelt, Schutz der Menschenrechte und effektiver Armutsbekämpfung, die nach langen Jahren endlich auf der öffentlichen Agenda angekommen ist.
Langes Verdienst ist es, neben der Dokumentation des Kant-Preises vom 9.Mai letzten Jahres und einer wertvollen Dokumente-Sammlung (vom Bonner Manifest zum Gemeingüterschutz“ über das „St.James Palace Memorandum“ der Nobelpreisträger zum Weltklimaschutz hin zu einem sehr interessanten Thesenpapier des Politischen Salons der Böll-Stiftung) vielfältige Beiträge zusammenzufassen. Diese reichen von Beiträgen über Kants Verhältnis zu Sklaverei und Kolonialismus in Spanisch-Amerika (von Michael Zeuske) über Denkanstöße zu Politik und politischer Ethik im Nahostkonflikt (Willhelm Wille im Dialog mit Jeff Halper) hin zu ökologischen Themen wie über die Notwendigkeit zur Errichtung einer Weltumweltorganisation (von Udo Simonis). Besonders interessant dabei ist der Fokus auf Zivilgesellschaft, die aus Kants Rechtsstaatlichkeit heraus definiert und in ihrer Bedeutung umfassend beschrieben und gelobt wird. Den Verfassern der Beiträge gelingt es im großen und ganzen, Kant in seiner hoch intellektuellen Abstraktion auf die heutige Lebenspraxis der Menschenrechtsarbeit zu übertragen und aktuell nutzbar zu machen. Diesen intellektuell-praktischen Spagat ist dem Herausgeber doch sehr gut gelungen, auch wenn die Lektüre anspruchsvoll ist und für den breiten Büchermarkt sicherlich nicht so gut geeignet ist. Dennoch ist es Verdienst des Bandes, Menschenrechts- und Umweltpraktikern weiteres intellektuelles Rüstzeug und Denkanstöße für ihre weitere praktische Arbeit zu geben.

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