Freiheit für das kurdische Mädchen Berivan!

Berivan S.

Das 15-jährige kurdische Mädchen Berivan Sayaca wurde Opfer des harten türkischen Anti-Terrorgesetzes, das bereits die Teilnahme an einer illegalen prokurdischen Demonstration als terroristische Handlung bewertet. Anhand von undeutlichen Fotos, die Berivans Teilnahme an einer Demonstration belegen sollen, wurde das Mädchen im Oktober 2009 als „Terroristin“ zu acht Jahren Haft verurteilt. Trotz mehrerer Ankündigungen des türkischen Parlamentes in der Vergangenheit das Gesetz zu ändern, hat sich für die Jugendlichen nichts geändert und die Gefängnisstrafen wurden nicht verringert oder erlassen.

Die Familie Sayaca besuchte Anfang Oktober Verwandte in ihrem Heimatort Batman, einer Stadt in Südostanatolien. In diesem Teil der Türkei kommt es häufig zu prokurdischen, meist illegalen Demonstrationen. Berivan Sayaca brach am Morgen des 9. Oktober 2009 zu ihrer Tante auf und kam nie zurück. Ihr wurde zum Verhängnis, dass an der Bushaltestelle, an der sie aussteigen musste, eine prokurdische Demonstration stattfand. Als Polizisten mit Schlagstöcken hinter ihr herliefen, flüchtete das Mädchen. Sie wurde verhaftet und als Terroristin angeklagt. Als Beweis genügte ein Foto, auf dem ein Schuh zu sehen war, der Berivans Schuh glich. Unter dem Vorwurf, sie habe Parolen gerufen und Steine geworfen, wurde sie als Terroristin zu acht Jahren Haft im Hochsicherheitsgefängnis von Diyarbakir verurteilt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist in Kontakt mit Berivans Eltern und ihrem Rechtsanwalt. Sie beteuern die Unschuld von Berivan. Ihr Rechtsanwalt macht für die neuerliche Verhaftungswelle gegen kurdische Kinder das Rechtssystem in der Türkei verantwortlich. Nach Angriffen der PKK und Unruhen in kurdischen Städten verschärfte die türkische Regierung 2006 das Antiterrorgesetz. Von dieser Verschärfung sind besonders die kurdischen Jugendlichen betroffen. Jugendliche ab 15 brauchen seither nicht mehr vor ein Jugendgericht gestellt zu werden. Außerdem gilt ein Teilnehmer an einer illegalen Demonstration automatisch als Mitglied der PKK und damit als Terrorist. Gegen bis zu 4.000 kurdischen Jugendlichen laufen Verfahren wegen ähnlicher „Vergehen“. Ihre Verbrechen lauten: Steine werfen, Beschädigung öffentlichen Eigentums, verbotene Parolen rufen und verbotene Symbole zeigen. Neben den harten Strafen sind zudem die Haftbedingungen katastrophal: Die hygienischen Zustände sind desolat, das Essen kaum genießbar und in den Zellen gibt es Kakerlaken und Ratten. Mit der Verurteilung als Terrorist und der langen Haftstrafe wird die Zukunft der Kinder zerstört.

İn den überwiegend von Kurden besiedelten Gebieten in Türkisch-Kurdistan kommt es fast täglich zu Protestaktionen gegen die türkische Militärherrschaft. Die Proteste, an denen sich Menschen aller Altersgruppen beteiligen, bleiben überwiegend friedlich. Dennoch geht die türkische Polizei gegen diese Demonstrationen der Kurden mit Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern vor. Kurdische Kinder in der Türkei sind die größten Opfer des seit Jahren andauernden Konfliktes zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung des Landes.

Unterstützen Sie unseren Appell an den türkischen Präsidenten Abdullah Gül, den Fall Berivan Sayaca erneut zu prüfen und die Repressalien gegen kurdische Kinder zu stoppen.

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2 Gedanken zu “Freiheit für das kurdische Mädchen Berivan!

  1. Hallo,
    am 01.09.2010 gibt es einen bundesweiten Aktionstag zum Thema Kurdistan, Krieg und unserer Verantwortung, denn die Kampagne TATORT Kurdistan versucht, die Zusammenhänge zwischen dem Krieg in Kurdistan und deutschen Regierungs- und Wirtschaftsinteressen zu beleuchten.

    Gruß
    TaTorte

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