BRASILIEN: „Zur Verteidigung des Xingu: Gegen Belo Monte“

Ab kommendem Montag, dem 9. August und gleichzeitig dem offiziellen Tag der Indigenen Völker, findet in der nordbrasilianischen Stadt Altamira (Bundesstaat Pará) bis zum 12. August ein Protestcamp von Vertretern verschiedener indigener Völker des Amazonasgebietes statt. Zu dem Treffen unter dem Namen „Zur Verteidigung des Xingu: Gegen Belo Monte!“ werden rund 500 Indigene erwartet.

Amazonasindianer

Das Protestcamp organisieren der Dachverband der Amazonasindianer COIAB (Coordenação das Organizações Indígenas da Amazônia Brasileira), die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens APIB (Articulação dos Povos indígenas do Brasil), der Indianer-Missionsrat CIMI (Conselho Indigenista Missionário), das sozioökologische Institut ISA (Instituto Socioambiental) und die Protestbewegung für das Überleben des Xingu-Flusses (Movimento Xingu Vivo para Sempre).
In der Diskussion stehen die Auswirkungen der Infrastrukturmaßnahmen auf die Lebensräume der Bewohner des Amazonasregenwaldes, mit besonderem Augenmerk auf das Staudammprojekt Belo Monte.
Mit diesem Treffen wollen die Amazonasindianer ihre Position gegenüber den Bauplänen verdeutlichen und versuchen, in einen Dialog mit der Regierung einzutreten. Das Protestcamp soll mit dem Aufsetzen und Unterzeichnen eines Dokuments, welches die Stellung der Indigenen verdeutlichen wird, und einer Demonstration am 12. August beendet werden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Protestbewegung mit einer Unterschriftenliste gegen das Belo Monte Staudammprojekt. Über deine Unterstützung würden wir uns sehr freuen: Klick hier!

In den nächsten Wochen wird die GfbV verstärkt hier im Blog mittels eines FAQ- Berichtes über das Projekt und den Protest der Indigenen berichten, denn angesichts der Wahlen in Brasilien am 3. Oktober 2010 wird die Debatte über das Projekt an Zündstoff gewinnen. Los geht es heute mit der Frage: Was ist das Belo Monte Staudammprojekt?

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Belo Monte bezeichnet die am Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas, geplante Wasserkraftanlage im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Nach den Plänen der brasilianischen Regierung soll dieses Bauvorhaben die drittgrößte Staudammanlage der Welt werden. Erste Entwürfe für das Projekt stammen aus den 1980er Jahren. Die Proteste gegen Belo Monte durch die angestammten Völker, die Anwohner sowie die nationalen und internationalen sozialen Bewegungen und Umweltaktivisten konnten das Bauvorhaben jedoch 1989 stoppen. Seit 2002 strebt die brasilianische Regierung erneut die Umsetzung des Projektes an, um den ansteigenden Energiebedarf des Landes zu decken. Der Xingu-Fluss soll in seinem Verlauf massiv verändert werden (siehe Karte). Die große Flussbeuge „Volta Grande do Xingu“ bzw. „Big Bend of the Xingu“ wird durch die Umleitung des Wassers mittels zweier Kanäle abgeschnitten und ihr Wasserspiegel infolgedessen auf einer Länge von etwa 100km drastisch absinken. Stromaufwärts hingegen wird der Wasserpegel ansteigen. Der geplante Stausee wird rund 516 Quadratkilometer Land verschlingen. Das entspricht in etwa der Größe des Bodensees. Die Erdmassen, die für den Bau der Kanäle ausgehoben werden müssen, sind vergleichbar mit den Mengen, die beim Bau des Panamakanals bewegt worden sind. Die Projektkosten belaufen sich nach Angaben des österreichischen Wirtschaftsblattes auf umgerechnet 8,5 Milliarden Euro. Die US-amerikanische Organisation International Rivers, die sich für den Schutz der Flüsse und die Rechte ihrer Anwohner weltweit einsetzt, veranschlagt eine Summe von 9,5 Milliarden Euro. Hingegen geht Amazon Watch sogar davon aus, dass eine Investition von rund 16 Milliarden Euro, einschließlich zwei Milliarden Euro für notwendige Starkstromleitungen, notwendig sein wird. Die Organisation Amazon Watch, mit Sitz in den USA, tritt für den Erhalt des Regenwaldes und die Rechte seiner Bewohner ein. Belo Monte soll nach seiner für 2015 geplanten Inbetriebnahme vor allem die Aluminiumindustrie in den Bundesstaaten Pará und Maranhão sowie nach langen Transportwegen auch Betriebe in São Paulo und im Südosten des Landes mit Energie versorgen.

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6 Gedanken zu “BRASILIEN: „Zur Verteidigung des Xingu: Gegen Belo Monte“

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