Die Bergschoren in der Republik Altai

90 Prozent der Schoren sind Christen, parallel dazu wird Schamanismus im Alltag weiter praktiziert

„Die Landschaft ist überwältigend schön. Die Menschen aber sind verarmt, entwurzelt und perspektivlos. Während wir im Altai unterwegs waren, fuhren wir in ein Dorf an einem See. Dort hatte ich den Eindruck, dass alle, vom Kind bis zum alten Mann, betrunken waren. Diese Menschen, die dem Volk der Bergschoren angehören, brauchen eine Zukunft, wenn ihre reiche Kultur nicht aussterben soll.“

Eine russische Filmschaffende, die vor einigen Monaten den Altai bereiste, berichtete mir mit diesen Worten von ihren Reiseeindrücken. Schon im ersten Gespräch fiel der Name der schorischen Sängerin und Schamanin Tschyltys, alias Olga Tannagaschewa. Mir wurde empfohlen, Michael Ebmeyers Buch „Der Neuling“ zu lesen, in dem sie und die Bergschoren eine wichtige Rolle spielen. So begann ich, mich mit den Bergschoren auseinanderzusetzen. Letztlich entstand daraus die Idee, dieses Volk den Leserinnen und Lesern von „bedrohte Völker – pogrom“ vorzustellen und gleichzeitig über ein Projekt zum Erhalt der schorischen Kultur zu informieren.

Die Bergschoren gehören mit 12.000 Angehörigen zu den eher kleinen Völkern Sibiriens. Traditionell lebt das Turkvolk im Süden des Gebietes Kemerowo (Republik Altai) und im Bezirk Taschtyp der Republik Chakassien. Kulturell sind die Schoren eng mit den Altaiern verwandt und wie diese Anhänger des Schamanismus. Seit dem 17. Jahrhundert waren in der Altai-Region christliche Missionare aktiv. Zu Beginn fanden die Bergschoren diese Religion attraktiv, auch weil sie für die Taufe mit Kleidern, Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen belohnt wurden. Gingen diese Vorräte zur Neige, wollten sich die Schoren nochmals taufen lassen. Die Missionare setzten daraufhin mehr und mehr Gewalt ein, um die Schoren zu bekehren. Heute bekennen sich 90 Prozent von ihnen zum Christentum, parallel dazu wird der Schamanismus im Alltag weiter praktiziert und von Kulturschaffenden wie Tschyltys gepflegt. Traditionell lebten die Schoren von der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln von Zedernnüssen, Bärlauch, Farn, Beeren und Kräutern. Sie waren außerdem erfolgreiche Imker und Schmiede.

Um 1930, schon während der Sowjetzeit, diskutierten schorische Intellektuelle mit Altaiern und Chakassen, mit denen sie eng verwandt sind, gemeinsam eine eigene Republik zu gründen. Die Pläne wurden von der Moskauer Führung, der jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen ein Dorn im Auge waren, jäh vereitelt und die wichtigsten Denker und Künstler der Bergschoren verschleppt, ohne dass man jemals wieder von ihnen hörte.

Den vollständigen Artikel könnt ihr hier gern weiterlesen.

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