Wo ist Tahseen Mammo?

Tahseen MammoAiysha Mammo bat die Vereinigung zur Internationalen Unterstützung für Kurden in Syrien (SKS) um Hilfe bei der Aufdeckung der Lage und des Verbleibs ihres Bruders Tahseen Mammo, der im syrischen Gefängnissystem verschwunden ist. Aiysha, die in Deutschland lebt, sagt: „Ich würde alles dafür tun, meinen Bruder zu finden. Ich denke jeden Tag an ihn, ich vermisse ihn so sehr.“ Auch sein Cousin ist in tiefer Sorge um ihn.

Tahseen, 1980 in Afrin geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt in Aleppo. Er wurde mit vier weiteren Personen Ende Januar 2007 durch eine Patrouille von Militärsicherheitsoffizieren festgenommen. Sie wurden zur Abteilung für Militärsicherheit in Aleppo gebracht und dann zur Untersuchungsabteilung der Militärsicherheit in Damaskus.

Amnesty International berichtet in ihrem Bericht „Your son is not here“ vom Juli 2010, dass Tahseen Mammo, ein Mitglied der yezidisch-kurdischen Minderheit, zusammen mit vier anderen Männern wahrscheinlich in Zusammenhang mit ihren friedlichen Aktivitäten als Mitglieder der illegalen kurdischen Yekiti-Partei in Syrien im Juli 2008 in Saydnaya gefangen gehalten wurde. Die fünf Männer waren am 29. Januar 2007 in einem ihrer Häuser in Aleppo festgenommen worden und alle mussten sich bereits vor dem Juli 2008 vor dem Obersten Staatssicherheits-Gericht (SSSC) verantworten.
Human Rights Watch zählte in ihren Berichten „Group Denial – Repression of Kurdish Political and Cultural Rights in Syria“ vom 26. November 2009 und „Syria: Lift Blackout on Prisoners’ Fate“ vom 10 Dezember 2009 Tahseen Mammo zusammen mit vielen weiteren Gefangenen auf, deren Verbleib unbekannt war, nachdem Gefängnispersonal im Saydnaya-Gefängnis am 5. Juli 2008 mit Feuerwaffen auf Häftlinge geschossen hätte.
Nach den Aufständen im Saydnaya-Gefängnis verloren die Familien jeglichen Kontakt mit den Gefangenen als Folge einer Informationssperre, die durch die Behörden verhängt wurde. Im Juli 2009 bewerkstelligten es vier der Familien, ihre Verwandten zu sehen, aber die Familie von Tahseen Mammo erlangte bis dahin keine Informationen über ihn. Der Prozess vor dem SSSC dauerte an.
Tahseeen und die vier anderen, die mit ihm verhaftet wurden, erschienen vor dem SSSC am 26. Januar 2010. Die vier anderen Gefangenen wurden dem gleichen Gericht noch einmal am 18. April 2010 vorgeführt, aber Tahseen war von ihnen getrennt worden und erschien nicht vor Gericht. Laut der kurdischen Yekiti-Partei sagte die Militärpolizei, dass sie ihn zur Untersuchungsabteilung, die mit der Militärsicherheit in Damaskus verbunden ist, überführt hätten.
Amnesty International bekräftigt in seinem Bericht, dass Tahseen Mammos Name von der Prozessakte gestrichen wurde. Als sein Anwalt nach einer Erklärung dafür verlangte, wurde ihm von Mitarbeitern des Gerichts geraten, „nicht mit dem Feuer zu spielen“.

Die vier anderen Männer wurden am 18. April 2010 zu fünf Jahren Haft wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation mit dem Ziel „die syrischen Territorien zu spalten“ verurteilt, eine Anklage, die häufig gegen politische Aktivisten, die der kurdischen Minderheit angehören, erhoben wird. Amnesty International glaubt, dass Tahseen Mammo und die vier Männer, mit denen er vor Gericht stand, wahrscheinlich politische Gefangene sind, die einzig wegen ihres friedlichen Ausdrucks ihrer Ansichten über die Situation der kurdischen Minderheit in Syrien gefangen sind.
Die Vereinigung zur Internationalen Unterstützung für Kurden in Syrien ruft, zusammen mit Tahseen Mammos Familie, die syrischen Behörden dazu auf, seiner Familie mitzuteilen, ob er am Leben ist und wenn ja, wo er gefangen gehalten wird und wie sein Rechtsstatus lautet. Wir fordern seine Freilassung, sofern er nicht international anerkannter Straftaten angeklagt ist oder ihretwegen in einem gerechten Verfahren verurteilt wurde.
Wir erwarten, dass die syrischen Behörden und die Regierung dieser Forderung kaum Beachtung schenken werden, daher bitten wir auch die Vereinten Nationen, internationale Menschenrechtsorganisationen und Regierungen, die Botschaften in Syrien unterhalten, sich im Namen von Tasheen Mammo gegenüber der syrischen Regierung zu äußern und Informationen über seine Situation zu verlangen, sodass seine Familie über seine Verfassung informiert wird und erfährt, wo er sich aufhält.

Quelle: www.supportkurds.org

Die über zwei Millionen syrischen Kurden, die in drei Regionen an der syrisch-türkischen Grenze die Mehrheit der Bevölkerung stellen, werden bis heute diskriminiert. Im Zuge einer massiven Arabisierungspolitik wurden 200.000 von ihnen 1962 die syrische Staatsbürgerschaft genommen. Seitdem verlangen internationale Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen auch die GfbV, ihre Wiedereinbürgerung. Dieser Volksgruppe werden bis heute sprachliche und kulturelle Rechte vorenthalten. Nach verschiedenen Schätzungen soll es zur Zeit mehrere hundert kurdische politische Gefangene in syrischen Gefängnissen geben. Dort sind Misshandlungen und Folter an der Tagesordnung. Eine Liste mit den Namen von 590 politischen Gefangenen in der „Arabischen Republik Syrien“ liegt der Gesellschaft für bedrohte Völker vor.

Zum Weiterverteilen können Sie gerne kostenfrei unser Faltblatt „Syrien: Kurdische Minderheit wird unterdrückt“ bestellen unter nahost@gfbv.de

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