BRASILIEN: Nein zu Belo Monte!

Gestern, 12. August, endete in Altamira im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará das Protestcamp „Zur Verteidigung des Xingu-Flusses: Gegen Belo Monte“ mit einem Protestmarsch und einer Abschlusserklärung. Die rund 500 Teilnehmer hatten sich versammelt, um über die Auswirkungen der Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen des Regierungsprogramms für beschleunigtes Wachstum (PAC), mit besonderem Augenmerk auf das Staudammprojekt Belo Monte, zu diskutieren.

In der Abschlusserklärung (Deutsche Fassung) sprachen sich die Teilnehmer für den Schutz des Xingu-Flusses und aller Flüsse Brasiliens aus, insbesondere jene, die durch indigenes Land fließen. Sie bekräftigten ihre Ablehnung gegenüber dem Bau des Belo Monte Staudamms am Xingu sowie anderen Projekten, die das Leben der Gemeinden betreffen und die Umwelt zerstören. Weiterhin machten sie darauf aufmerksam, dass das Regierungsprogramm für beschleunigtes Wachstum (PAC) 426 Projekte (davon 300 neue Wasserkraftanlagen im Amazonasgebiet) vorsieht, die Einfluss auf indigene Gebiete haben und isolierte Völker auslöschen werden.

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Bereits am zweiten Tag des Protestcamps (10. August) in Altamira wiederholte der Kazike Raoni Metuktire vom Volk der Kayapó, der sich bereits in den 1980er Jahren aktiv gegen die Baupläne von Belo Monte einsetzte, seine Befürchtungen: „Viele Menschen werden sterben, sollte die Regierung am Plan von Belo Monte festhalten. Solange ich am Leben bin, werde ich Nein sagen, Nein zur Zerstörung der indigenen Völker. Ihr könnt auf mich zählen! Gebt nicht auf und habt keine Angst vor der Polizei oder vor Fazendeiros oder anderen, die uns und die Natur bedrohen. Natur bedeutet Leben, sie erhält uns am Leben, und deshalb müssen wir die Natur erhalten wie unsere Väter und Mütter, die uns das Leben schenken“.

Dom Erwin Kräutler und Kazike Raoni kämpfen seit vielen Jahren für die Rechte der Indigenen Brasiliens

Raoni appellierte weiterhin an die Teilnehmer, sich nicht durch verlockende Angebote der Regierung bestechen zu lassen: „Überlasst ihnen nicht unser Wasser, unsere Fische, unser Land!“ Vereinzelte indigene Gemeinschaften hätten leider auf die Seite der Regierung gewechselt. Die große Mehrheit lehnt jedoch Großprojekte wie Belo Monte als Bedrohung und Gegensatz zur indigenen Lebensweise ab.

Im Anschluss an das Protestcamp von Altamira wird vom 16. bis 20 August 2010 das jährliche nationale Treffen Terra Livre in Campo Grande, im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, stattfinden. Die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens APIB (Articulação dos Povos indígenas do Brasil) veranstaltet Terra Livre mit dem Ziel Probleme (z.B. Landkonflikte, Gewaltverbrechen oder Negativauswirkungen von Großprojekten) der indigenen Völker Brasiliens gemeinsam zu erörtern.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Protestbewegung mit einer Unterschriftenliste gegen das Belo Monte Staudammprojekt. Über deine Unterstützung würden wir uns sehr freuen: Klick hier!

Im Rahmen des vergangenen Freitag angekündigten FAQ-Berichts über das Belo Monte Staudammprojekt wird heute die Frage geklärt, wer die Unterzeichner der Abschlusserklärung und die Betroffenen sind.

Wer sind die Unterzeichner der Abschlusserklärung und die Betroffenen des Belo Monte Staudammprojekts?

Zu den Unterzeichnern der Abschlusserklärung gehören die indigenen Völker Juruna (362), Xipaya (595), Arara (271), Kuruaia (129) und Xikrin (1343) der Region Altamira, Guajajara (19.471), Gavião (476), Krikati (682), Awa Guajá (283), Kayapó (5923), Tembé (1425), Aikeora, Suruí (264), Xavante (13.303), Karintiana (320), Puruborá, Kassupá, Wajãpi (905), Karajá (2532), Apurinã (3256), Makuxi (23.433), Nawa von Acre (423), Mura von Amazonien (9299), Tupaiu, Borari, Tapuia (180), Arapiuns, Pataxó (10.897), Tupiniquim (1950), Javaé (1208), Kaingang (28.000), Xucuru (9064), Marubu (1252), Maiuruna (1592) und Mundukuru (10.065), außerdem Kleinbauern, Flussbewohner und Bewohner aus den Städten Itaituba am Tapajós-Fluss, Trairão, Medicilândia, Uruará, Placas, Rurópolis, Gurupá, Altamira, außerdem Einwohner der Dörfer Cobra-Choca (km 45 Süd), km 27 Süd, Paratizão (km 23 Süd), Assurini und der Komunen Arroz Cru, Santa Luzia und São Pedro. Hinzukommen Vertreter der indigenen Organisationen COIAB, APIB, APOINME, ARPIMSUL, von MAB, Via Campesina, MXVPS, pastorale Gruppen und NGOs.

(Die in Klammer angeführten Zahlen veranschaulichen die Größen der indigenen Völker in Brasilien allgemein.)

Die Unterzeichner der Abschlusserklärung von Altamira protestieren gegen alle Großprojekte des Regierungsprogramms für beschleunigtes Wachstum (PAC). Ein Schwerpunkt der Versammlung war das Belo Monte Staudammprojekt. Großprojekte wie diese verstoßen gegen die Menschenrechte und verlangen der Bevölkerung große Opfer ab.

Das Baugebiet von Belo Monte befindet sich stromabwärts der Stadt Altamira im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará. Die Bewohner von Altamira und der flussabwärts gelegenen Städte Vitória do Xingu sowie Senador José Porfírio in den gleichnamigen Gemeindebezirken werden vom Bau des Belo Monte Staudamms betroffen sein. Gleiches gilt für die Bevölkerung der Städte Brasil Novo, westlich von Altamira, und Anapu, östlich von Altamira, die ebenso wie Altamira selbst von der Verbindungs- und Zufahrtsstraße Transamazônica durchquert werden. Außerdem werden die Xingu-Indigenen sowie die nicht indigene Bauern und Siedler, denen der Fluss und seine Umgebung als Lebensraum dienen, die Folgen von Belo Monte direkt zu spüren bekommen. Nach Angaben von International Rivers ist das Becken des Flusses Xingu die Heimat von 25.000 Indigenen. Der Xingu entspringt im Bundesstaat Mato Grosso und mündet nach einer Länge von rund 2000 Kilometern in den Amazonas. In der großen vom Austrocknen bedrohten Flussbeuge befindet sich z.B. das Gebiet Paquiçamba, Lebensraum der Juruna. Außerdem gehört die Xingu-Schleife zum Lebensraum der Arara.

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6 Gedanken zu “BRASILIEN: Nein zu Belo Monte!

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