Jahrestag des verheerenden Attentats auf Sinjar (14.08.2007) – Die Opfer warten immer noch auf Hilfe

Trümmer eines zerstörten Hauses in Sinjar

Trümmer eines zerstörten Hauses in Sinjar

Yezidi in Deutschland und in der ganzen Welt gedenken am kommenden Samstag der Opfer des furchtbaren Attentates von Sinjar im Nordwesten des Irak, bei dem vor einem Jahr 336 Yeziden getötet und 1000 Familien obdachlos wurden. Die yezidischen Gemeinden, die die Gedenkveranstaltung organisieren, beklagen, dass die Opfer des Terrors bis heute nicht die notwendige Hilfe erhalten haben.
Um das Siedlungsgebiet der kurdischen Yeziden im Sinjargebirge wird zwischen der arabischen Zentralregierung in Bagdad und der kurdischen autonomen Regierung in Arbil gestritten. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum Sinjar bis heute keine wirkliche Hilfe erhalten kann.

Bei dem Anschlag am 14. August 2007 waren zwei yezidische Wohnsiedlungen komplett zerstört worden. Muslimische Terroristen hatten mehrere LKW, darunter auch einen als Wasserwagen getarnten Benzintankwagen, mit Sprengstoff beladen, in die beiden Ortschaften gefahren und zeitgleich zur Explosion gebracht.

Die Yeziden bilden unter den mehrheitlich muslimischen Kurden eine religiöse Minderheit. Sie bilden eine Jahrtausende alte nahöstliche nichtchristliche und nichtislamische Glaubensgemeinschaft und sprechen die Kurmanci-Variante des Kurdischen. Ihre Gesamtzahl wird nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker auf rund 800.000 Angehörige im Nahen Osten und der europäischen Diaspora geschätzt. Ihr Hauptsiedlungsgebiet liegt im Nordirak. Hier leben etwa 550.000 Yeziden. In Armenien leben rund 18.000 Yeziden, in Syrien etwa 5000 und in Georgien noch 1.200. Die rund 50.000 Yeziden in Deutschland kamen meist als Religionsflüchtlinge aus der Türkei. Dort wird ihre Zahl heute auf etwas mehr als 400 geschätzt.

In der nordwestirakischen Bergregion Sinjar stellen die Yeziden mit etwa 400.000 Angehörigen rund 80 % der Bevölkerung. Die Straßen, die aus der Provinz Mosul in diese nordwestirakische Bergregion führen, sind meist blockiert oder nur unter Lebensgefahr passierbar. Die einzige, bisher einigermaßen sichere Verbindungslinie verläuft über Dohuk und Al-Rabia. Doch auch hier drohen islamistische Terroristen immer häufiger mit Angriffen.
In der Provinz Niniveh, in der auch die Bergregion Sinjar liegt, gab es in jüngster Zeit mehrere Anschläge auf Kurden (Muslime und Yeziden), Turkmenen, Shabak und christliche Assyro-Chaldäer. Die GfbV warnt immer wieder davor, dass der islamistische und arabisch-nationalistische Terror in dieser multiethnischen und multireligiösen Provinz einen neuen Bürgerkrieg anzetteln will. Die irakische Zentralregierung in Bagdad und die regierende arabische Alhadbaa-Fraktion in Mosul instrumentalisiert den Terror, um arabisch-irakische Truppen in die zwischen Kurden und Arabern umstrittenen Gebiete zu verlegen, in denen eine Mehrheit den Anschluss an den Bundesstaat Kurdistan befürwortet. Diese Truppen sind oft von Terroristen unterwandert, wie die Erfahrung aus Bagdad zeigt. Deshalb sind sie ein großes Risiko für Kurdistan. Viele Offiziere der alten irakischen Armee von Saddam Hussein sind wieder im Dienst. Das friedliche Irakisch-Kurdistan ist ihnen als Anhänger des alten totalitären Regimes, das für den Völkermord an den Kurden mit mindestens 500.000 Toten verantwortlich war, ein Dorn im Auge.

Die GfbV fordert eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit der Region Sinjar, dem Hauptsiedlungsgebiet der Yeziden.

Prof. Dr. J. Kizilhan von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen hat eine Studie zu den Langzeitfolgen des Attentats auf die Yeziden veröffentlicht. Kizilhan ist Diplom-Psychologe und Dozent für Gesundheitswissenschaften, Psychologie und Migration.
Er untersucht die psychischen Folgen, mit denen die betroffenen Menschen bis heute noch zu kämpfen haben und macht konkrete Vorschläge, wie man diese Spuren der furchtbaren Anschläge beseitigen könnte. Es werden auch mehr Einzelheiten über die Opfer der Anschläge in seiner Publikation veröffentlicht.

Zur Studie (pdf): kizilhan_terror_yezidi_brief

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