Ecuador: Keine Erdölförderung im Yasuní-Nationalpark

Text: Jelena Bellmer

Nach jahrelangem Hin und Her verpflichtete sich Anfang August die Regierung Ecuadors endgültig dazu, im Nationalpark Yasuní in Ecuador kein Öl zu fördern.

Keine Erdölförderung im Yasuní Nationalpark

Schon im Jahr 2007 wandte sich Ecuadors Präsident Rafael Correa mit einem nie dagewesenen Vorschlag an die Weltöffentlichkeit: Sein Land würde 850 Millionen Barrel Erdöl im Amazonasgebiet nicht antasten und damit eine der artenreichsten Regionen der Welt schützen, wenn sie dafür eine Ausgleichszahlung von der Weltgemeinschaft bekämen. Nun wurde das Abkommen zwischen der ecuadorianischen Regierung und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen unterschrieben.

Das Erdöl befindet sich im Yasuní-Nationalpark, dem Ishpingo, Tambococha und Tiputini – Gebiet (kurz ITT) nahe des Äquators, einer der artenreichsten Regionen weltweit. Es ist das traditionelle Gebiet der Huaorani. Zwei Völker, die Tagaeri und Taromenane leben dort ohne Kontakt zur Außenwelt.

Beinahe jedoch wäre das Projekt gescheitert. Politische Auseinandersetzungen innerhalb Ecuadors führten drei Mal sowohl zum Wechsel der Außenminister als auch zum Austausch der Verhandlungsgruppen. Die Umweltpolitik der Regierung blieb widersprüchlich: Man fuhr fort, Bohrungen im Gebiet zu erlauben und Bergbau-Konzessionen für viele Regionen im Amazonasgebiet zu vergeben. Durch das Abkommen mit der UN wurde nun ein wichtiger Schritt getan. Ein Treuhandfonds wurde eingerichtet, der von dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen verwaltet wird. Nun sind die Industrienationen dazu aufgerufen, die Kompensationszahlungen zu leisten. Einige haben ihre Beteiligung schon zugesagt.

Alberto Acosta, ehemaliger Minister für Energie und Bergbau, sieht dennoch keinen Grund sich zurückzulehnen. Er warnt, dass die Ölkonzerne versuchen werden, das Projekt zum Scheitern zu bringen: „Sie argumentierten mit dem nationalen Interesse und dem Gewinn für die große Mehrheit der Ecuadorianer.“ Und auch für die Regierung dürfe der Erfolg der Initiative „nicht als Vorwand dienen, dass sie nun ihre Pflichten gegenüber der Natur erfüllt hat und auf unverantwortliche Weise die Ölförderung im mittleren Süden des Amazonasgebietes beginnt oder die Türen für den Metalltagebau im großen Stil öffnet.“

Diese Sorge teilt auch der Vorsitzende der indigenen Gemeinschaft der Achuar: „Wir hoffen, dass der Erfolg des Yasuní-Vorschlags nicht den Untergang der Urwälder und Völker im Süden des Landes bedeutet“, sagte German Freire. „Wir wollen nicht, dass Correa die Verluste durch das ungeförderte Öl in der ITT-Region durch die Öffnung anderer unberührter Gebiete von indigenen Bewohnern kompensiert.“

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