Sudan: Flüchtlingslager für Hilfsorganisationen gesperrt

Das Flüchtlingslager Kalma in Süddarfur wird seit 16 Tagen von den sudanesischen Behörden sowohl für humanitäre UN-Organisationen als auch für private Hilfswerke verschlossen gehalten.Den rund 82.000 Flüchtlingen, die in dem Camp leben, konnten seit mehr als zwei Wochen keine Nahrungsmittel und kein Treibstoff für Wasserpumpen geliefert werden. Außerdem seien die hygienischen Bedingungen im Lager gerade in der Regenzeit katastrophal, berichtet der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen, John Holmes, dem Sudan Tribune. Er forderte die sudanesische Regierung auf, das Kalma-Camp in Süd-Darfur wieder freizugeben.

Ende Juli 2010 war es in dem Camp zwischen Anhängern rivalisierender politischer Gruppen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Laut Samuel Hendricks vom UN-Büro für die Nothilfekoordination (OCHA) in Darfur kamen dabei mindestens fünf Menschen ums Leben.

Seit dem 2. August 2010 wird den Hilfsorganisationen der Zutritt verweigert. Die sudanesischen Behörden wollen die Blockade des Lagers erst aufheben, wenn die UNAMID-Friedenstruppe die sich aus UN- Blauhelmen und Soldaten der AU zusammengesetzt, ihnen sechs Sprecher der Flüchtlinge übergibt, die verdächtigt werden, für die Gewaltakte verantwortlich zu sein. Die UNAMID will die Auslieferung jedoch solange verweigern, bis garantiert wird, dass die Betroffenen faire Gerichtsverfahren erwarten können.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) macht der Regierung des Sudan deshalb schwere Vorwürfe: „Das humanitäre Völkerrecht verbietet die Aushungerung von Zivilisten und untersagt auch die kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung“, sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Sudans Staatspräsident Omar Hassan al Bashir, gegen den der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) wegen des Verdachts des Völkermordes ermittelt, macht sich erneut verdächtig, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verüben.“

Die Spannungen in Kalma drohen auf andere Flüchtlingslager in Darfur und im benachbarten Tschad überzugreifen, in denen die Situation der Flüchtlinge genauso hoffnungslos ist, da ihre Rückkehr in die Heimat ungewiss ist. Denn das Ausland liefere zwar Hilfsgüter, berichtet Delius, doch es gebe kein Engagement für eine Rückkehr der Vertriebenen in ihre zerstörten 4.500 Dörfer. „Es ist abstrus. Zwar unterstützt die EU den Haftbefehl des IStGH gegen Bashir, doch für die überlebenden Opfer seines Völkermordes gibt es außer Katastrophenhilfe keine Unterstützung.“

Seit Februar 2003 führt die sudanesische Regierung einen Vernichtungskrieg gegen muslimische Schwarzafrikaner im westsudanesischen Darfur. Die Lage war nach einem Aufstand schwarzafrikanischer Rebellen eskaliert. Diese forderten Gleichberechtigung gegenüber der arabischen Bevölkerung und sagten der sudanesischen Regierung den Kampf an. Zur Unterdrückung des Aufstands bewaffnete die Führung in der Hauptstadt Khartum arabische Reitermilizen, die sogenannten Janjawid. Gemeinsam mit regulären Armee-Einheiten gingen sie gezielt gegen Angehörige der schwarzen Bevölkerungsmehrheit vor. Systematisch werden Dörfer überfallen, Brunnen vergiftet, Häuser geplündert und niedergebrannt, Dorfbewohner erschossen oder vergewaltigt. Etwa drei Millionen Menschen sind inzwischen aus den ländlichen Regionen in die Städte oder in Flüchtlingslager geflohen. Doch auch dort sind sie Übergriffen von Milizionären schutzlos ausgeliefert.

Mehr Informationen zum Hintergrund des Konflikts:

gfbv.de, sueddeutsche.de

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