BRASILIEN: ökologische und soziale Folgen durch Belo Monte!

Gestern endete das größte jährliche nationale Treffen der indigenen Völker in Campo Grande im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens APIB (Articulação dos Povos indígenas do Brasil) veranstaltet Terra Livre mit dem Ziel, die Bedrohung der Indigenen des Landes durch Landkonflikte, Gewaltverbrechen oder Negativauswirkungen infrastruktureller Großprojekte zu erörtern.

Eröffnung von Terra Livre 2010

Im Programm stand, wie schon beim Protestcamp gegen Infrastrukturprojekte in Altamira (9. bis 12. August 2010), der Fall Belo Monte. Zahlreiche Vertreter indigener Völker, Bewohner des Xingu-Beckens, umliegender Städte und Dörfer, eine Reihe an nationalen und internationalen Vereinigungen und NGOs wiederholten ihre Ablehnung gegenüber dem Megastaudammprojekt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Protestbewegung mit einer Unterschriftenliste gegen das Belo Monte Staudammprojekt. Über deine Unterstützung würden wir uns sehr freuen: Klick hier!

Indigene demonstrieren gegen Belo Monte beim Protestcamp in Altamira

Im Rahmen des FAQ-Berichts über das Belo Monte Staudammprojekt wird heute die Frage geklärt, welche ökologischen und sozialen Folgen es geben wird. Beantwortet wurden bereits die Fragen, was ist das Belo Monte Staudammprojekt und wer sind die Unterzeichner der Abschlusserklärung vom Protestcamp in Altamira und die Betroffenen.

Welche ökologischen Folgen hat der Bau von Belo Monte?

Die Flusslandschaft des Xingu mit seiner enormen Artenvielfalt wird sich stark wandeln. Dem Gebiet der großen Flussbeuge droht durch das Austrocknen die Dezimierung von Tier- und Pflanzenarten. Die Fischbestände werden zurückgehen. Stromaufwärts wird das ökologische Gleichgewicht durch die angestauten Wassermengen aus den Fugen geraten. Ein stehendes Gewässer folgt anderen Naturgesetzen, als die biologischen Gegebenheiten des jetzigen Fließgewässers. Moskitos und andere Tropenkrankheiten übertragende Tiere fänden ideale Brutstätten an dem geplanten Stausee. Die Gefahr der Ansteckung mit Malaria oder Gelbfieber wird sich infolgedessen erhöhen. Im angestauten Wasser wird die überschwemmte Baum- und Pflanzensubstanz verrotten. Dieser Fäulnisprozess führt zur Freisetzung Klima gefährdender Treibhausgase.

Welche sozialen Folgen hat der Bau von Belo Monte?

All dies wird sich sehr stark auf das Leben der Menschen auswirken. Die Flusslandschaft liefert für viele Bewohner die Lebensgrundlage. Der Fluss dient als Nahrungslieferant, als Wasserspender sowie als Transportweg. So mündet beispielsweise der Rio Bacajá im Scheitelpunkt der großen Flussbeuge in den Xingu. Fällt dieser trocken, wird der Schiffsverkehr zum Bacajá-Fluss, Heimat verschiedener indigener Gemeinschaften, unterbrochen.

Bewohner des Amazonasregenwaldes

Des Weiteren werden jene Bewohner ihrer Existenz beraubt, die aufgrund des Staudammbaus zwangsumgesiedelt werden müssen. Die Umsiedlung betrifft rund 20.000 der in der Region lebenden Menschen. Eine große Gefahr birgt zudem der Zuwanderungsstrom. Angelockt durch die Aussicht auf einen gesicherten Arbeitsplatz werden nach bisherigen Schätzungen 100.000 Menschen in die Region umsiedeln. Untersuchungen widerlegen jedoch diese Hoffnung. Nach Angaben der Menschenrechtlerin Antonia Melo von der lokalen Stiftung Leben, Produzieren und Schützen (FVPP – Fundação Viver, Produzir e Preservar) in Altamira wird der Bau des Staudamms maximal 5.000 Arbeitsplätze dauerhaft gewährleisten können. Amazon Watch erklärt sogar, dass während des Baus zunächst 40.000 Stellen verfügbar sind. Auf lange Sicht könnten jedoch lediglich 2.000 Stellen gehalten werden. In der Stadt Altamira sind bereits jetzt 20.000 Menschen ohne Arbeit. Dauerhaft wird sich demnach weder für sie noch für die Zuwanderer eine Möglichkeit zum Arbeiten bieten. Die sozialen Gegensätze werden sich verschärfen, Elend und Armut werden zunehmen. Die Perspektivlosigkeit der Zuwanderer wird dazu führen, dass sie sich den Regenwald zu Nutze machen werden, um sich eine Lebensgrundlage zu schaffen. Es droht die illegale Abholzung und Nutzbarmachung des Regenwaldes für Ackerbau und Viehzucht.

Die Entwicklungen der sozialen Strukturen im Baugebiet der Wasserkraftwerke Jirau und Santo Antônio am Madeira-Fluss im Westen des Amazonasgebietes belegen die Befürchtungen der Staudammgegner.

Dort wurde 2008 mit den Bauarbeiten begonnen. Die Anlage von Santo Antônio soll 2011, der Damm von Jirau im darauf folgenden Jahr ans Netz gehen. In das kleine Fischerdorf Jaci Paraná ca. 100 Kilometer entfernt von Porto Velho im Bundesstaates Rondônia kamen rund 10.000 Arbeiter mit Beginn des Baus der Wasserkraftanlagen, aber auch tausende junge Frauen. Die Region ist inzwischen ein Zentrum für Prostitution, Kriminalität und Umschlagsplatz für den Drogenhandel. Gleiches gilt auch für das Gebiet, in dem 1984 der Tucuruí-Staudamm im Bundesstaat Pará gebaut worden ist. Antonia Melo bekräftigt, dass dort Armut, Gewalt, Prostitution und Perspektivlosigkeit dramatisch zugenommen haben.

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4 Gedanken zu “BRASILIEN: ökologische und soziale Folgen durch Belo Monte!

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